Es gab Linsensuppe im Vereinsheim der Hainhölzer Kleingärtner. Doch die Köche waren keine Profis. Vielmehr Neuntklässler aus der Geschwister-Scholl-, der Paul-Dohrmann- und der Karl-Jatho-Schule, die in der Vereinsheimküche Rezepte ausprobiert haben, neben Würstchen im Schlafrock und belegten Brötchen eben auch Linsensuppe.
Eine Woche lang verwandelten die Schüler unter Anleitung mehrerer Auszubildender aus dem Bereich Hauswirtschaft das Vereinsheim in eine Art Kiosk-Gastwirtschaft. Einerseits kochten sie für etwa 90 Schüler, die am Projekt Youth-City Hainholz vom Jugendumweltbüro Hannover „Janun“ teilgenommen haben. Andererseits haben sie gleich Einblicke in Arbeitsbereiche der Hauswirtschaft bekommen – denn in den neunten Klassen müssen die Schüler ernsthaft über ihre berufliche Zukunft nachdenken.
Das Janun-Team hat zusammen mit der Quartiersmanagerin Christina Glahn und dem Betriebsleiter des Naturbads Hainholz, Detlev Schmidt-Lamontain, berufstätige Menschen aus verschiedenen Branchen für das Projekt gewinnen können. Youth-City Hainholz wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dem europäischen Sozialfonds „Stärken vor Ort“ sowie der Stadt Hannover gefördert. Für das praktische Kennenlernen der insgesamt neun Berufsfelder wurden das Naturbad und darum herum gelegene Orte ausgesucht.
„Viele glauben, dass Hauswirtschaft nur mit Kochen und Putzen zu tun hat“, erklärt die Auszubildende Jessica Maischak, die mit den Jugendlichen in der Kiosk-Gastwirtschaft arbeitete. „Es besteht aber auch aus Dekorieren, Kalkulieren und Planen.“ Garten- und Landschaftsarbeiten beinhalten wiederum nicht nur Unkrautjäten und Umgraben. Auch das lernten die Schüler; sie mauerten in diesem Bereich unter anderem auch eine Ablaufrinne aus Natursteinen. Vivien hat dabei geholfen. „Ich habe Pflastersteine verlegt und Zementsäcke geschleppt“, erzählt sie stolz und auch ein bisschen geschafft. „Ich wollte beweisen, dass ich stark bin.“
Viele Beete des Naturbades sehen nach dem Arbeitseinsatz der Neuntklässler wieder sehr gepflegt aus. Auch Chabane hat im Landschaftsbereich mitgearbeitet. „Ich habe Rosen gepflanzt und viel gebuddelt“, erzählt er, „ich habe auch gelernt, dass man sich konzentrieren und andere Mitarbeiter respektieren muss.“ Chabane findet diese Erfahrung interessant, aber zu anstrengend. Auch Kasra ist im Landschaftsteam gewesen. „Hat Spaß gemacht, war aber zu anstrengend“, sagt er, „ich möchte lieber im Büro arbeiten.“
Auch Büroarbeit haben viele Schüler in dieser Woche ausprobiert und im kaufmännischen Bereich erste Erfahrungen gesammelt. Wer lieber handwerklich arbeiten wollte, hat sich in der Tischler- und Textilwerkstatt versucht. Hier haben die Schüler auch das Zusammenwirken mehrerer Gewerke erlebt. Erst stellten die „Tischlergesellen“ in der Holzwerkstatt der Geschwister-Scholl-Schule Holzrahmen her. Danach setzen die Textilschaffenden aus selbst gefärbten Stoffstreifen Bilder in die Rahmen hinein.
Mindestens drei Berufsfelder sollte jeder Schüler bei Youth-City Hainholz kennenlernen. Auch in den Bereich Konfliktschlichtung und Zivilcourage, einem Arbeitsfeld der Polizei, haben die Jugendlichen hereingeschnuppert. Die Teilnehmer der Mediengruppe haben zudem die Arbeit der unterschiedlichen Gruppen gefilmt – mit tatkräftiger Unterstützung von Walter Wilcke vom Medienzentrum der Region Hannover. Für die Abschlussveranstaltung haben sie dann für jedes Berufsfeld eine Power-Point-Präsentation erstellt.
Karin Vera Schmidt