Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Schule betreibt eigene Imkerei

Stöcken Schule betreibt eigene Imkerei

Die Emil-Berliner-Schule in Stöcken produziert "hannoverschen Stadthonig". Der Leiter der Schule rechnet in diesem Jahr mit einem Ertrag zwischen 500 und 800 Kilogramm. Seine Schüler lernen in einer AG viel über die Imkerei.

Kreuzriede 12, Hannover 52.41133 9.67528
Kreuzriede 12, Hannover Mehr Infos
Nächster Artikel
Frau bei Schwelbrand verletzt

Im Innenhof der Stöckener Schule leben die Bienen in verschiedenen Bienenstöcken.

Quelle: Schmidt

Stöcken. Noch vor fünf Jahren schwirrten im Bereich der Emil-Berliner-Schule in Stöcken nicht mehr Bienen umher wie an anderen Orten in Stöcken. Seither hat sich die Zahl der kleinen Flieger in dem Schulgebäude in der Kreuzriede 12 um eine unbekannte Ziffer potenziert. 40 Bienenvölker, deren Größe jeweils zwischen 7000 und 50000 Tiere umfasst, leben und arbeiten inzwischen auf dem Schulgelände.

Mit ihnen und ihrem Honig sind neben Schulleiter Werner Schlüter 24 Schüler der Klassen 5bis 8 in der Imkerei-AG sowie weitere 16Schüler im Wahlpflichtkursus Forschendes Lernen an Bienen beschäftigt. Werner Schlüter rechnet in diesem Jahr mit einem Ertrag zwischen 500 und 800 Kilogramm Honig. Ein Teil davon wird im Rahmen der Ausstellung „Mehr Natur in der Stadt“ verkauft, die derzeit im Bürgersaal im Neuen Rathaus zu sehen ist. Dort ist der Stöckener Schulhonig in Gläsern mit der Aufschrift „Hannover schwärmt für Stadthonig“ als ungewöhnliches Souvenir zu haben. 250Gramm kosten drei Euro.

Angefangen hat dieses Projekt mit dem Wechsel von Schlüter von der IGS List an die Emil-Berliner-Schule. In der IGS war Schlüter für den wirtschaftlichen Bereich der dortigen Schülerfirma verantwortlich, die unter anderem Honig produzierte und verkaufte - allerdings unter der Regie eines anderen Kollegen mit Faible für die Imkerei. Seinen Neuanfang an der Stöckener Realschule verband Schlüter vor fünf Jahren mit der Anschaffung zweier Bienenvölker. Offensichtlich gefiel es den Bienen gut bei dem Pädagogen und den Schülern, die in einer Imkerei-AG die ersten Erfahrungen mit dem Gewerbe sammelten. Jedenfalls vermehrten sich die Tiere gut. Und immer mehr Schüler interessierten sich für die Imkerei.

Mittlerweile stehen in der sogenannten Schauimkerei mehr als zehn verschiedene Bienenkörbe - aus Styropor, aus Holz und aus Weidenruten. „Hier probieren und diskutieren wir, in welchen Stöcken sich die Bienen am wohlsten fühlen“, erklärt Werner Schlüter. Weiterhin gibt es in einem anderen, offenen Innenhof diverse Bienenstöcke, die der Königinnen-Zucht dienen. Dort sorgen darüber hinaus zehn Leistungsbienenstöcke für die gewerbliche Honigproduktion, und an etlichen Mini-Bienenstöcken können die Anfänger der Imkerei-AG viel lernen.

Etwas abseits von all dem Gesumme steht in der Pausenhalle noch ein besonderer Bienenstock. Er ist aus Plexiglas, und die Schüler können die Bienen zu jeder Zeit bei der Arbeit beobachten. Mit ihren Temperaturmessungen an diesem „gläsernen Bienenstock“ haben die beiden Neuntklässler Uwe Wiethus und Pascal Psomadakes jüngst einen Preis in Höhe von 1000 Euro bei dem Wettbewerb „Jugend forscht“ gewonnen. Als Belohnung dafür dürfen beide schon bald jeweils einen Bienenstock ihr eigen nennen.

Uwe Wiethus kann es kaum erwarten, den Stock im Garten aufzustellen. „Ich werde auf jeden Fall Hobbyimker, vielleicht sogar Imker im Hauptberuf“, erzählt der 16-Jährige stolz. Pascal Psomadakes würde seinen Bienenstock gern im Schrebergarten der Familie aufstellen, weiß allerdings noch nicht, ob er eine Genehmigung dafür erhält. „Die Arbeit mit Bienen in der Schule ist anstrengend, macht aber viel Spaß“, sagt der 15-Jährige. Sonst würde er nicht so oft nach Schulschluss oder am Wochenende in der Schulimkerei arbeiten. Zu den Tätigkeiten gehört die Pflege der Stöcke, aber auch das Abfüllen von Honig und das Etikettieren der Gläser. Nach Abzug aller Kosten werden die jungen Hobbyimker der Schülerfirma am Erlös aus dem Honigverkauf beteiligt.

Unter dem Namen „Stöckener Sommerbienen“ hat Werner Schlüter jetzt eine Imkerausbildung in kleinen Schritten für Schüler entwickelt, die vom Landesverband Hannoverscher Imker als „Grundkurs Bienenhaltung“ anerkannt wird. Darin werden der angstfreie Umgang mit Bienen und Kenntnisse über den jahreszeitlichen Rhythmus im Bienenstock genauso vermittelt wie Wissen über Maßnahmen zur Schwarmkontrolle und Gesundheit im Bienenstock. Auch Informationen über Bienenprodukte wie Honig, Wachs, Pollen und Propolis gehören zum Grundkurs. Außerdem lernen die Schüler den Umgang mit der notwendigen Ausrüstung einer Imkerei kennen.

Die Emil-Berliner-Schule arbeitet seit diesem Sommer bereits mit drei Schulen in der Region Hannover zusammen, die aus Stöcken Bienenstöcke und -ausrüstung ausgeliehen bekommen und in ihrer Imkereiarbeit begleitet werden. Demnächst soll es auch eine Kooperation mit hannoverschen Schulen geben. Das Projekt „Stöckener Sommerbienen“ wird von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung mit 24 000 Euro gefördert. Trotz aller Euphorie für die Imkerei ist es Werner Schlüter jedoch wichtig, dass seine Schüler die Arbeit mit den Bienen realistisch beurteilen. „Imkerei als Hauptberuf ist ein Knochenjob“, warnt er.

Karin Vera Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nord