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Bürger sollen bei Franziusweg mitreden

Nordstadt/Herrenhausen Bürger sollen bei Franziusweg mitreden

Der Bezirksrat Nord lehnt die Beibehaltung des umstrittenen Straßenschilds ab – das Gremium in Herrenhausen will noch diskutieren. Und die Bürger sollen bei der neuen Namensfindung mitreden.

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Die Goetheschule am Franziusweg befand sich einst in der Nordstadt und liegt heute in Herrenhausen. Nun bekommt sie wohl eine neue Adresse.

Quelle: Michael Zgoll

Hannover. Auch wenn der Rat das letzte Wort hat: In der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Nord ist recht deutlich geworden, dass der Franziusweg wohl einen neuen Namen bekommen wird. SPD-Fraktionschef Yasin Herar verwies darauf, dass Namensgeber Otto Franzius bereits vor 1933 der NSDAP nahe stand. „Er war Ehrengast eines Parteitags und bemühte sich um schnelle Aufnahme in die Partei.“ Zu bedenken sei außerdem, dass einige der großen beruflichen Verdienste des Wasserbauingenieurs, die Anlass für die Straßenbenennung waren, durch seine Parteimitgliedschaft ermöglicht wurden. „Deshalb wiegt für uns sein Wirken in diesem Zusammenhang schwerer als seine spätere Distanzierung“, erklärt Herar.

Der vom Rat eingesetzte Beirat zur Untersuchung von Straßennamen hatte eine Änderung empfohlen, weil Franzius „republikfeindlich, antisemitisch und allgemein rassistisch“ gehandelt habe. Der Beirat hat zahlreiche Straßennamen überprüft. Franzius wurde 1933 für einige Monate Rektor der Technischen Hochschule Hannover und war mitverantwortlich dafür, dass kommunistische und jüdische Studenten und Professoren aus der TH gedrängt wurden. Der Professor für Wasserbau, der federführend am Bau des Maschsees beteiligt war, unterzeichnete ein Bekenntnis der Professoren zu Hitler.

Im Bezirksrat Nord wird der CDU-Antrag zur Namensbeibehaltung von einer Mehrheit von SPD, Grünen und Linken abgelehnt. Zustimmung findet der rot-grüne Antrag für eine Informations- und Diskussionsveranstaltung, in der ein Mitglied des Beirats über die Entscheidungsfindung berichtet. Mit der Veranstaltung sollen die Anwohner bei der Suche nach einem neuen Namen eingebunden werden.

Mehrere Anlieger setzen sich dennoch weiterhin für eine Beibehaltung des Straßennamens ein. „Die Sympathie von Franzius für den Nationalsozialismus ist unstreitig. Aber er hat sich bald davon losgesagt und vor Hitler gewarnt“, argumentiert Anwohner Hans Vieregge. Fast alle Anlieger in den gut 30 Häusern hätten sich gegen eine Umbenennung ausgesprochen. „Hannover verdankt Franzius den Maschsee. Das ist seine Leistung und darauf sind wir stolz“, sagt Vieregge.

Thomas Grote (Piraten) macht auf einen anderen Aspekt aufmerksam. Ein Straßenname gibt Aufschluss über die Zeitumstände, in der eine Person als Namensgeber geehrt wird. „In der Adenauer-Zeit wusste man um die Rolle von Otto Franzius im Nationalsozialismus.“ Grote plädiert deshalb für eine erklärende Tafel unter dem Straßenschild, wie die CDU-Fraktion es beantragt hat.

Grünen-Fraktionschef Stefan Winter mahnt dagegen, in der Diskussion an die von Verfolgung Betroffenen zu denken. Franzius habe die Entlassung von jüdischen Professoren und anderen Mitarbeitern zu verantworten. „Wenn wir das Bestreben um Aussöhnung ernst nehmen, dürfen wir die Opfer nicht durch so einen Namen auf einem Straßenschild beleidigen.“

Das seien doch „dumme Argumente“ und „Blödsinn“, empört sich ein Anlieger des Franziuswegs. SPD-Fraktionschef Herar betont, ein Straßenname präge das Stadtbild und betreffe nicht nur die Anlieger. „Eine Erläuterung unter dem Straßenschild rege eher zum Nachdenken an als eine Umbenennung“, argumentiert CDU-Ratsherr Thomas Klapp- roth. Als Beispiel führt er die Treitschkestraße in Hainholz an. Ratsherr Patrick Drenske (Grüne) bezweifelt dagegen die Wirkung einer Erklärtafel. „So eine Erläuterung hängt unter dem Straßennamen, der eine der größten Würdigungen ist, die eine Stadt vergeben kann.“

Die kleine, von repräsentativen Eigenheimen gesäumte Straße liegt zum Teil in der Nordstadt und Herrenhausen. Deshalb wird der Bezirksrat Herrenhausen-Stöcken voraussichtlich im April ebenfalls über den Franziusweg diskutieren. Bezirksbürgermeisterin Marion Diener legt Wert darauf, dass aus ihrer Sicht die Diskussion noch keineswegs abgeschlossen ist.

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Nordstadt in Zahlen
  • Stadtbezirk : Nord, 13. Stadtbezirk in Hannover.
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 30.106
  • Einwohner je Stadtteil: Nordstadt (16.604 Einwohner), Hainholz (6.664 Einwohner), Vinnhorst (6.698 Einwohner) und Brink-Hafen (140 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 2.777 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30167, 30165, 30179
  • Markantes aus der Geschichte: Die Nordstadt hat sich aus der "Steintor-Gartengemeinde" entwickelt, einer einst zum Amt Langenhagen gehörigen, ländlich strukturierten Verwaltungseinheit, die 1793 zum Amt Hannover kam.
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