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Nordstadt Stadtgeschichte in Grabstein gehauen
Hannover Aus den Stadtteilen Nordstadt Stadtgeschichte in Grabstein gehauen
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07:55 14.07.2016
Verwitterte Inschriften: Die Grabsteine des St.-Nikolaifriedhofs erzählen Geschichten aus Hannovers Vergangenheit. Quelle: Moers
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Hannover

Er schuf das Obentraut-Denkmal in Seelze, wenig darauf wurde Jeremius Sutel ermordet. Am 4. April 1631 fand das Leben des berühmten Bildhauers ein jähes Ende, als der Kunstmaler Erich Meyer ihn mit einem Messer erstach. Ein moosbewachsener, schmaler Grabstein auf dem ehemaligen St.-Nikolaifriedhof berichtet bis heute von dem Mord. Doch nur die wenigsten Spaziergänger vermögen die in Stein gemeißelte Geschichte aus dem 30-Jährigen Krieg ohne Stadtführer zu deuten. Zu kryptisch ist die verwitterte Inschrift, subtil die Anspielung auf den Mord in einer biblischen Darstellung. Dem kundigen und aufmerksamen Besucher hingegen bieten die Grabsteine und Ruinen des historischen St.-Nikolaifriedhofs in Stein gemeißelte Stadtgeschichte.

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Zum 150. Jubiläum seiner Aufgabe bekommt der ehemalige St.-Nikolaifriedhof eine Broschüre und eine Infotafel.

150 Jahre nach der letzten Beerdigung bekommt der einstige Lepra-Friedhof Friedhof zwischen Steintor und Klagesmarkt jetzt eine neue Informationstafel zum Jubiläum. Eine kostenlose, 50-seitige Farbbroschüre vermittelt außerdem spannende Einblicke in die wechselhafte Geschichte des Friedhofs, der nicht bloß dem „Dichter der Frühlings“ Ludwig Heinrich Christoph Hölty 1776 letzte Ruhestätte ist. Zur Einweihung der Infotafel verwies Karin van Schwartzenberg, Leiterin des Fachbereichs Umwelt und Stadtgrün, auf die besondere Bedeutung. „Es ist außergewöhnlich und war sicher eine echte Gratwanderung, an so zentraler Stelle solch eine Anlage über Jahrhunderte zu erhalten“, sagte van Schwartzenberg.

St. Nikolai: Ältester Friedhof von Hannover

Service

Die Broschüre „Der ehemalige St.-Nikolai-Friedhof - Ein Gartendenkmal im Zentrum von Hannover“ ist kostenlos in den Bürgerämtern und dem Grünflächenamt, Arndtstraße 1, ausgelegt.

Mit einer Nutzungsdauer von rund 600 Jahren ist der St.-Nikolaifriedhof der älteste Hannovers. Renaissance-Grabsteine bedeutender Persönlichkeiten der Stadtgeschichte und natürlich die Ruine der ehemaligen Kapelle schaffen nicht nur eine malerische Oase inmitten der Stadt. Die 287 erhaltenen Grabmonumente sind auch ein Fundus für jeden, der sich für die Geschichte der Stadt und der Begräbniskultur interessiert. „Mit der Broschüre können sich auch Laien autodidaktisch die gesamte Fläche erschließen“, warb van Schwartzenberg für die Publikation, die ab sofort in den Bürgerämtern erhältlich ist.

1284 findet sich in einem Kirchendokument die erste schriftliche Erwähnung einer Leprakapelle außerhalb der Stadtmauern. Es ist anzunehmen, dass neben der Kapelle ein Friedhof angelegt wurde. Die Kapelle wird später dem Heiligen Nikolaus gewidmet. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts entsteht unweit entfernt in der Goseriede das Hospital St.-Nikolai, eine Quarantänemaßnahme der Stadt. 1598 und 1657 wird der Friedhof erweitert. Insgesamt 14 Pest-Epidemien führen in Hannover zu einem Platzmangel auf den Friedhöfen. Ab 1500 werden deshalb auch auf dem St.-Nikolaifriedhof zunehmend auch Tote aus der Altstadt bestattet. Zuvor waren es hauptsächlich Verstorbene aus dem Hospital und den nördlichen Dörfern.

Bomben zerstörten Kapelle

Mit den Lehren Luthers wandelt sich auch in Hannover das Verständnis der Friedhöfe, sie wurden zu Orten der Kontemplation und Ruhe. Der attraktive St.-Nikolaifriedhof wurde damals zu einer beliebten letzten Ruhestätte. Nach zwei weiteren Vergrößerungen und einer Sanierung 1742 entwirft Baumeister Benjamin Hase 1780 eine neue Sandsteinmauer, die bis heute in Teilen noch zu sehen ist. Kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert wird das St.-Nikolaihospital am Steintor aufgegeben. 1866 wurde auch der Friedhof außer Dienst gestellt. Geplante Erweiterungen scheiterten, weil der benachbarte Klagesmarkt wegen eines mehrmals im Jahr stattfindenden Viehmarkts benötigt wurde. Bis zum Ersten Weltkrieg diente die Kapelle anschließend der Englischen Gemeinde in Hannover als Kirche. Im 19. Jahrhundert wurde sie auf Wunsch der Gemeinde durch Conrad Wilhelm Hase umgebaut, bevor der Friedhof 1890 endgültig in den Besitz der Stadt überging. Gartendirektor Julius Trip erarbeitete umfangreiche Umgestaltungspläne. Die nördliche Fläche wurde in eine landschaftlich angelegte Parkfläche umgewandelt. Ursprünglich war sogar ein Spielplatz vorgesehen.

Am 9. Oktober 1943 zerstörten Bomben Kapelle und Denkmalhalle. Viele der ältesten und wertvollsten Grabmale gingen verloren. Seit dem Wiederaufbau zerschneidet eine Verlängerung der Celler Straße die einst geschlossene Fläche. Von den 647 Grabmalen vor dem Krieg sind heute noch 278 vorhanden. Die Reste der Denkmalhalle und das Kirchenschiff wurden abgerissen, das Hölty-Denkmal versetzt. 1987 wurde der St.-Nikolaifriedhof unter Denkmalschutz gestellt.

Von Mario Moers

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