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Nordstadt Geflüchtete machen Kunst
Hannover Aus den Stadtteilen Nordstadt Geflüchtete machen Kunst
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02:15 08.10.2017
Ebenso vielfältig wie die Teilnehmer des Kunstworkshops sind ihre Kunstwerke. Quelle: Jan Fischer
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Hannover

Eine Friedenstaube aus Plastikbesteck. Das Porträt einer lächelnden Frau mit rot gepunkteter Schleife im Haar. Die Umrisse eines Flugzeugs in Tarnfarben, umschwirrt von Papierfliegern. Eine Puppe mit Kopftuch, die aus einem Vogelkäfig purzelt. Diese Werke von Geflüchteten aus Syrien, Afghanistan und dem Irakt sind zur Zeit in der Galerie Krass Unartig in der Nordstadt ausgestellt.

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Die Ausstellung kann bis zum 13. Oktober jeweils donnerstags zwischen 17 und 20 Uhr in der Galerie Krass Unartig besichtigt werden.

„Es war nicht einfach“, sagt Iris Schmitt, eine der Workshopleiterinnen. Mit Übersetzer und Flyer in zwei Sprachen seien sie und ihre Kollegin Kristin Heike in Flüchtlingsheime gefahren, hätten versucht, Teilnehmer für das Projekt zu gewinnen. Am Ende hat sich ein harter Kern von etwa zehn Geflüchteten gebildet. Der Workshop schloss neben der Produktion auch den Besuch von Museen und Gespräche mit Künstlern ein.

„Die Kunst trat manchmal fast in den Hintergrund“, sagt Schmitt. Vielmehr sei der Kunstworkshop zu einem Sprachworkshop geworden, man habe sich Deutsch und Arabisch beigebracht und mit Amtsgängen geholfen.

Der Kern der Ausstellung ist Kommunikation

Dennoch sind selbstverständlich auch Werke entstanden, Collagen, Objekte und Bilder, die die Workshopteilnehmer nun unter dem Titel „Deutsch-Arabischer Frühling“ präsentieren. Manche davon zeigen Szenen von Gewalt oder Krieg, die meisten allerdings - wie beispielsweise die Friedenstaube - haben eher optimistische Untertöne. Und einige davon - beispielsweise die Statue eines IS-Selbstmordattentäters, der mit erigiertem Penis seine Kollektion an Rohrbomben präsentiert - zeigen einen gewissen Trotz und einen robusten schwarzen Humor.

Der Kern der Ausstellung sind nicht die Werke - es ist Kommunikation und Austausch. Zwischen den Geflüchteten aus verschiedenen arabischen Ländern einerseits, aber eben auch zwischen Geflüchteten und Deutschen, oder besser: Hannoveranern. Die auch zahlreich in der Galerie Krass Unartig erschienen sind, die Werke in Augenschein nehmen und mit den Künstlern und Künstlerinnen ins Gespräch kommen. „Auch das“, sagt Kulturdezernent Harald Härke, der die Eröffnungsrede zur Ausstellung hält, „ist in der Kulturhauptstadt Hannover ein Baustein, der einfach dazugehört.“

Von Jan Fischer

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