List. Gleichzeitig wächst unter den Mitgliedern der muslimischen Gemeinde die Befürchtung, ein Fernsehbeitrag des ZDF habe möglicherweise die Brandstifter zu dem Anschlag auf ihre Moschee verleitet. In der Reportage „Gewalt im Namen Allahs“, die vor genau zwei Wochen im Nachtprogramm des Senders ausgestrahlt wurde, brachten die Reporter die Moschee in der List in direkten Zusammenhang mit islamistischen Aktivitäten von Salafisten in Deutschland. Auch im aktuellen niedersächsischen Verfassungsschutzbericht wird das Pakistanzentrum in Hannover negativ erwähnt.
„Der Beitrag ist manipuliert und absolut dummes Zeug“, sagt Mohammed Afzal Qureshi, der Imam der Moschee. Am Tag nach der Sendung hat er einen Beschwerdebrief an das ZDF verfasst und prüft nun auch rechtliche Schritte gegen den Sender. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Täter durch den falschen Bericht erst auf uns aufmerksam geworden sind“, sagt der Imam.
Am Pfingstmontag waren zwei junge Männer beobachtet worden, als sie sich an einem Seitenfenster des hannoverschen Pakistanzentrums in der Straße Am Listholze zu schaffen machten. Sekunden später standen die Gardinen des Fensters in Flammen. Nur durch die Hinweise einer aufmerksamen Anwohnerin konnten die Gemeindemitglieder rechtzeitig auf den Brand aufmerksam gemacht werden. „Die Täter haben in Kauf genommen, dass hier etwas Schlimmes passiert“, sagt Mohammed Afzal Qureshi.
Die jungen Männer hatten, so berichtet es der Imam, eine Plastiktüte in Brand gesetzt und diese durch das gekippte Fenster in die Küche der Moschee gesteckt. Die brennende Tüte fiel auf eine Heizung unterhalb des Fensters, sodass die Flammen die Gardinen erfassen konnten. Von den Tätern fehlt bislang jede Spur. Hinweise, dass die Brandstifter aus der rechtsradikalen Szene stammen, haben sich bislang nicht erhärtet. Die Ermittlungen werden dennoch von der Abteilung Staatsschutz geleitet.
Am Tag nach Bekanntwerden des Brandanschlags erhielt die muslimische Gemeinde Besuch von Politikern der Grünen. Sie wollten sich vor Ort selbst ein Bild von möglichen Auswirkungen machen. „Es ist uns heute auch wichtig, der wachsenden Islamfeindlichkeit in unserer Gesellschaft entgegenzutreten“, sagt der Landtagsabgeordnete Helge Limburg. Weiter forderte er die Ermittlungsbehörden auf, den Fall ernst zu nehmen: „Das ist kein Dummer-JungenStreich, für mich hat das mindestens einen rassistischen Hintergrund“, erklärt Limburg.
Auch Jens Seidel, CDU-Fraktionschef im Rat der Stadt, zeigte sich entsetzt angesichts der Tat. Er sprach von einer neuen Qualität ausländerfeindlicher Straftaten in Hannover. „So etwas haben wir zum Glück seit vielen Jahren nicht mehr gehabt“, sagt Seidel. Die Stadtverwaltung verurteilte den Anschlag ebenfalls: „Wir stehen in ständigem Kontakt auch mit dieser muslimischen Gemeinde, der Oberbürgermeister wird die Moschee so schnell wie mögliche besuchen“, sagt Stadtsprecher Andreas Möser.
Unterdessen arbeiten die Mitglieder der Al-Ummah-Gemeinde daran, die Sicherheitsvorkehrungen rund um ihr Gotteshaus zu verbessern. „Wir haben Videokameras bestellt, die hoffentlich bald ankommen“, sagt der Imam. Zudem werde er alle Moscheebesucher darauf hinweisen, trotz der bevorstehenden warmen Sommermonate künftig keines der Fenster mehr geöffnet zu lassen. „Das ist einfach viel zu gefährlich“, sagt Qureshi.
Die Al-Ummah-Moschee wurde im Jahr 1992 eröffnet. Sie gehört keinem Dachverband an. Zu den Freitagsgebeten kommen durchschnittlich 200 Muslime. Bislang gab es so gut wie keine Probleme rund um das Gotteshaus – von ein paar zerstörten Briefkästen einmal abgesehen. Die Polizei sucht weiter Zeugen, die Hinweise zu den Brandstiftern geben können. Die Männer sind zwischen 30 und 35 Jahre alt, haben kurz geschorene Haare und hatten ein Fahrrad mit Kindersitz bei sich.
