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Deutsche Breakdance-Szene trifft sich in Lutherkirche

Nordstadt Deutsche Breakdance-Szene trifft sich in Lutherkirche

Aus ganz Deutschland kamen am vergangenen Sonnabend Breakdance-Gruppen zum nationalen Endausscheid, beim sogenannten Floor-Wars, zusammen. Bereits zum dritten Mal in Serie kooperierten die Organisatoren dabei mit der Jugendkirche.

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"Hier kommt niemand aus der Tanzschule Bothe", sagt Organisator Nico Roc.

Quelle: Mario Moers

Hannover. „Du drehst dich nicht sofort auf dem Kopf“, erklärt Engjell Bebeti und kann sich dabei ein Grinsen nicht verkneifen. Jello 385 nennt sich der 18-Jährige, der sich gerade im Seitenschiff der Lutherkirche auf seinen Auftritt vorbereitet. 50 Breakdance-Gruppen treten in der Lutherkirche zur vierten Ausgabe der Floor-Wars an. So wenig kirchlich die Namen der Crews, so ungewöhnlich die Kulisse. Vor dem Altar das DJ-Pult, auf dem harten Steinboden eine Lage Pappe - fertig ist die ungewöhnliche Arena für den nationalen Endausscheid.

Breakdancer treffen sich in der Lutherkirche - Sie haben keine Berechtigung dieses Objekt zu betrachten.

Anders als Musikvideos häufig suggerieren, spielen die spektakulären Kopfdreher, Flickflacks und sonstige Kreiselbewegungen nicht die entscheidende Rolle bei einem „echten“ Breakdance-Wettstreit. Angetreten wird stets drei gegen drei. Sechs Runden dauert ein Battle. Vor dem in Stein gemeißelten heiligen Abendmahl am Hochaltar legt DJ Kid Cut die Nadel auf das Vinyl und los gehts. Wer noch nie ein Breakdance-Turnier gesehen hat, kann es sich als kleine Version der West-Side-Story vorstellen. Jeweils ein Tänzer tritt aus seiner Gruppe heraus dem Kontrahenten gegenüber. Bestenfalls folgt eine tänzerische Demütigung des Gegners. Sunn Ha, Kampfname Sunz One, ist bereits seit 14 Jahren dabei. Wie die meisten hier ist er über ein Tanzprojekt im Jugendzentrum aufs Breakdancen gekommen. Es gäbe zwei Arten von Tänzern erklärt er, Freestyler und Set-Tänzer. „Ich bin eher Freestyler“, sagt er. Wenn „Sunz One“ in den Tanzring steigt, improvisiert er also vor allem. „Ich kommuniziere gerne mit meinem Gegner“, erläutert er einen wesentlichen Faktor, der Breakdance vom populären Hip-Hop-Dancing unterscheidet. „Ich reagiere innerhalb von Sekunden tänzerisch auf das, was die andere Crew vorlegt“, erzählt er.

Kaputtmachers, Osnabrooklyn oder Lil Jacksons nennen sich die Crews. Zu den 4. Floor-Wars sind sie aus ganz Deutschland nach Hannover gereist. Mit dem ebenfalls jährlich stattfindenden „Battle of the Year“-Landesfinale ist die Stadt in der Szene bekannt. Organisiert wird das Event von langjährigen Protagonisten der hiesigen Szene. Nico Vogelsang und Mike Biewald haben den Endausscheid vor vier Jahren im Haus der Jugend veranstaltet. Seit drei Jahren kooperieren sie mit der Jugendkirche. Eine Win-win-Situation, wie Vogelsang findet. Die Breakdancer bekommen beste Licht- und Musiktechnik gestellt und füllen ihrerseits die Kirche mit Jugendlichen. Zu den Sponsoren der Veranstaltung zählt übrigens die AOK. Die Krankenkasse stiftet gratis Müsliriegel, Wasser und Äpfel. Energiereserven, die auch die Siegercrew The Tribe nach vielen Runden schweißtreibender Tanz-Wettkämpfe gebrauchen kann. Für das aus Hannover und Braunschweig stammende Team geht es im nächsten Monat zum internationalen Finale nach Kopenhagen.

Von Mario Moers

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