Hainholz. „Wer Tiere oder langhaarige Frauen in seinem Haushalt hat, sollte hier zuschlagen“, ruft Auktionator Volker Wessels und hält einen Handstaubsauger hoch, während er mit der anderen Hand nach seinem Auktionshammer greift. Das Publikum im Hainhölzer Kulturtreff muss lachen. Die Stimmung ist gut, fast familiär. Das beweist auch ein Zwischenrufer. „Mal gucken, ob unsere Katze da reinpasst“, witzelt er und sorgt für weiteres Gelächter.
Der Auktionssaal ist an diesem Sonntagnachmittag randvoll, die Teilnehmer des zwölften „Markts der langen Gesichter“ stehen teilweise sogar auf dem Flur. Warum die Auktion so heißt, erklärt Organisatorin Svenja Schlüter von der Hainhölzer Kulturgemeinschaft: „Das lange Gesicht macht, wer etwas geschenkt bekommt, das er nicht gebrauchen kann.“ Wer ein solches Geschenk bekommen hat, kann es hier versteigern. Weit mehr als hundert solcher Geschenke geraten in diesem Jahr unter den Hammer. Damit die Auktion schnell über die Bühne geht, wechseln sich Volker Wessels und Harald Vincent als Auktionatoren ab. Zwei Stunden lang preisen sie die Objekte an, können sich aber auch die eine oder andere spöttische Bemerkung nicht verkneifen.
Das Startgebot für jede Auktion bestimmt der Eigentümer. Wenn sein Auktionsgegenstand einen Käufer findet, erhält er 80 Prozent der gebotenen Summe. Der Rest geht an den Kulturtreff. Gibt es kein Gebot, bekommt er den Gegenstand zurück.
Etwa 80 ungeliebte Weihnachtsgeschenke wechseln an diesem Tag den Besitzer. Gundula Prenzlow aus Vahrenwald hat gleich einen ganzen Stapel von ungeliebten Gegenständen zur Auktion beigesteuert. Einiges davon muss sie wieder mit nach Hause nehmen. Wie etwa eine Deko-Kaffeemühle oder einen Spiegel. Davon lässt sie sich ihre Laune aber nicht verderben. „Ich bin schon zum fünften Mal dabei. Es macht sehr viel Spaß“, sagt sie.
Sehr beliebt ist ihr Tierpuzzle aus Holz – echte Handarbeit aus Südafrika. Heide Krause und Helmut Zieseniß aus Springe haben schon vor der Auktion ein Auge darauf geworfen. „Wir sind beide darauf abgefahren“, sagt Krause. Zu einem Bieterwettstreit der beiden Bekannten kommt es aber nicht. Noch vor der Auktion spendet die Besitzerin ihr Puzzle an eine Kita im Stadtteil.
Dafür ersteigert Zieseniß unter anderem den Handstaubsauger. Sein Budget für die Auktion schöpft er nicht aus. „Ich habe viel zu viel dabei: 120 Euro“, findet er selbst. Eigentlich wollte er sich hier mit Krawatten und Socken eindecken – typischen Weihnachtsgeschenken, die man nicht braucht. Aber davon gibt es praktisch keine im Angebot. Ein bisschen enttäuscht ist auch Krause. „Ich finde, es ist auch sehr viel Schrott dabei“, meint sie. Gefallen finden die beiden Gäste aus der Region dennoch an der Auktion.
Angela vom Bruch aus der Oststadt hat den Verdacht, dass hier nicht nur Weihnachtsgeschenke über den Auktionstisch gehen: „Im vergangenen Jahr wurde ein Zehnerpack Leggins versteigert. Wer bekommt denn so etwas zu Weihnachten geschenkt?“ Schlimm findet sie das aber nicht. „Das ändert nichts am Spaß.“ Seit sechs Jahren nimmt vom Bruch schon am Markt in Hainholz teil. Sie habe hier schon jede Menge Taschen ersteigert und auch diesmal wird sie bei einem Rucksack schwach; für neun Euro bekommt sie ihn. Was sie am Markt der langen Gesichter gut findet? „Es ist lustig, wenn mehrere Leute für das gleiche Stück bieten“, meint sie.
Sehr oft überbieten sich die Auktionsteilnehmer an diesem Sonntag jedoch nicht. Den größten Wettstreit gibt es ganz zum Schluss, als es um den Überraschungskoffer geht. Den Zuschlag erhält am Ende Sylvia Steingräber aus dem Stadtteil Mitte für 17,50 Euro – das höchste Gebot überhaupt an diesem Tag. „Den Koffer wollte ich unbedingt haben. Ich hätte ihn auch ohne Inhalt genommen“, sagt sie. Was drin ist, bleibt aber ein Geheimnis, denn öffnen will Steingräber den Koffer erst zu Hause.
Christian Link