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Bündnis will Städtebau in Sahlkamp-Mitte fördern

Initiative kämpft für „Soziale Stadt“ Bündnis will Städtebau in Sahlkamp-Mitte fördern

Seit diesem Jahr müssen die städtebaulichen Projekte, die unter dem Namen „Soziale Stadt“ die Wohn- und Lebenssituation von Mietern verbessern sollen, mit weniger Geld auskommen. Der Bund hat die Mittel bundesweit von 95 auf 28,5 Millionen Euro reduziert. Damit steht nun auch für das Sanierungsgebiet Sahlkamp-Mitte deutlich weniger Geld zur Verfügung.

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Engagieren sich für die „Soziale Stadt“ (oben v. l.): Hans-Jürgen Jeroschewski, Antje Burmeister, Christine Oppermann, Uwe Grunenberg, Avan Azad, Hanna Ahrens, Birgit Schütte, (unten v. l.): Gisela Hoins, Kathrin Rödiger, Andreas Bodamer-Harig, Yilmaz Yüksekova. Zwei Mitglieder fehlen.

Sahlkamp-Mitte. Dieses Gebiet befindet sich zwischen der Kugelfangtrift im Norden, der General-Wever-Straße im Osten, dem Eifelweg im Süden sowie Hägewiesen, Dornröschenweg, Odenwaldstraße und wieder Hägewiesen im Westen. Von der Reduzierung der Mittel sind auch die Stadtteile Hainholz und Stöcken betroffen.

Jetzt setzt sich eine Initiative aus Hannover für das soziale Projekt ein. Die Forderung der „Hannoverschen Initiative für Soziale Stadt“ ist eindeutig. „Die ,Soziale Stadt’ muss wieder 95 Millionen Euro erhalten“, sagt deren Sprecher Andreas Bodamer-Harig.

13 Männer und Frauen, darunter der Gesamtpersonalratsvorsitzende der Stadt Hannover, Hans-Jürgen Jeroschewski, hatten sich vor Kurzem getroffen, um die Initiative zu gründen. Sie folgen damit einem bundesweiten Trend. „Immer mehr Initiativen aus Städten, die bisher von der ,Sozialen Stadt’ profitiert haben, fordern den Erhalt des Programms“, sagt Bodamer-Harig. Bereits im Januar hatte sich das bundesweite „Bündnis für eine Soziale Stadt“ gegründet.

Die Zahlen für die Fördergebiete verdeutlichen, wie groß die finanziellen Einschränkungen sind: Angemeldet hatte die Stadt für Sahlkamp-Mitte einen Bedarf von 888 000 Euro, geflossen sind 225 000 Euro. Für Hainholz hatte die Stadt mit rund 1,1 Millionen Euro gerechnet, nun muss sie mit 450 000 Euro planen. In Stöcken ist der Aderlass am größten: Statt knapp 1,2 Millionen Euro stehen nur 225 000 Euro zur Verfügung.

Nach bisherigem Stand der Planungen können die Bauprojekte, die bereits begonnen wurden, zwar fortgeführt werden, aber andere Bauvorhaben werden zunächst verschoben. Der Bund hat jedoch nicht nur die Zuschüsse für die „Soziale Stadt“ gekürzt – er setzte bei der gesamten Städtebauförderung den Rotstift an. Deshalb muss auch die Sanierung des Freizeitheims in Stöcken auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Die Menschen im Sahlkamp, aber auch in Hainholz und Stöcken, stehen nach Meinung der Gründer der „Hannoverschen Initiative für Soziale Stadt“ vor ganz besonders schwierigen Aufgaben und müssen deshalb unterstützt werden. „In diesen Stadtteilen konzentrieren sich die Folgen von hoher Arbeitslosigkeit, ungleichen Bildungschancen, sozialer Benachteiligung, demografischer Entwicklung sowie Zuwanderung“, heißt es in dem Gründungsaufruf.

Wie wichtig eine Förderung der Wohn- und Lebenssituation im Sahlkamp ist, geht auch aus einer repräsentativen Erhebung der Stadt aus dem Jahr 2008 hervor. 2923 Hannoveraner hatten verschiedene Fragen beantwortet, wie zufrieden sie mit der Lebensqualität in ihrem Stadtteil seien. Im Gegensatz zum Zooviertel, in dem mit 95 Prozent die meisten der Befragten mit ihrer Wohngegend zufrieden waren, waren es im Sahlkamp nur 48 Prozent; Stöcken (31 Prozent) und Hainholz (21 Prozent) bildeten stadtweit die Schlusslichter.

Im Sahlkamp führten die Bewohner durchaus einige Vorteile ins Feld: die guten Verkehrsanbindungen, die entspannte Parkplatzsituation sowie die Nähe zum Grün. Doch es wurden auch etliche Nachteile genannt, die die Notwendigkeit, die Wohn- und Lebenssituation zu verbessern, verdeutlichen. Nachts fühlt sich nur ein Drittel der Menschen im Quartier sicher, es gibt zu wenig Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche, zudem werden die problematische Sozialstruktur, die städtebaulichen Mängel und die hohe Zahl der Ausländer als Nachteil empfunden.

Das Bündnis „Hannoversche Initiative für Soziale Stadt“ hat aber auch noch andere Argumente. Ihre Forderung an den Bund unterfüttert die Gruppe mit Zahlen: So habe eine Studie jüngst ergeben, dass Städtebauförderung positive Effekte nach sich ziehe. „Ein Euro an Städtebaufördergeld stößt gezielt weitere 8,50 Euro bei privaten und öffentlichen Investitionen an.“ So sei Städtebauförderung keine Subvention, sondern eine Form des Investitionsanreizes. Deswegen wollen die derzeit 13 Aktiven den Kreis der Protestierenden ausweiten: Die Initiative hat in ihrem Gründungsschreiben den Rat und die Stadt Hannover aufgefordert, dem bundesweiten „Bündnis für eine Soziale Stadt“ beizutreten.

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