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Nordstadt Ein künstlerisch-kritischer Blick auf Putin
Hannover Aus den Stadtteilen Nordstadt Ein künstlerisch-kritischer Blick auf Putin
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00:15 01.11.2016
Alexander Mick (links) und Sergej Tihomirov inmitten ihrer Bilder in der Bürgerschule. Dazu gehört auch ein Bild mit dem jungen Putin (Bild links). Quelle: Schwarzenberger
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Hannover

Da hängt es also, das Bild vom jungen Putin: Sauberer Scheitel, hintergründiges Lächeln, in den Händen das Spielzeugmodell eines Passagierflugzeugs. „Putin in Öl 2015“ hat der in Moskau geborene Künstler Sergej Tihomirov das Werk betitelt. Wer näher herantritt, könnte es unter seinen Schuhen knirschen hören - vor dem Gemälde liegen die verkohlten Trümmer eines echten Flugzeugmodells herum. Es ist ein verstörender Moment. „Wie ein Aufwachen“, sagt Tihomirov. Das Knacken als interaktives Element in einer Ausstellung, in der es auch um politische Kommentare eines Künstlers geht. Und um die Suche nach der eigenen Identität. Jener von Alexander Mick, einem der letzten immigrierten Russlanddeutschen. Geboren 1991 in Usbekistan und noch als Kleinkind in Deutschland angekommen. Mehr oder weniger. Beide Werke sind noch bis Sonntag, 6. November, in der Ausstellung „zwei_gleisig“ in der Bürgerschule Nordstadt zu sehen.

Ukraine-Konflikt beschäftigt Tihomirov

2014 wurde eine Boeing der Fluggesellschaft Malaysia Airlines über der Ostukraine von einer Boden-Luft-Rakete getroffen, alle 298 Passagiere starben. Flug MH17 gilt als ein Anschlagsziel, an dem Putins Russland zumindest durch Lieferung von Raketen an die prorussischen Rebellen in der Ukraine beteiligt war. Der Russe Tihomirov, auch durch sehr abstrakte Ölgemälde bekannt geworden, setzte sich mit dem Ukraine-Konflikt kritisch auseinander. Und nutzte auch das berühmte Foto von Putin, der sich mit nacktem Oberkörper auf einem Pferd in Sibirien ablichten ließ. Das Motiv verband der Künstler mit einer Szene des zerstörten Flughafens von Donezk in der Ostukraine. „Der Flughafen lag in der Frontlinie“, berichtet Tihomirov. Der 1965 geborene Künstler kam zur gleichen Zeit nach Deutschland wie der Mittzwanziger Mick - Anfang der Neunzigerjahre. Beide haben ihre ganz eigene Sicht auf die Geschichte. Sei es die der Welt oder sei es die eigene.

"Aber ich lebe trotzdem eine Zwiegespaltenheit"

Alexander Mick studierte in Hildesheim Grafikdesign. Aus dieser Zeit stammen poetisch anmutende Lithografien, die unter anderem das Leben von Russlanddeutschen an der Wolga zeigen. Micks Familie lebte dort, bis sie im Zuge politischer Entscheidungen der früheren Sowjetunion nach Usbekistan umzog. Mick war noch klein, als er schließlich in Deutschland landete. „Aber ich lebe trotzdem eine Zwiegespaltenheit.“ Das gelte für viele Russlanddeutsche, die in den einstigen Sowjetstaaten als Deutsche galten - aber in der neuen deutschen Heimat wiederum als Russen. Diese Mischkultur habe immer auch zu Isolationen geführt, sagt Mick. Aber auch zu einem gewissen Stolz auf die russische Kultur, die ihn und seine Familie geprägt habe. Russische Trickfilmfiguren standen Pate für Gestalten, die Mick in seiner neuen Ausdrucksform verarbeitet. Großformatige Ölgemälde bringt er in seinem neuen Studium der freien Künste in Braunschweig hervor. Auch sie sind in der Nordstadt zu sehen. Wie auch Tihomirovs anderes Dauerthema: Das Unterwegssein einfacher Menschen, die mal als Händler, mal als Übersiedler, mal als Flüchtlinge auf dem Weg sind. In Zügen oder auf dem Meer. Einprägsam ein Bild, das ein sturmgepeitschtes Meer und ein offenes Boot voller Menschen zeigt. Darunter eine nüchterne Zahlenreihe mit Daten von Aktienkursen. Die Weltwirtschaft dreht sich weiter, auch wenn Flüchtlinge im Mittelmeer mit den Elementen kämpfen.

Die Ausstellung „zwei_gleisig“ von Alexander Mick und Sergej Tihomirov ist noch bis zum 6. November zu sehen. Ausstellungsreihe: Junge Kunst aus Hannover. Öffnungszeiten: donnerstags und sonntags, jeweils 15 bis 18 Uhr, Eintritt frei, Stadtteilzentrum Nordstadt Bürgerschule, Klaus-Müller-Kilian-Weg 2.

Von Marcel Schwarzenberger

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