Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
„Wir haben alles gemeinsam gemacht“

Nordstadt „Wir haben alles gemeinsam gemacht“

Vor 75 Jahren hat Hans Buchholz seine Edeltraud das erste Mal geküsst – zehn Jahre später wurde geheiratet. Nun feierten die beiden eiserne Hochzeit.

Voriger Artikel
Pizza als Familiensache
Nächster Artikel
Unbekannter versucht 24-Jährige zu vergewaltigen

Edeltraud und Hans Buchholz zeigen ihr Fotoalbum mit dem Hochzeitsfoto.Fotos: Kutter (2)

Quelle: (Foto: Katrin Kutter)

Nordstadt. Zur Feier des Tages sitzt Regine Kramarek an diesem Januartag 2016 auf der Couch einer gemütlich eingerichteten Wohnung in der Nordstadt. Als offizielle Gratulantin der Stadt überbringt die Bürgermeisterin zur eisernen Hochzeit von Hans und Edeltraud Buchholz neben Blumen auch eine Urkunde von Oberbürgermeister Stefan Schostok. Frau Buchholz sitzt links, Kramarek in der Mitte, Herr Buchholz rechts, auf dem Tisch vor ihnen liegt ein Glückwunsch mit der Unterschrift von Bundespräsident Joachim Gauck.

Im Wohnzimmer treten sich Fotografen und Redakteure auf die Füße, der Sohn des Ehepaars sitzt im Sessel, die Tochter steht mit ihrem Mann in der Tür. Ein Album mit alten Schwarz-Weiß-Fotos macht die Runde, es wird gescherzt und gelacht. Man spricht über die Gesundheit und darüber, dass das Wetter an jenem 11. Januar 1951 völlig verrückt gespielt habe und zur Hochzeit bei frühlingshaften 17 Grad im Hemd getanzt werden konnte.

Keiner der Anwesenden möchte offen nach dem Geheimrezept einer solch langen Beziehung fragen, also wird versucht, erst einmal ein Gefühl für die Zeitspanne zu bekommen. Der Anfang, ob sie von Anfang an gewusst hätten, dass ... Nein, natürlich nicht, wie soll man das auch wissen.

Januar 1940: Hans Buchholz wohnt in Immensen und spaziert eines Abends mit seinen Freunden ins Nachbardorf Arpke, dort sind die Karnevalsvorbereitungen in vollem Gange. Auf dem Rückweg haben die Jungs zwei Damen vor sich, man kommt ins Gespräch, verabredet sich lose zum Kostümball. „Da waren wir 16 und 17“, erinnert sich Edeltraud Buchholz. „Ich hatte ein Folklore-Kostüm, das hatte sogar eine Schneiderin für uns zurechtgemacht.“ Ob er denn auch verkleidet gewesen wäre? „Mit ’nem Kostüm bis nach Arpke laufen? Nee, also das wäre nicht so toll gewesen“, gibt Buchholz unumwunden zu. „Du hast damals so ’ne Hübsche gehabt, die hatte auch ein viel schöneres Kostüm als ich - aber das war dann wohl doch nicht die Richtige“, strahlt seine Frau bis über beide Ohren. Man bleibt danach lose in Kontakt, trifft sich mit Freunden zum Feiern, trinkt selbst gebrannten Schnaps. Buchholz und seine Jungs verpassen auf dem Rückweg nach Immensen zweimal knapp die abendliche Sperrstunde, er kommt vor dem Militärgericht mit Bewährung davon, einmal laufen sie einen Wachmann um und hauen einfach ab. „Schießen durfte ja keiner, einfach quer über die Felder seid ihr“, erinnert sie sich, es waren wilde Zeiten. Die beiden verlieren sich aus den Augen, treffen sich wieder, dann funkt es.

Das Paar heiratet, bekommt zwei Kinder. 1960 ziehen sie in die kleine Wohnung in der Nordstadt, in der sie jetzt lauter Fremden ihr Leben und auch ein Stück Stadtgeschichte erzählen. Die Kinder werden größer, sie arbeitet eine halbe Abendschicht bei Sprengel, danach bei Rossmann. Er lernt Physiklaborant und Metallfachmann „auf der Hanomag“ und bleibt 40 Jahre lang bis zur Betriebspleite. Später geht er zu Daimler.

Stille. Wieder angekommen im Jetzt, platzt es doch aus Regine Kramarek heraus: „Aber bis heute, war es denn nie ... langweilig?“ „Nein, eigentlich nicht“, antwortet Hans Buchholz wie aus der Pistole geschossen, seine Frau Edeltraud nickt energisch.

„Wir machen natürlich viele gemeinsame Reisen, das darf man auch nicht vergessen. 30 Jahre lang waren wir immer wieder auf Gran Canaria, manchmal zweimal im Jahr. Und immer wieder in den Dolomiten, da sind wir auch mit unseren Wanderfreunden sehr zusammengewachsen. Die Kinder wollten nicht immer in die Berge, unsere Tochter mochte lieber ans Meer.“

In der Wohnzimmerschrankwand stapeln sich die Fotoalben, auch heute sind die beiden noch gern unterwegs. Kleinere Ausflüge, vielleicht mal „14 Tage auf Kur mit Wassergymnastik für Edeltraud“. Hans hat fünf Bypässe und fühlt sich trotzdem fit wie ein Turnschuh. Viermal die Woche steht das Paar morgens um sechs auf, dann schwimmt er im Vahrenwalder Bad „aus Gewohnheit“ 1000 Meter in 40 Minuten, sie schwimmt 300 Meter und macht Gymnastik. Danach wird gemeinsam gefrühstückt, später bewirtschaften sie den Garten. „Da ist kein Geheimnis. Wir verwöhnen uns und geben uns sehr viel Mühe mit der Gesundheit. Das trägt alles dazu bei, dass es uns gut geht“, resümiert Hans Buchholz.

Am Wochenende feiert das Paar seine eiserne Hochzeit mit der Familie im Steuerndieb. „Vielen Freunden in unserem Alter geht es nicht mehr so gut, das ist natürlich bitter. Aber wir haben unsere Kinder, das ist ein sehr großer Ersatz“, so Edeltraud. Seit die Kinder selbst Rentner sind, sähe man sich öfter als früher, würde sich ähnlicher, nähere sich an.

Tochter Kornelia steht noch immer mit ihrem Mann in der Tür und hört zu. Langsam wird sie ihren Eltern ähnlich, dieses Jahr feiert sie ihren 46. Hochzeitstag. Von Katrin Kutter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nordstadt
So schön ist die Nordstadt
Nordstadt in Zahlen
  • Stadtbezirk : Nord, 13. Stadtbezirk in Hannover.
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 30.106
  • Einwohner je Stadtteil: Nordstadt (16.604 Einwohner), Hainholz (6.664 Einwohner), Vinnhorst (6.698 Einwohner) und Brink-Hafen (140 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 2.777 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30167, 30165, 30179
  • Markantes aus der Geschichte: Die Nordstadt hat sich aus der "Steintor-Gartengemeinde" entwickelt, einer einst zum Amt Langenhagen gehörigen, ländlich strukturierten Verwaltungseinheit, die 1793 zum Amt Hannover kam.
Hannover – tierisch!

Kein anderer hat Hannover so fotografiert wie Wilhelm Hauschild. Anlässlich seines 30. Todestages widmet ihm die HAZ eine Bilderserie. Heute: Hannover – tierisch!

Augenblicke: Die Bilder des Tages

Klicken Sie sich durch spektakuläre Fotos – ausgewählt von der HAZ-Redaktion.