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Traum vom Schornsteinfeger erfüllt

Seniorenservice Hannover Traum vom Schornsteinfeger erfüllt

Otto Gellert hat bei der Aktion Lebenstraum des Seniorenservice Hannover das große Los gezogen. Einen Tag lang hat er den Schornsteinfeger Carsten Böttcher im Bezirk Vahrenwald und List auf die Dächer begleitet.

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Glücksbringer für einen Tag: Otto Gellert trägt stolz die Kleidung der Schornsteinfeger.

Quelle: Schmidt

Vahrenwald. Otto Gellerts Hände sind die längste Zeit sauber gewesen. Drei Schornsteine hat er schon gefegt und natürlich anschließend die Asche aus dem Kamin genommen und in den großen Aschesack geschaufelt. Für den 71-jährigen Bothfelder ist es ein Tag wie im Bilderbuch. Immer schon hatte er Schornsteinfeger sein wollen. Im richtigen Leben war es allerdings so, dass er die Dinge eher weiß als schwarz gemacht hat. 50 Jahre lang war Otto Gellert Maler, 35 davon selbstständiger Malermeister.

Nun hat er bei der Aktion Lebenstraum des Kommunalen Seniorenservice Hannover das große Los gezogen: Unter sieben Bewerbern – auch eine Frau war darunter – wurde er ausgewählt mit Bezirksschornsteinfeger Carsten Böttcher einen Tag lang auf den Dächern von Vahrenwald und der List zu verbringen und Schornsteine zu fegen.

„Darf ich sie einmal anfassen, das bringt doch Glück“, erkundigt sich eine Frau in einem Café. Otto Gellert, der gerade zum nächsten Schornstein unterwegs ist, bleibt stehen und freut sich. Die Frau berührt ihn am Ärmel und lacht. „Hier haben sie noch einen kleinen Glücksbringer“, sagt Gellert und übergibt ihr einen Mini-Schornsteinfeger. Seine Tasche ist heute voll davon. Das gehört sozusagen zur Ausstattung eines Schornsteinfegers. „Das war keine deutsche Frau“, sagt Gellert. „Es ist ja interessant, dass der Schornsteinfeger offensichtlich auch in anderen Ländern den Ruf eines Glücksbringers hat.“

Wenn Otto Gellert sonst meist schon gut gelaunt ist, so ist er heute supergut gelaunt. „Als Kinder sind wir immer dem Schornsteinfeger hinterhergerannt und haben versucht, ihn zu berühren“, erzählt er. „Wenn man daran glaubt, klappt es.“ Gar nicht aufgeregt sei er am Morgen beim Aufwachen gewesen, nur voller Freude. Carsten Böttcher ist zufrieden mit diesem Lehrling. „Er macht die Arbeit so wie ein Auszubildender im zweiten Jahr“, lobt der Bezirksschornsteinfegermeister. „Er ist strebsam, eifrig – und staubt alles ein.“

In der Tat hatte Otto Gellert den Besen ein wenig zu schnell in einen Kamin herabgelassen und dabei ziemlich viel Ruß aufgewirbelt. Weiter schlimm war das nicht, nur den Mund sollte er währenddessen besser zumachen. Seiner feuerfesten, staubdichten Schornsteinfegerkluft in schwarzem Breitkord mit Goldknöpfen und Goldschnalle am Gürtel hat das bisschen schwarzer Puder nichts ausgemacht.

„Kehrbesen, Stoßbesen und Rußsack gehören zum Arbeitsgerät“, erklärt Gellert. Wie ein Bildnis steht er da, den Rußsack in der linken Hand, den Kehrbesen zusammengerollt über der rechten Schulter, so dass die Eisenkugel nach vorn über der Brust hängt, ein bisschen wie ein Orden. Gleich wird er zusammen mit dem Meister das „Stichweh“-Haus am Vahrenwalder Platz besteigen. Sieben Stockwerke und glücklicherweise ein Flachdach. Von hier aus genießt Otto Gellert nach getaner Arbeit den Blick über die ganze Stadt und sieht sehr zufrieden aus – denn als Malermeister ist er von Berufs wegen natürlich völlig schwindelfrei. Das Rathaus und die Marktkirche liegen in der Ferne und direkt vor ihm die Gebäude der Continental-Werke. Die Aussicht ist nicht zu toppen. „Von hier aus bringe ich meiner Sigrid Glück mit“, sagt er, hängt sich wieder den Besen um und lacht schon wieder.

Der nächste Lebenstraum erfüllt sich für Senioren im Herbst in Lüneburg. Dort darf der Gewinner bei den Dreharbeiten der NDR-Daily Soap „Rote Rosen“ dabei sein.

Karin Vera Schmidt

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