Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nord Streit um Kirchenabriss in Stöcken eskaliert
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Streit um Kirchenabriss in Stöcken eskaliert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:56 11.01.2012
Von Thorsten Fuchs
Debatte um Abriss: Die Corvinuskirche. Quelle: Körner
Stöcken

Weil Gegner eines Verkaufs einen Denkmalschutzstatus für die 1962 gebaute Kirche erreicht haben, sieht die Gemeinde Pläne für eine Aufgabe des Hauses in Gefahr. Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann übte offen Kritik am Landesamt für Denkmalpflege: „Was hier zum Denkmalschutz geführt hat, kann ich nicht nachvollziehen.“

Dass die evangelische Kirche das Gebäude abgeben will, ist eine Folge des Mitgliederrückgangs. 2006 waren die beiden Gemeinden in Ledeburg und Stöcken so weit geschrumpft, dass sie sich zu einer Fusion entschlossen. Rasch war klar, dass das Geld nicht für den Erhalt beider Kirchen, Bodelschwingh und Corvinus, reichen würde. Die neue Großgemeinde konnte sich jedoch nicht auf einen Standort einigen: „Die alten Lager hingen an ihren Gebäuden“, sagt Pastor Lüder Meyer-Stiens. Am Ende kam die Kirchenleitung nach langem Suchen auf einen ebenso innovativen wie salomonischen „dritten Weg“: Beide Kirchen werden verkauft, um mit dem Erlös die freiwerdende katholische Kirche am Stöckener Markt zu erwerben und zu restaurieren. Obendrein sollten die Katholiken hier Gastrecht genießen. Alles schien bedacht, ein weiser Kompromiss mit ökumenischer Note gefunden. Voraussetzung für die Umsetzung ist jedoch das Geld aus dem Verkauf.

Durch den Denkmalschutz sieht Heinemann die Verkaufsmöglichkeiten nun drastisch eingeschränkt. Den Denkmalschutz initiiert haben die Erben des Architekten, des früheren Regierungsbaumeisters Roderich Schröder. Die Corvinuskirche rage aus Kirchenbauprojekten der Nachkriegszeit heraus und habe „Modellcharakter weit über die Region hinaus“, heißt es in der Begründung. Gemeinde und Landeskirche schätzen die Bedeutung ihres Baus weit geringer ein. Sie widersprachen den Denkmalpflegern – erfolglos. Heinemann wirft der Landesbehörde vor, sich über die Meinung der Eigentümer und Fachleute im Landeskirchenamt hinweggesetzt zu haben. Reiner Zittlau vom Landesamt für Denkmalpflege kritisiert hingegen die Kirche: Deren Vertreter hätten in Gesprächen „ruppig“ reagiert: „Es gab keine  Möglichkeit der Einigung.“

Um einen Verkauf dennoch zu ermöglichen, will eine Mehrheit im Kirchenvorstand nun eine Genehmigung für den Abriss der Kirche beantragen. Voraussetzung dafür ist, dass ein Erhalt des Gebäudes wirtschaftlich nicht zumutbar ist. Dieser Plan jedoch ließ  alte Wunden neu aufbrechen. Peter Heine, bislang Vorsitzender im kirchenvorstand, legte bei der jüngsten Sitzung am  Montagabend sein Amt nach 37 Jahren spontan nieder. Mit ihm verließen zwei weitere Mitglieder ad hoc den Kirchenvorstand. Heine hatte vergeblich dafür plädiert, sich angesichts des Denkmalschutzes für die Corvinuskirche als Gemeindestandort zu entscheiden.

Pastor Meyer-Stiens sieht zum „dritten Weg“ keine Alternative: „Die Zerrissenheit würde sonst nur schlimmer und schlimmer.“ Nun will die Leitung auf einer Gemeindeversammlung am 22. Januar herausfinden, wie die Mitglieder angesichts der neuen Lage denken.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach der Weihnachtspause laufen die Arbeiten auf der Schlossbaustelle in Herrenhausen wieder auf Hochtouren. Bereits am 16. Februar soll das Richtfest gefeiert werden, zu dem unter anderem Oberbürgermeister Stephan Weil und Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister eingeladen sind. Ende des Jahres soll das gesamte Schloss stehen.

Andreas Schinkel 12.01.2012

Die Stadtverwaltung will ihre Pläne für ein neues Gebäude im Naturbad Hainholz noch einmal mit den Bürgervertretern vor Ort beraten. Das wurde am Montag im Sportausschuss bekannt. Ende 2009 hatte ein Feuer die Gastwirtschaft auf dem Gelände zerstört.

Bärbel Hilbig 10.01.2012

Ein Stadtbahnunfall in Stöcken beschäftigt die Experten des Verkehrsunfalldienstes der Polizei. Ein 38-jähriger Mann ist am frühen Sonnabendmorgen auf der Stöckener Straße von einer Stadtbahn überrollt worden – ein Bein wurde dabei abgetrennt. Bisher ist völlig unklar, wie es zu dem Vorfall kommen konnte, die Polizei sucht dringend nach Zeugen.

08.01.2012