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Nordstadt Neue Ideen für den Welfengarten
Hannover Aus den Stadtteilen Nordstadt Neue Ideen für den Welfengarten
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02:15 15.01.2016
Von Bärbel Hilbig
Schlammpiste für Studenten: Noch verbindet nur ein Trampelpfad das Uni-Hauptgebäude im Welfenschloss mit der Mensa. Die Leitung der Leibniz-Uni will diesen und andere Wege befestigen.  Quelle: Katrin Kutter
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Nordstadt

Der Welfengarten hebt sich in manchem von den übrigen Herrenhäuser Gärten ab. Besonders viele Menschen nutzen den Park hinter dem Hauptgebäude der Leibniz-Universität - und hinterlassen ihre Spuren. Manche Rasenflächen sind über die Jahre verkrautet, an anderen Stellen sammelt sich Müll. Neben den historischen Wegen durchziehen breite Trampelpfade das Grün. Besonders die Hauptroute der Studenten zwischen Welfenschloss und Mensa präsentiert sich je nach Wetterlage als staubige oder schlammige Piste.

Die Leibniz-Universität, der das Gelände gehört, will den Park nun behutsam neu gestalten. Der historische Charakter der Anlage soll erhalten, gleichzeitig die Funktion als Campus und Stadtteilpark gestärkt werden. Der Verein der Freunde der Herrenhäuser Gärten hat vergangenes Jahr mit 30 000 Euro einen Wettbewerb für vier Planungsbüros finanziert. Gewonnen haben der Landschaftsarchitekt Kamel Louafi aus Berlin und seine Kollegin Dörte Eggert-Heerdeegen, die ihren Entwurf nun weiter ausarbeiten.

Kernidee des Entwurfs ist es, die Rasenfläche hinter dem Welfenschloss als „Campuswiese“ mit Sitzflächen in Blattform zu gestalten. Die geschwungenen historischen Wege in dem Landschaftspark nach englischem Vorbild bleiben erhalten, die Trampelpfade - die zeigen, welche Wege Studenten und Anwohner heutzutage tatsächlich einschlagen - werden befestigt. Als die Pläne im Dezember vorgestellt wurden, waren auch Bürger und Studenten eingeladen. Ihre Anregungen zu Bodenbelägen und Sportmöglichkeiten sollen in den Entwurf aufgenommen werden.

Mobile Küche mit Slow-Food oder Betonzunge?

Die Vereine Transition Town und Slow Food Hannover bringen jetzt noch einen weiteren Vorschlag ins Spiel: ein Gemüsegarten mit Rabatten, angelehnt an historische Nutz- und Ziergärten. „Eine Betonzunge, wie jetzt im Siegerentwurf zu sehen, ist genau das, was wir nicht wollen“, sagt Thomas Köhler von Transition Town. Der Verein hat bereits einige Gärten mit selbst gebauten Pflanzkisten auf Paletten initiiert, die befristet auf öffentlichen Plätzen standen. Im Welfengarten würden die Aktivisten am liebsten eine mobile Küche sehen, in der Slow-Food-Leute Veranstaltungen zu bewusster Ernährung anbieten und gemeinsam mit Bürgern das vor Ort Geerntete zubereiten. „Bei uns sind Studenten für Landschaftsplanung aktiv, die die Patenschaft für so einen Gemüsegarten von Jahrgang zu Jahrgang weitergeben könnten“, sagt Frank Buchholz von Slow Food Hannover.

Anwohnerin Sigrid Brandes hält von derartigen Ideen nicht viel. „Rabatten mit Kohl und Radieschen sehen am Anfang hübsch aus. Aber das wird schnell abgeerntet und nicht von denen, die es gepflanzt haben.“ Skeptisch ist die engagierte Nordstädterin auch, was die ehrenamtliche Pflege eines Nutzgartens betrifft. Joachim Wolschke-Bulmahn, Professor für Landschaftsarchitektur, erinnert daran, dass der Park unter Denkmalschutz steht. „Wenn dort im Sommer Menschen spielen und grillen, verträgt sich das mit der historischen Substanz noch ganz gut. Aber eine weitere Nutzungsanforderung würde ich nicht einführen.“ Das Wichtigste sei es jetzt, das Wegesystem dem Bedarf anzupassen. „Die Trampelpfade lassen den Park trotz der schönen alten Bäume jämmerlich aussehen.“

Auch Sigrid Brandes findet „diese nicht befestigten Wege furchtbar“. Bei Regen bilden sich - allerdings auch auf den angelegten Wegen - tiefe Pfützen. „Alles ist nur noch Matsch. Und die Fahrräder hinterlassen zusätzlich Rillen.“ Brandes, die regelmäßig ehrenamtlich einen Tütenspender für Hunde befüllt, bedauert dennoch, dass die Neugestaltung den Charakter des Parks verändert. „Die geplanten geraden Wege passen nicht zu diesem Garten. Aber da muss man wohl Kompromisse machen.“ Anlieger Mark Kramer begrüßt die Überarbeitung des Wege. „Das orientiert sich daran, wie Menschen heute den Park nutzen.“ Der 46-Jährige lobt auch bereits zurückliegende Veränderungen. „Der Spielplatz und die Neuanlage des Teichs sind toll gemacht.“

Tatsächlich will die Uni-Leitung rund die Hälfte des veranschlagten Geldes ins Wegenetz stecken. Die Arbeiten sollen im Herbst dieses Jahres beginnen. Für die gesamte Neugestaltung des Parks will die Hochschule innerhalb von zehn Jahren 3 Millionen Euro ausgeben. Ein Nutzgarten hat wenig Chancen: Man habe sich auf eine gewisse Grundstruktur geeinigt, die nun verfolgt wird, heißt es aus der Pressestelle.

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