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Ost Bunker am Welfenplatz hat für Obdachlose ausgedient
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Bunker am Welfenplatz hat für Obdachlose ausgedient
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14:09 11.01.2011
Von Veronika Thomas
Eine Reportage von Günter Wallraff im Magazin der „Zeit“ brachte das Aus für den Bunker. Quelle: Uwe Dillenberg

Die letzten 30 Übernachtungsgäste verließen am Montagmorgen das fensterlose Gebäude an der Celler Straße in der Oststadt Hannovers, wo sie die Nacht von Sonntag auf Montag verbracht hatten. Damit hat der umstrittene Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg als Notunterkunft für obdachlose Menschen endgültig ausgedient. Gestern Abend um 18 Uhr eröffnete nur etwa fünf Gehminuten entfernt in der Wörthstraße die neue Notschlafstelle. Dort stehen den Betroffenen jetzt 36 Schlafplätze zur Verfügung – vorwiegend in Zweitbettzimmern.

Ursprünglich sollte die „Bunker“ genannte Notunterkunft am Welfenplatz schon im vergangenen Jahr geschlossen werden. Weil die Containeranlage in der citynahen Wörthstraße aber bis Ende Dezember für die Unterbringung von bis zu 25 obdachlosen Drogenabhängigen benötigt wurde, musste der Umzug der Notunterkunft verschoben werden.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) betreibt seit 1996 eine Notschlafstelle für Drogenabhängige in der Peiner Heerstraße in Lahe. Weil die alte Containerunterkunft völlig marode war und auch den Brandschutzbestimmungen nicht mehr entsprach, entschied die JUH, auf eigene Kosten einen 1,5 Millionen teuren, zweigeschossigen Neubau mit 76 Plätzen an der Kirchhorster Straße zu errichten. Dort werden seit Anfang dieses Jahres auch die Drogenabhängigen betreut, die zuvor in der Wörthstraße Platz fanden.

Der fensterlose Luftschutzbunker in der Celler Straße mit 44 Betten stand seit Jahren in der Kritik von Fachleuten. Aber letztlich war es eine Reportage von Günter Wallraff im Magazin der „Zeit“, die das Aus für die Einrichtung brachte. Der Schriftsteller und Enthüllungsjournalist, der 1970 seine aufsehenerregenden „Industriereportagen“ mit authentischen Einblicken in die damalige Arbeitswelt veröffentlichte und 1977 undercover als Redakteur Hans Esser bei der „Bild“-Zeitung in Hannover arbeitete, hatte im Februar 2009 in elf deutschen Städten über die Lage Obdachloser recherchiert, darunter auch in Frankfurt und Köln.

Dabei brachte er eine Nacht im sogenannten Bunker in Hannover zu, weil es offenbar die einzige Bleibe war, die kurzfristig zur Verfügung stand. „Das war mit Abstand der schlimmste Ort, den ich in dieser Zeit kennengelernt habe“, berichtete Wallraff anschließend und fügte hinzu: „Ich hoffe, ich trage dazu bei, dass er schnellstmöglich geschlossen wird.“ Die Übernachtung sei ein einziges „Horrorszenario“ gewesen, die Unterbringung dort bezeichnete Wallraff als menschenunwürdig.

In jener Nacht war der bekannte Journalist von einem Zimmernachbarn bedroht worden, der sich, nur durch einen Vorhang getrennt, in Gewaltphantasien hineingesteigert hatte und mit einem Messer hantierte. Als Wallraff das Gebäude „panikartig“ verlassen wollte, wie er später schrieb, sei die Stahltür nach draußen mit einem Schloss entgegen der Vorschrift verriegelt gewesen; auch der Sicherheitsmann im Gebäude habe in seinem Kabuff nicht auf sein Klopfen reagiert.

Die Stadt als Trägerin der Einrichtung geriet nach dem Vorfall in Erklärungsnöte, der hannoversche Bunker bundesweit in die Schlagzeilen, und die SPD-Ratsfraktion forderte seine Schließung. In den folgenden Wochen wurde zunächst einmal nachgebessert. Unter anderem wurde die Notbeleuchtung im Bunker verbessert, die schwere Stahltür war seitdem stets von innen zu öffnen, und statt der Vorhänge ließ die Stadt feste Trennwände zwischen den Betten installieren.

Die neue Notunterkunft, eine Aneinanderreihung von Containern, ist zumindest innen hell und freundlich gestaltet. Die Räume sind ebenerdig, sie haben Fenster, und in jedem Raum stehen zwei Betten, zwei Stühle, ein Tisch. Nach dem Auszug der Drogenabhängigen wurden die Container einschließlich der Sanitäranlagen renoviert.

Die Notschlafstelle auf einem ehemaligen Schulhof ist – wie seinerzeit der Bunker auch – maximal für ein, zwei Nächte gedacht. Wer eine Unterkunft für unbestimmte Zeit benötigt, wird vom Sicherheitspersonal umgehend an das Wohnungsamt der Stadt verwiesen, die über knapp 300 Plätze in verschiedenen Unterkünften verfügt – 206 für Männer, 64 für Frauen und 28 für Paare. Im angrenzenden, ehemaligen Schulgebäude in der Wörthstraße beispielsweise besteht Platz für 42 wohnungslose Menschen. Außerdem gibt es stadtweit 400 weitere Plätze bei freien Trägern.

Was aus dem alten Bunker wird, steht nach Angaben von Stadtsprecher Andreas Möser noch nicht fest. Ausgeschlossen jedoch sei eine Nutzung durch das benachbarte „bed by night“, in dem Straßenkinder bis 17 Jahre Unterschlupf finden. Denkbar wäre eine Nutzung als Übungsstätte für Musikgruppen oder Ähnliches.

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