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Ost Benno Ohnesorgs Grab soll zum Ehrengrab werden
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Benno Ohnesorgs Grab soll zum Ehrengrab werden
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12:00 26.07.2018
Auf dem Bothfelder Friedhof liegt das Grab von Benno und Christa Ohnesorg etwas abseits an einem schmalen Weg. Quelle: Foto: Steele
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Bothfeld

Die Grabstelle von Benno Paul Johann Ohnesorg auf dem Bothfelder Stadtteilfriedhof soll zum Ehrengrab der Stadt Hannover erklärt werden. Das hat die SPD-Fraktion in der jüngsten Bezirksratssitzung beantragt und stieß damit auf volle Zustimmung der Bezirksrats-Kollegen. „Benno Ohnesorg ist eine bedeutende Persönlichkeit der Stadt Hannover und Bothfelds“, erklärte die Fraktionsvorsitzende Claudia Heinrich. „Daher fordern wir, dass sein Grab in die Städtische Ehrengrabpflege aufgenommen wird.“ Dies sei eine Möglichkeit, um dem Verstorbenen die angemessene Anerkennung und Würdigung entgegenzubringen. Benno Ohnesorg war 1967 in Berlin gestorben. Durch die Umstände seines Todes wurde er über die Grenzen Hannovers hinweg bekannt.

Protest beim Besuch des Schahs

Nach der Mittleren Reife, einer Ausbildung zum Schaufensterdekorateur und mehreren Auslandsaufenthalten holte Ohnesorg, der am 15. Oktober 1940 in Hannover geboren wurde, sein Abitur nach und begann ein Studium an der Freien Universität in West-Berlin.

Als Pazifist und Mitglied einer evangelischen Studentengemeinde engagierte sich Ohnesorg auch politisch, weshalb er sich am 2. Juni 1967 gemeinsam mit seiner Frau Christa den Studentenprotesten gegen den Staatsbesuch des Schahs von Persien anschloss. Vor dem Opernhaus in Berlin hatten sich an diesem Tag etwa 2000 Studenten und etwa doppelt so viele Polizisten versammelt. Als Ohnesorg einigen Zivilpolizisten folgte, die einen der Studenten in einen Hinterhof schleppten, wurde ihm aus nächster Nähe in den Hinterkopf geschossen. Er starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Friederike Hausmann beugt sich am 02. Juni 1967 in Berlin über den erschossenen Student Benno Ohnesorg. Er wurde bei einer Anti-Schah-Demonstration vor der der Deutschen Oper erschossen. Quelle: dpa

Beginn einer Ära

Nach einer Trauerfeier in der Freien Universität in Berlin gab es für den Studenten einen Trauermarsch durch die Innenstadt Hannovers, an dem 7000 Menschen mitliefen, bevor er in Bothfeld beigesetzt wurde. Sein Tod löste deutschlandweit Proteste aus und wird oft als Beginn der Studentenbewegungen der Sechzigerjahre gesehen. Ohnesorg liegt gemeinsam mit seiner Ehefrau, die nach ihrem Tod im Jahr 2000 neben ihrem Mann beerdigt wurde, auf dem Stadtteilfriedhof Bothfeld, Abteilung 2A, Nummer 176, begraben.

In Erinnerung an den ermordeten Studenten wurde am Tatort in Berlin eine Gedenktafel für Ohnesorg aufgestellt. In Hannover wurde bereits eine Ihmebrücke nach ihm benannt.

Beschluss liegt beim Rat der Stadt

Mit der Aufnahme in die Liste der Ehrengräber stünde das Grab von Benno Ohnesorg in einer Linie mit denen von Persönlichkeiten wie Kurt Schumacher und Kurt Schwitters und wäre das erste Ehrengrab in Bothfeld. Bevor die Grabstelle allerdings offiziell zum Ehrengrab ernannt wird, muss der Rat der Stadt dies ebenfalls beschließen.

Von Johanna Steele

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