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Nordstadt "Dornröschen" soll wieder zum Leben erweckt werden
Hannover Aus den Stadtteilen Nordstadt "Dornröschen" soll wieder zum Leben erweckt werden
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02:15 14.05.2016
Von Juliane Kaune
Soll wieder aus dem Schlaf erweckt werden: Der verwaiste Biergarten Dornröschen an der Leine. Fotos: Schaarschmidt (2) Quelle: Tim Schaarschmidt
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Nordstadt

Sie ist vielen noch in bester Erinnerung: Christa Reinhardt, die vor fast einem Jahr verstorbene Wirtin des Biergartens Dornröschen, war sechs Jahrzehnte lang die Seele des traditionsreichen Gastronomiebetriebs. Seit sie dort nicht mehr wirken kann, ist das idyllische Ausflugslokal an der Leine verwaist. Doch nun sieht es so aus, als würde die Geschichte des Dornröschen eine beinahe märchenhafte Wendung nehmen. Ein Verein will den Treffpunkt im Grünen wieder aus dem Schlaf erwecken - und Christa Reinhardt könnte mit ihrem Vermächtnis einen Teil dazu beitragen: Die Gastronomin, die auch Künstlerin war, hat 40 Gemälde hinterlassen, deren Verkauf dem „Projekt Dornröschen“ zugutekommen soll.

Die Ölbilder, die überwiegend in den Achtzigerjahren entstanden sind, hat sie einer prominenten Erbin hinterlassen: Bundestagsvizepräsidentin Edelgard Bulmahn. Die Lindenerin Bulmahn kannte die Chefin des Dornröschen schon aus Studententagen. „Später hat sich unser Kontakt intensiviert“, sagt die Politikerin, die Christa Reinhardt bis zu deren Tod eng verbunden blieb. Bulmahn entschied sich, ihr Erbe nicht zu behalten, sondern für einen ganz besonderen Zweck zur Verfügung zu stellen: Sie schenkte die Gemälde dem Verein „Projekt Dornröschen“, der den Biergarten neu beleben will. Geplant ist, dort Flüchtlinge mit einem Gastronomieprojekt in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

„Für uns ist das Geschenk von Frau Bulmahn ein klarer Vertrauensbeweis“, sagt der Vereinsvorsitzende Christian Brune. Zwei der Bilder wurden bereits verkauft - bei einer Vernissage, die der Gutachter Holger Grimm und der Hannoversche Künstlerverein (HKV) am vergangenen Wochenende im Künstlerhaus organisiert hatten. Die anderen Gemälde, die vor allem abstrakte, surreale Landschaften zeigen, sind noch bis zum 5. Juni im Rahmen der Ausstellung zu erwerben. „Die meisten haben ein Format von 70 mal 50 Zentimetern, sie kosten zwischen 400 und 500 Euro“, sagt Brune. Es handele sich um „qualitativ hochwertige Kunst“, sagt Experte Grimm, der den Wert der Bilder bestimmt hat. Christa Reinhardt hatte eine kunstakademische Ausbildung und war eine Schülerin des französischen Künstlers Francis Bott.

Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Bilder soll nun der Verein „Projekt Dornröschen“ Starthilfe erhalten, der das bereits 1875 errichtete Gastronomiegebäude am Leineufer erwerben möchte. Das Haus ist im Besitz einer Erbengemeinschaft, soll aber veräußert und wieder für Gastronomie genutzt werden. „Wir hoffen sehr, dass wir den Zuschlag bekommen“, sagt Brune. Er und seine Mitstreiter wollen das beliebte Lokal erneut zu einer außergewöhnlichen gastronomischen Adresse machen: Sie planen, einen sozialen, nicht profitorientierten Betrieb mit professioneller Struktur zu gründen, der Flüchtlinge zu Köchen und Restaurantfachleuten qualifiziert. So werde zugleich eine „polyglotte Küche“ entstehen, sagt Brune.

Berater ist Reinhold Fahlbusch, der frühere Vorstandsvorsitzende des Sozialkaufhauses Fairkauf, das seit Jahren erfolgreich als sozialer Betrieb arbeitet. Auch das „Projekt Dornröschen“ soll sich wirtschaftlich selbst tragen. Bis zu 50 Mitarbeiter könnten dort künftig tätig sein, sagt Brune. Kontakt gebe es bereits zur Arbeitsagentur, zum Flüchtlingsrat, zu Wohlfahrtsverbänden und Bildungsorganisationen.

Zunächst soll der Biergarten wiedereröffnet werden, später könnte ein Restaurant hinzukommen. In welcher Höhe der Verein investieren müsste, lässt Brune offen. „Unser Finanzierungskonzept steht“, sagt er nur. Einen gewissen Grundstock wird der Verkauf der Werke von Christa Reinhardt legen. Und es wäre sicher in ihrem Sinne, dass ihre eigenen Bilder dazu beitragen könnten, das Dornröschen wieder zum Leben zu erwecken.

Die Verkaufsausstellung mit den Werken von Christa Reinhardt läuft noch bis zum 5. Juni im HKV-Raum des Künstlerhauses, Sophienstraße 2. Geöffnet ist immer dienstags von 11 bis 13 Uhr.

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