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Auf Entdeckungstour für die Wasserstadt

Baugebiete in östlichen Stadtteilen Auf Entdeckungstour für die Wasserstadt

Bei einer Busrundfahrt durch jüngst entstandene Wohngebiete Hannovers entdeckte die Exkursionsgruppe - begleitet von Stadtplaner Hans-Heiner Schlesier und Bauhistoriker Sid Auffarth - im Osten und im Süden der Stadt ebenso gelungene wie abschreckende Beispiele.

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Der Arbeitskreis Stadtentwicklung Limmer macht eine Bus-Rundtour durch Hannovers Neubaugebiete. Anlass ist die geplante Wasserstadt Limmer.

Quelle: Jan Philipp Eberstein

Östliche Stadtteile. Östliche Stadtteile. Bei den Planungen für die Wasserstadt Limmer sind noch viele Fragen offen. Sicher ist nur, dass in den nächsten Jahren auf dem ehemaligen Conti-Gelände die größte Neubausiedlung Hannovers entstehen wird. Laut Stadt sollen dort bis zu 2000 Wohnungen für 5000 Menschen gebaut werden. Ob das städtebaulich umsetzbar ist, ist jedoch umstritten. Aus diesem Anlass hat sich der Arbeitskreis Stadtentwicklung Limmer nun auf die Suche nach möglichen Vorbildern für die Wasserstadt gemacht: Bei einer Busrundfahrt durch jüngst entstandene Wohngebiete Hannovers entdeckte die Exkursionsgruppe - begleitet von Stadtplaner Hans-Heiner Schlesier und Bauhistoriker Sid Auffarth - im Osten und im Süden der Stadt ebenso gelungene wie abschreckende Beispiele.

Das beste Vorbild für das geplante Neubaugebiet in Limmer fanden die 50 Teilnehmer der Bustour, die überwiegend aus den Stadtteilen Limmer und Linden kamen, im Osten Hannovers im Wohnquartier Lister Blick. „Die Situation hier entspricht am ehesten der in der Wasserstadt“, sagte Auffarth. Das Viertel am Eulenkamp hat dreigeschossige, aber auch sechsgeschossige Mehrfamilienhäuser vorzuweisen. Ähnliches ist auf der Conti-Brache zwischen Leineverbindungskanal und Lindener Stichkanal vorgesehen. „Es gibt hier sehr ambitionierte Ecken und weniger anspruchsvolle Bauten“, urteilte der Stadthistoriker über das Neubaugebiet Lister Blick. Als besonders gelungen bewertete er den breiten Zugang zum Mittellandkanal. Die Exkursionsteilnehmer waren vor allem von der Gracht beeindruckt, die dem ganzen Viertel ein holländisches Flair verleiht.

Entdeckungstour für die Wasserstadt: So schön sind Hannovers östliche Stadtteile.

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Andere Wohnviertel dagegen werden bei den weiteren Planungen für die Wasserstadt wohl nur als abschreckende Beispiele auftauchen. Mit dem Mosaik Eilenriede im Zooviertel konnten sich die Exkursionsteilnehmer gar nicht anfreunden - ungeachtet dessen, dass es Schlesier als „frischen Vorschlag für Hannover“ anpries. Die Teilnehmer kritisierten das Edelquartier mehrheitlich als „zu steril, zu kantig und zu eng“. „Das ist nicht unbedingt Hannover“, brachte ein Limmeraner die allgemeine Unzufriedenheit auf den Punkt.

