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„Supidupi“

Herrenhausen „Supidupi“

Die Theater-AG setzt sich in dem Stück „Lieblingsmenschen“ mit der vermeintlichen Oberflächlichkeit junger Leute auseinander. Die Schultheaterstücke von Holger Warnecke gelten als engagierte und anspruchsvolle Inszenierungen.

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Die Studenten in Laura Wecks Stück „Lieblingsmenschen“ leben in naiver Unbeschwertheit.

Quelle: Moers

Herrenhausen. „Schultheater ist nicht der Zuckerguss, den man oben drüberstreut“, sagt Holger Warnecke. Alljährlich das Weihnachtsmärchen aufzuführen reicht dem Leiter der Theater AG an der Goetheschule nicht aus. Am kommenden Wochenende hat die neueste Produktion der Schule Premiere. „Lieblingsmenschen“ zeichnet das Porträt einer abgelenkten Generation, der es schwerfällt, sich zwischen SMS tippen, Party und Liebesverwirrungen auf sich selbst zu konzentrieren. In temporeichen 60 Minuten gibt das Stück einen Einblick in das Leben von fünf Studenten. Die Produktionen der Theater AG gelten seit einigen Jahren als herausragend. Wenige Tage vor der Premiere wird noch am Feinschliff gearbeitet.

„Theater zwischen Anarchie und Genauigkeit“

„Halt - guckt mal, wie viel Platz da zwischen euch ist. Die Szene noch mal bitte!“, ruft Holger Warnecke den Darstellern auf der Bühne zu. Seine Assistentin Tamara Carlez weist die Techniker hinten in der Aula an, die Musik neu zu starten. Der Regisseur sitzt einige Meter vor der Bühne der Aula in der Goetheschule und schaut genau hin. Die Probenatmosphäre wirkt sehr professionell. „Theater zwischen Anarchie und Genauigkeit“ ist Warneckes Motto. Das hat er sich auch auf sein T-Shirt drucken lassen. 180 Stunden lang wurde bereits geprobt. Auf Zuruf wiederholen die Schüler die letzte Szene.

Bilder der Wirklichkeit

„Lieblingsmenschen“ basiert auf einem Text der 30-Jährigen Schweizer Autorin Laura Weck. Das junge, post-dramatische Stück erzählt keine geschlossene Geschichte. 15 kurze Szenen sind „Schlaglichter auf die Wirklichkeit“, sagt Warnecke. Es sind Dialoge wie man sie in der Mensa oder der Uni-Bibliothek aufschnappen kann. Das Bühnenbild besteht daher auch nur aus einigen Bücherbänden, die zusammengeschnürt auf dem Boden liegen. Im Zentrum des Geschehens stehen die fünf Studenten Jule, Lili, Darius, Anna und Sven. Die schicken sich häufig SMS, wenn sie sich unterhalten. Der Dialog wirkt teilweise wie ein Chat-Protokoll: Lili fragt: „Stress, lern, lern, lern...aber scheiß drauf! 13 Uhr Bohemia?“ und Jule antwortet „Supidupi“. Die Kommunikation der Studenten ist erschreckend wenig tiefgründig. Es geht um Prüfungsstress und Beziehungen. Die Jugendlichen sind auf der Suche nach Orientierung. Dabei bewegen sie sich zwischen tiefer Verunsicherung und Lebenshunger – sie tanzen, flirten und singen. Anna wird von den anderen beneidet, weil die bereits seit sechs Jahren mit ihrem Freund zusammen ist. Trotzdem stürzen sich die Studenten in oberflächliche Affären und One-Night-Stands. „Ich dachte, je mehr man erlebt, desto mehr ist man was“, sagt Darius. Am Ende zerstört ein tragisches Ereignis die naive Unbeschwertheit der Studentenwelt.

Ob ihre Generation wirklich so ist, darüber sind sich die Mitglieder der Theater AG uneinig. Milan (17) distanziert sich von der Leichtfertigkeit und der Oberflächlichkeit der fünf Studenten. „Meine Lebenseinstellung ist anders. Nicht so unüberlegt, rücksichtslos und dumm“, sagt er. Die Jugendlichen empfinden „Lieblingsmenschen“ eher als eine überspitzte Vision; wie es sein könnte, wenn es nicht gelingt, einen eigenen Weg zu finden.

Engagiertes und anspruchsvolles Schultheater

Die von Holger Warnecke inszenierten Produktionen der Theater AG in den vergangenen Jahren gelten als Paradebeispiele für engagiertes und anspruchsvolles Schultheater. Warnecke erwartet von den Schülern mehr, als Text auswendig zu lernen. Sein Theaterkonzept sieht vor, dass die Schüler sich selbst in das Stück einbringen. „Schultheater muss die Schule und die Lebenswelt der Schüler widerspiegeln“, sagt er. Die Arbeit mit der Theater AG bezeichnet er als „Theaterteilchenbeschleuniger“. „Lieblingsmenschen“ ist bunt, energiegeladen und vor allem schnell. Tatsächlich gelingt es den jungen Darstellern, auf der Bühne eine Lebendigkeit zu erzeugen, die gut unterhält und dennoch Raum für Zwischentöne lässt.

Weitere Informationen

Die Premiere ist am Freitag. 22. November, in der Aula des Gymnasiums Goetheschule, Franziusweg 43, zu sehen. Weitere Aufführungen werden am Sonnabend, 23., Sonntag, 24., und an dem darauffolgenden Wochenende am 28., 29. und 30. November, jeweils um 19.30 Uhr gezeigt. Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 5 Euro.

Mario Moers

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