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Nordstadt Jugendzentrum Korn feiert 44. Jubiläum
Hannover Aus den Stadtteilen Nordstadt Jugendzentrum Korn feiert 44. Jubiläum
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02:15 27.08.2016
Laut, schrill, politisch: Das unabhängige Jugendzentrum Korn feiert seinen 44. Geburtstag. Quelle: Moers
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Hannover

„Arbeiter, Bauern, nehmt die Gewehre zur Hand. Zerschlagt die faschistischen Räuberheere, setzt alle Herzen in Brand.“ Wenn das unabhängige Jugendzentrum Kornstraße zur Demo ruft, ist Klassenkampf angesagt, nicht nur aus den Lautsprechern. 44 Jahre alt wird „die Korn“ dieses Jahr. Am Wochenende wurde gefeiert. Pflichtbewusst fand vor der Party die traditionelle „Nordstadtparade“ über den Engelbosteler Damm statt. Das Motto der Demo in diesem Jahr nahm bissig Bezug auf die eigene Geschichte und die Durchsuchung des Jugendzentrums im Februar: „44 Jahre Selbstverwaltung. 44 Jahre Schatzsuche in der Korn.“

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Laut, schrill, politisch: Das unabhängige Jugendzentrum Korn feierte seinen 44. Geburtstag mit einem Umzug, einer Party und einem Kinderfest.

"Aus dem Weg, Kapitalisten"

„Aus dem Weg, Kapitalisten, die letzte Schlacht gewinnen wir“, schallt es am Sonnabendnachmittag über die Kreuzung an der Kopernikusstraße. Kein Grund zur Panik für die Nordstädter, die geruhsam ihre Einkäufe auf dem E-Damm erledigen. Von Revolution keine Spur, die kleine Demonstration gleicht eher einem alternativen Stadtteilrundgang. Rund achtzig Korn-Sympathisanten sind schon vor dem abendlichen Hoffest angetreten, um gemeinsam Flagge zu zeigen. Die meisten sind Kids aus der linken Szene, einige Alt-Korn-Unterstützer haben ihren Nachwuchs auf den Schultern. „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“ steht auf einem „Transpi“. Ein anderes weist auf das Motto der diesjährigen Demo hin: „Sucht ruhig weiter. Alles, was ihr findet, ist Solidarität“ ist darauf gedruckt. Erst im Februar war die Korn, wie das UJZ von den Besucherinnen und Besuchern liebevoll genannt wird, im Auftrag der Staatsanwaltschaft Lüneburg durchsucht worden. 40 Flyer, 80 Plakate und vier Computer wurden beschlagnahmt. Der Verdacht, die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK zu unterstützen, führte zu der Aktion. Noch hat die Staatsanwaltschaft keine Ergebnisse vorgelegt. „Die Auswertung dauert an“, heißt es aus der Pressestelle. Eine Vertreterin der „Interventionistischen Linken“ nimmt in ihrer Rede Stellung zu dem Einsatz. „Es macht uns wütend, dass vom UJZ Kornstraße das Bild eines ,Terrorladens‘ gezeichnet wird“, sagt sie. Als Mutter eines Kindes, das zum Zeitpunkt der Durchsuchung im angeschlossenen Babyladen betreut wurde, ist sie wütend über den aus ihrer Sicht „unangemessenen und überdimensionierten“ Polizeieinsatz.

Positionen bleiben radikal

Elf Polizeibeamte, mitunter auf Motorrädern, sorgen am Sonnabend routiniert dafür, dass der kleine Demozug ohne großes Aufheben die Nordstadt passiert. „Ein ganz normaler Verkehrseinsatz, nichts Besonderes“, erklärt der Einsatzleiter ohne jeden Funken von Anspannung. Nach 44 Jahren sind die Demonstranten und die Polizei ein eingespieltes Team, scheint es. „Niemand muss Bulle sein“, steht auf dem Shirt eines Demonstranten. Nach dem Einsatz werden trotzdem Hände geschüttelt. Bei aller Friedlichkeit, mit der die Demonstration abläuft, bleiben die Positionen, die dort vertreten werden, mitunter radikal. Neben Feministinnen, Antikapitalisten, Anti-Deutschen, Antifaschisten gehören auch PKK-Sympathisanten zu den Demonstranten. „Weg mit dem PKK-Verbot. Freiheit für alle Gefangenen“, ruft ein Vertreter des Gesellschaftszentrums der Kurdinnen und Kurden in Deutschland (Nav-Dem) in das Mikrofon. Im Anschluss geht es weiter mit Rapmusik. Richtig voll wird es in der Nacht, wenn die Arbeiterkampflieder treibenden Technobeats weichen.

Wider das Klischee

Den selbst verwalteten Baby- und Kinderladen gibt es neben dem Jugendzentrum in der Kornstraße seit 1974. Längst lassen dort nicht mehr nur diejenigen Eltern, die sich in ihrer Jugend der alternativen Korn-Szene verbunden fühlten, ihre Kinder betreuen. 21 Plätze für Kinder und neun Betreuungsplätze für Babys befinden sich in den Räumen gegenüber vom Jugendzentrum. „Was uns besonders macht, ist neben der Nähe zum Jugendzentrum auch die Selbstverwaltung und das pädagogische Konzept“, betont Leiterin „Mellie“. Ihren ganzen Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen. Die Skepsis gegenüber der Presse und Polizei ist dabei nicht unüblich. Schließlich stand das UJZ Kornstraße viele Jahre unter Beobachtung durch den Verfassungsschutz. „Es gibt dieses Klischee vom Korn-Kinderladen“, ärgert sich Mutter „Jana“ über anhaltende Vorurteile.

Von Mario Moers

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