Deutlicher wurden nur noch die Neubauten im Pelikanviertel an der Günther-Wagner-Allee abgewatscht. Auf einem Hektar - oder zwei Fußballfeldern - werden dort vier achtgeschossige Hochhäuser mit 150 Eigentumswohnungen gebaut. Der Abstand zu den Nachbarhäusern beträgt teilweise nur wenige Meter, weshalb es in vielen Räumen kaum Privatsphäre geben dürfte. „Ich finde es erstaunlich mutig vom Investor zu glauben, dass er alle Wohnungen verkaufen kann“, sagte Auffarth. Eine Dreizimmerwohnung mit 111 Quadratmetern etwa werde für 400 000 Euro angeboten. Er äußerte die Hoffnung, dass in der Wasserstadt die laut Bauordnung normalen Gebäudeabstände eingehalten werden. Typisch hannoversch sei diese Bauweise ebenfalls nicht. Auffarth: „Das sind fast New Yorker Verhältnisse.“

Besonders beeindruckt waren die Exkursionsteilnehmer dagegen von den Neubausiedlungen im westlichen Teil Bemerodes. Durch die Expo entstanden in dem Stadtteil gleich mehrere neue Wohnquartiere. „Als die D-Linie der Stadtbahn beim Bund beantragt wurde, musste man nachweisen, dass entlang der Strecke genug Menschen wohnen“, erklärte Auffahrth den Bemeroder Siedlungsboom zur Jahrtausendwende. Daher habe die Stadt entlang der neuen Linie 6 zahlreiche neue Bauflächen ausgewiesen.

Als besonderes Schmuckstück entstand dabei das Wohngebiet Seelhorster Garten, das auf einer ehemaligen Obstplantage der Firma Bahlsen gebaut wurde. Durch viele Straßenbäume, Hecken und die Anbindung an die Seelhorst ist es dort heute wieder ziemlich grün. Außerdem wurde ein künstlicher Teich am Waldrand angelegt, um das naturnahe Ambiente zu vertiefen. Quartiersarchitekten haben darauf geachtet, dass alle Wohnhäuser im Viertel die gleiche gestalterische Linie verfolgen. Das hatte der mittlerweile verstorbene Hermann Bahlsen gefordert, der selbst im Seelhorsten Garten wohnte und das Baugebiet in vielen Punkten prägte. „So eine Siedlung lebt vom Engagement der Leute, die es entwickelt haben“, sagte Schlesier. Die Exkursionsteilnehmer zeigten am Ergebnis dieser Bemühungen großen Gefallen. „Ab sofort sollte es Garten-Wasserstadt Limmer heißen“, schlug ein Fahrgast vor, dem das Zusammenspiel aus Stadtgrün und Teich in Bemerode besonders zusagte.

Im Wohnquartier Spargelacker konnten die Westhannoveraner ebenfalls einige Inspirationen gewinnen. „Architektur und Bewohner konnten allerdings anfangs nicht viel miteinander anfangen“, erklärte Auffarth die Genese des von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GBH errichteten Viertels. Für die Gruppe im Bus war das auf den ersten Blick nachvollziehbar. Von außen wirken die Mehrfamilienhäuser zunächst etwas unfertig - erst bei genauerer Betrachtung zeigen sie ihre Stärken: Private, gemeinschaftliche und öffentliche Fläche gehen nahtlos ineinander über. Dadurch findet in den Innenhöfen viel Leben, aber auch soziale Kontrolle statt. „Auch im sozialen Wohnungsbau kann man gute Wohnanlagen schaffen“, kommentierte Auffarth und erntete bei seinen Zuhörern breite Zustimmung.

Den Büntekamp in Kirchrode besichtigte die Exkursion ebenfalls - und nahm zumindest eine Anregung zum Lärmschutz mit: Zwei Mehrfamilienhäuser schlucken den Schall von der Lange-Feld-Straße. Nur wenige verwertbare Eindrücke gewannen die Teilnehmer am Kronsberg. Obwohl das Quartier mit seinen 3200 Wohneinheiten und mehr als 7000 Bewohnern ähnliche Ausmaße wie die Wasserstadt hat, sind die Gegebenheiten doch kaum übertragbar. Schmerzlich vermissten die Exkursionsteilnehmer aus Linden und Limmer dort vor allem Cafés, Geschäfte und Bistros in den Straßen. Als Eindruck dieses Tourabschnitts dürfte ihnen vor allem eines in Erinnerung geblieben sein: Eine hohe Bewohnerzahl im Quartier ist keine Garantie dafür, dass auf Straßen und Plätzen das öffentliche Leben floriert...

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