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Giebel zu massiv für historisches Ensemble?

Nordstadt Giebel zu massiv für historisches Ensemble?

Stadtteilpolitiker äußern Kritik an einem Entwurf für ein Wohnhaus neben der Christuskirche. Auch der Bauhistoriker Sid Auffarth wünscht sich einen anderen Giebel. Der Bezirksrat hat in seiner jüngsten Sitzung für die Pläne gestimmt.

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Der geplante Neubau wird an das orangenfarbene Haus auf der linken Seite des Bildes anschließen.

Quelle: Schwarzenberger

Nordstadt. Der geplante Neubau an der Christuskirche stößt nicht nur auf Begeisterung. Der Bauhistoriker und Denkmalschützer Sid Auffarth äußerte in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Nord Kritik an den Plänen der Stadt und dabei vor allem am massiven Giebel des Wohnhauses. Auch in der Gemeinde der Christuskirche provozieren die Pläne Widerspruch.

Auffarth sagte vor dem Gremium, er mache sich Sorgen um den Umgang mit der Geschichte. „Ich vermisse in der Druckvorlage eine Erklärung des Denkmalschützers. Das wäre nachzuholen.“ Der Architekt begrüßte ausdrücklich, dass „an dieser Leerstelle, die früher ein Kinderspielplatz war, ein Haus entsteht, der den Platz belebt“. Er lobte auch, dass auf diese Weise der Blockrand des Platzes vor der Kirche geschlossen wird. Auffarth kritisierte aber, dass die historische Achse zwischen Christuskirche und dem Gemeindehaus, das 30 Jahre nach dem Gotteshaus gebaut wurde, mit einem modernistischen Quergiebel besetzt werde. Zudem sei befremdlich, dass die Auslastung der Wohnfläche bis unter den Giebel reiche und dieser somit sehr massiv wirke. „Ich würde mir einen normalen Dreiecksgiebel wünschen, nicht den geplanten schiefwinkligen Giebel“, sagte Auffarth.

Auch der Bezirksratspolitiker Wolfgang Tonn (CDU) äußerte Kritik: „Warum ist der Giebel so klotzig? Warum hat das Gebäude nicht einen Stufengiebel wie das Nachbarhaus?“ Tonn betonte, dass es auch in der Nordstädter Kirchengemeinde Vorbehalte gegen den Bau gebe. „Auch da heißt es, der Giebel ist zu groß, zu massiv.“ Dieser vertrage sich optisch nicht gut mit der Christuskirche. „Unsere Kirche ist filigran gebaut, nicht klotzig wie etwa die Marktkirche“, sagte Tonn, der selbst im Kirchenvorstand der Gemeinde sitzt.

Stadtplaner Andreas Zunft verteidigte die Pläne. „Dass wir nicht mir der Denkmalpflege gesprochen haben, weise ich zurück“, sagte der Sachgebietsleiter im Stadtplanungsbezirk Nord. „Das Haus wird in enger Absprache mit der Denkmalpflege geplant.“ Auch die Kritik an der „maximalen Ausbeutung der Wohnfläche“ bis unter den Giebel, weise er zurück. „Wir sind froh, dass es so ist. Der Entwurf soll so bleiben und soll so ausgeführt werden. Wir meinen, dass das ein qualitätsvoller Plan ist“, sagte Zunft.

Auch dem Vorschlag, den Giebel als Stufengiebel zu konzipieren, lehnte er ab. „Dieser wäre genauso hoch wie der geplante Giebel.“ Wenn man eine solche Formsprache wiederhole, werde es peinlich, sagte Zunft in Wolfgang Tonns Richtung. „Von der Maßstäblichkeit liegen wir richtig. Die Kirche bleibt ja dominant.“

Der Investor, das hannoversche Unternehmen Bauteam Management plant in dem Backsteinbau etwa 14 Eigentumswohnungen. Entworfen hat das Gebäude das Berliner Architektenbüro Bruni, Fioretti, Marquez. Im Erdgeschoss soll nach dem Willen der Stadt Gastronomie entstehen.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Christine Deja, wiederum kritisierte das formelle Vorgehen der Stadt: „Ich finde es unglücklich, dass der fertige Entwurf für die Bebauung schon vorliegt, bevor der Bezirksrat erfährt, dass es überhaupt einen Investor gibt.“ Es gehe in dem Fall um spezielle historische Situation. „Wir sprechen über einen Bau am Rand eines denkmalgeschützten Ensembles.“ Beim Areal handele es sich um eine großzügige Platzgestaltung. „Das mag ja ein schönes Gebäude sein, aber wir sind der Meinung, dass es nicht am richtigen Platz steht. Wir haben unsere Zweifel, dass der Bau dem Ort gerecht wird.“

Die SPD hingegen lobte die Pläne. „Der Bau ist tatsächlich imposant, aber ich finde ihn an diesem Platz richtig“, sagte Yasin Herar. Und SPD-Ratsherr Robert Nicholls ergänzte: „Wenn man sieht, wie lange dort eine Brachfläche zu beklagen war, müssen wir doch froh sein, dass sich etwas ändert. Das Gebäude mitsamt Giebel ist jedenfalls nichts, was die Architektur der Kirche beeinträchtigt.“

Der Bezirksrat stimmte mit zehn Ja- und vier Neinstimmen bei einer Enthaltung für die Drucksache.

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Von Redakteur Kristian Teetz