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Ost Schreibstoff für ein ganzes Leben
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12:02 25.11.2013
Von Susanna Bauch
Die Autorin Gyde Callesen im "Teeladen" an der Lister Meile. Quelle: Küstner
Hannover-List

Dass sie schreiben wollte, hat Gyde Callesen schon im Alter von 12 Jahren beschlossen. „Ich habe in der Schule schon Gedichte verfasst, außerdem hat Lesen und Schreiben schon im Vorschulalter eine zentrale Rolle bei uns gespielt“, sagt die Autorin, die gerade mit „Angst hat die Quersumme 5“ ihren neusten Roman herausgebracht hat. Als Teenager hatten es ihr besonders Gedichte angetan, das Schreiben hat sie sich vor der ersten Klasse selber beigebracht. Auch Kurzgeschichten und Satire gehörten früh in ihr Repertoire, ihre erste Veröffentlichung mit 17 Jahren indes war Lyrik.

Zeitgenössische Themen, der Bezug zur Gegenwart liegen Gyde Callesen dabei besonders am Herzen. „Mit Naturlyrik habe ich es nicht so, ich schreibe nicht um der Kunstwillen, sondern suche den Bezug zur Welt.“ Sie ist fest davon überzeugt, dass Sprache eine Menge bewirken kann. „Und Literatur auch.“

Nach Hannover ist die gebürtige Flensburgerin über einen kurzen Studienaufenthalt in Aachen vor rund 18 Jahren gekommen. An der Uni Hannover hat sie Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft, Biologie und Philosophie studiert, anschließend hatte sie eine Stelle an der Universität mit Lehrauftrag und der Möglichkeit zur Promotion. „Nach einem halben Jahr wusste ich, das ist nichts für mich“, sagt die 38-Jährige. Sie wollte schreiben. Und veröffentlichen. Dass dazu neben Begabung vor allem auch ein hohes Frustrationspotenzial nötig ist, musste sie selbst erfahren. „Ich habe 88 Verlage angeschrieben, bevor mich einer genommen hat“, erinnert sich Callesen. 2001 erschien so das erste verlegte Buch – ein Lyrikband.

Seitdem hat sie fleißig weitergearbeitet und neben Gedichten auch Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht. Ihr neustes Buch dreht sich um das Thema Angststörung. „Und auch um die Auslotung der menschlichen Abgründe“, erzählt Callesen. Obwohl Thriller und Krimis – genau wie Historienromane – gar nicht ihre Sache seien, hätten ihr doch Freunde gesagt, dass das neuste Werk „ungeheuer spannend“ sei. Ein schönes Kompliment.

Selbstverständlich sitzt Callesen, die mit ihrem Mann in der List lebt, schon an den nächsten Veröffentlichungen. „Ich arbeite immer an mehreren Büchern parallel, eigentlich habe ich schon Plots für ein ganzen Schreiber-Leben im Kopf“, sagt die Schriftstellerin. Die Ideen würden ihr einfach nicht ausgehen, „und so habe ich immer mehrere Baustellen in Arbeit“. Schließlich würden die einzelnen Arbeiten durchaus ihre Zeit brauchen. „Manche Geschichten müssen lagern wie guter Wein, das dauert dann, bis der Text richtig und gut für mich ist.“

Gyde Callesen sagt von sich selber, dass sie ungeheuer diszipliniert beim Schreiben ist. Und auch bei allem anderen, was sie umtreibt, und das ist eine Menge. Denn die Autorin sitzt nicht nur täglich in ihrem Arbeitszimmer und schreibt ihre Ideen auf - übrigens zunächst handschriftlich. Sie leitet überdies eine Schule für literarisches Schreiben und widmet sich der asiatischen Kampfkunst wie Thai Chi. Auch diese lernt sie nicht nur, sie lehrt sie auch. Schließlich hat sie 20 Jahre Ballett hinter sich.„Bei all dem muss man sich seine Zeit schon genau einteilen“, betont sie.

Struktur fällt ihr also leicht, „und dass man seine Leidenschaft zum Beruf machen kann, ist doch ein Geschenk.“ Bereits seit geraumer Zeit gehören zwei Stunden täglich den Begleiterscheinungen des literarischen Erfolges: Mails beantworten, Autogrammkarten verschicken, Pressemitteilungen verfassen, Termine für Lesungen organisieren.Doch nur Schreibtischarbeit kommt selbst für Gyde Callesen nicht in Frage. „das ist mir zu einsam.“ Sie arbeitet gerne mit Künstlern zusammen, bringt ihre Literatur in Verbindung mit öffentlichen Räumen oder auch mit Installationen. Außerdem ist sie ein Naturmensch. „Ich mag Blätter, Bäume, Wind ,und ich mag es, draußen zu sein und mich zu bewegen. Der Herbst ist eine tolle Jahreszeit, den Sommer mit der Hitze brauche ich weniger.“

Derzeit betritt Gyde Callesen literarisch Neuland. Ein Jugendbuch und ein Bilderbuch sind in Arbeit. Und zwar keine Auftragsarbeiten, „obwohl so eine Aufgabe weit verbreitet ist.“ Die 38-Jährige lehnt das ab. „Inhaltlich ist mit mir nicht zu reden.“ Der Erfolg gibt ihr mittlerweile recht. Callesen bestreitet jede Menge Lesungen, eine Veröffentlichung reiht sich an die nächste. „Wenn man das Schreiben professionell betreibt, muss man auch täglich ran“, betont die Autorin. Dennoch findet sie bei all ihren Aktivitäten noch die Zeit, selber zu lesen. „In der akuten Schreibphase eher Akkupunkturbücher, sonst zum Beispiel Cees Nooteboom oder asiatische Autoren wie Hiromi Kawakami.“ Gibt es bei Gyde Callesen auch mal eine Auszeit? „Durchaus, im Kloster zum Beispiel oder beim Sporturlaub in Skandinavien. „ Dort sammelt sie dann aber wieder Ideen fürs Schreiben – „das kommt ganz automatisch.

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