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SPD will keine neue Moschee am Hauptgüterbahnhof

Nordstadt SPD will keine neue Moschee am Hauptgüterbahnhof

Angesichts der schleppenden Vermarktung am ehemaligen Hauptgüterbahnhof will die SPD Moscheen und andere religiöse Nutzungen auf dem weitläufigen Areal ausschließen. „Wir haben bereits mehrere Moscheegemeinden auf der anderen Seite des Weidendamms“, argumentiert Robert Nicholls, SPD-Fraktionschef im Bezirksrat Nord.

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Die Nutzung des früheren Hauptgüterbahnhofs - wie die der leeren Hallen - bleibt weiter unklar.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Speziell die Milli-Görüs-Gemeinde habe in den vergangenen Jahren einige Grundstücke in der Nordstadt aufgekauft. „Ich habe grundsätzlich nichts gegen Moscheen, sehe eine Konzentration aber kritisch“, sagt SPD-Fraktionschef Nicholls, der auch im Stadtrat sitzt. Er plädiert deshalb für eine Begrenzung der möglichen Nutzungen am Hauptgüterbahnhof.

Auf Anfrage der CDU-Fraktion hat die Verwaltung kürzlich im Bezirksrat Nord über den aktuellen Stand der Vermarktung der Brachfläche berichtet. Demnach verhandelt die Firma Aurelis als Eigentümer mit verschiedenen Interessenten über den Verkauf von Teilflächen des 8,5 Hektar großen Geländes. Von neuen Abschlüssen ist jedoch nichts bekannt. Auch die Vermietung der Halle geht offenbar nicht voran: Bisher ist noch kein Antrag für einen Umbau gestellt worden.

"Gibt es da ein ernstes Problem?"

An dieser Stelle wird Grünen-Ratsherr Patrick Drenske hellhörig. „Gibt es da ein ernstes Problem?“ Drenske beklagt die „unglückliche“ Vermarktung der ehemaligen Landesfrauenklinik. Durch den teuren Verkauf werden dort hochpreisige Wohnungen entstehen. Sollte es am Hauptgüterbahnhof ein Vermarktungsproblem geben, müsse man angesichts der Wohnungsnot neu über Wohngebäude auf dem Gelände nachdenken, schlägt der Grüne vor. Auf Grundlage eines Lärmgutachtens ist das aktuell aber quasi ausgeschlossen.

Drenske schlägt eine Prüfung für die Seite des Geländes vor, die der Bahntrasse abgewandt liegt. Nicholls sieht aber weitere Schwierigkeiten. „Conti hat ein großes Interesse daran, seinen Betrieb dort aufrechtzuerhalten. Das sollte nicht konterkariert werden.“

Grünen-Fraktionschef Stefan Winter ist angesichts der Nachfrage nach Wohnraum zwiegespalten. „Auf der eine Seite wollen wir die Halle als historisches Ensemble behalten, für Wohnbebauung müsste sie aber abgerissen werden.“ Unterstützung für Drenskes Vorschlag kommt von CDU-Ratsherr Thomas Klapproth. „Wir sollten die Möglichkeit neuer Wohnungen im Blick behalten.“

Bisher betreibt die Posttochter DHL bereits eine Paketzustellbasis auf dem Areal. Der Abfallentsorger Aha hat rund 13 500 Quadratmeter im nördlichen Teil erworben und baut eine Betriebsstätte der Stadtreinigung für 120 Mitarbeiter, zu der die Einrichtungen Brühlstraße und Sandstraße zusammengelegt werden. Der Wertstoffhof Sandstraße soll aber erhalten bleiben. Die Politiker kritisieren, dass sie nicht öfter über die Entwicklung des Geländes informiert werden. Momentan ist die Bauleitplanung in Vorbereitung. Der Bebauungsplan soll dafür in einen nördlichen und einen südlichen Abschnitt geteilt werden. „Es wäre schön, wenn wir den nächsten Bericht bekommen, bevor wir die Bauleitplanung beschließen“, sagt Christine Deja (Grüne).

Wohnen oder Werkeln

Inzwischen künden großflächige Werbeplakate am ehemaligen Hauptgüterbahnhof von den Bemühungen der Firma Aurelis, das weitläufige Grundstück zu vermarkten. Und dies fällt nicht gerade leicht. Dass die Entwicklung des Geländes ihre Zeit braucht, ist allerdings nicht weiter erstaunlich. Auch am Südbahnhof hat es etliche Jahre gedauert, bis sich für das Areal des entstehenden Gewerbegebiets ansiedlungswillige Betriebe fanden. Die Situation in der Nordstadt ist jedoch komplizierter. Zwar kann der Hauptgüterbahnhof mit seiner besonders zentralen Lage punkten. Bis in die City und zum Hauptbahnhof ist es nur ein Katzensprung. Anders als in der Südstadt, wo Einzelhandel an der Stelle fehlte und erwünscht war, ist er aber am Hauptgüterbahnhof ausgeschlossen. Die Stadt will Händler in der City und am Engelbosteler Damm vor Konkurrenz schützen. Mit Blick auf die weiterhin zaghafte Entwicklung der Nordstädter Einkaufsstraße erscheint dies durchaus sinnvoll. Nun möchte die SPD auch keine weiteren Moscheegemeinden am Hauptgüterbahnhof. Dem Bau von Wohnhäusern stehen aber Lärm und Industrie­nähe entgegen. Eine andere Idee ist bisher nicht weiter verfolgt worden: Warum sollte man nicht Gewerbetreibenden jenseits des Weidendamms den Umzug auf das neue Gelände schmackhaft machen? Damit ließe sich Platz zum Wohnen in einem relativ ruhigen Quartier gewinnen, in dem bereits jetzt viele Wohnhäuser stehen.

Ein Kommentar von Bärbel Hilbig

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Nordstadt in Zahlen
  • Stadtbezirk : Nord, 13. Stadtbezirk in Hannover.
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 30.106
  • Einwohner je Stadtteil: Nordstadt (16.604 Einwohner), Hainholz (6.664 Einwohner), Vinnhorst (6.698 Einwohner) und Brink-Hafen (140 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 2.777 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30167, 30165, 30179
  • Markantes aus der Geschichte: Die Nordstadt hat sich aus der "Steintor-Gartengemeinde" entwickelt, einer einst zum Amt Langenhagen gehörigen, ländlich strukturierten Verwaltungseinheit, die 1793 zum Amt Hannover kam.
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