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Bunker wird zum Wohnhaus umgebaut

List Bunker wird zum Wohnhaus umgebaut

Der Bund trennt sich von seinen ehemaligen Luftschutzbunkern. Am Trageweg in der List baut eine Familie mit Unterstützung eines Bremer Architekten den Betonklotz zu einem Wohnhaus mit Dachterrasse um. Aus zwölf Meter Höhe können Eltern und Kinder künftig auf die List herabblicken.

Hannover, Am Trageweg 52.396914 9.756142
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Aus dem Lister Bunker werden Betonblöcke für künftige Fenster geschnitten.

Quelle: Privat

List. Die Bewerbung war zunächst eigentlich gar nicht richtig ernst gemeint. Als Bernd und Marion Wetekam aus der List vor rund einem Jahr von einem Bekannten erfuhren, dass der Bunker am Trageweg 3 vom Bund verkauft wird, hat das Ehepaar spontan ein Angebot eingereicht. "Offensichtlich war es das höchste der Versteigerung", sagt Marion Wetekam, die nun Besitzerin eines 1940 für 751 Personen erbauten und 375 Quadratmeter großen Bunkers ist.

Nun gilt es, vier Bunkergeschosse umzubauen, die oberste Etage will die vierköpfige Familie für sich selber nutzen, darauf wird noch ein Staffelgeschoss errichtet. "Mehr hat die Stadt nicht erlaubt", sagt Marion Wetekam. Allerdings sollen in luftiger Höhe noch zwei Terrassen entstehen. "Es ist schon toll, sein eigener Herr zu sein", schwärmt die Bunker-Hausherrin. Bislang wohnen die Wetekams mit ihren beiden Kindern am De-Haën-Platz und waren auf der Suche nach einem Haus zum Ausbauen in der Gegend. Jetzt wird der Bunker familienfreundlich umgestaltet.

Dass die Bundesimmobilie an den Lister Kirchweg, einen Imbiss und einen Discounter grenzt und außerdem keinen Garten hat, stört die Familie nicht - jedenfalls nicht mehr. "Die Lage war zunächst schon ein Problem", gesteht Marion Wetekam. Aber so eine Immobilie liege selten mitten in der Eilenriede oder an einer idyllischen Anlieger-Altbaustraße. "Und was das Grün betrifft, reicht uns eine Dachterrasse völlig", sagt Marion Wetekam. Aus rund zwölf Metern Höhe wird sie künftig auf die List herabblicken können, und auch die gewerblichen Nachbarn bereiten keine Probleme. "Ganz im Gegenteil, Grundstücksbesitzer und Verwalter des Supermarktes sind sehr kooperativ."

Für den Ausbau des Bunkers haben sich die Wetekams professionelle Hilfe eines Bremer Architekten geholt, der schon entsprechende Gemäuer umgebaut hat. Die Bauleitung will die Hausherrin selber übernehmen. Die große Treppe im Eingangsbereich des Luftschutzbunkers soll erhalten bleiben, das Erdgeschoss - und gleichzeitig erste Bunkergeschoss - wird zu Entree und Garage umfunktioniert. Das zweite Bunkergeschoss bleibt leer, "die vielen kleinen Räume wollen wir später eventuell zu Lagerzwecken vermieten", meint Marion Wetekam. Um den Rest bewohnbar zu machen, muss der massive Bau zunächst komplett gedämmt werden. Spezialmaschinen waren bereits am Trageweg im Einsatz um große Blöcke für Fenster herauszuschneiden. "Bei einer Dicke von rund 1,70 Meter ist das kein leichtes Spiel."

Mit rund einem Jahr Bauzeit rechnen die Wetekams, denen es wichtig ist, den Beton-Charakter zu bewahren. "Uns gefällt einfach das Material", sagt Marion Wetekam. Und auch die Kinder hätten sich nach anfänglicher Skepsis mit der Idee angefreundet, in einen riesigen Luftschutzbunker zu ziehen. Bevor Bauarbeiter und Gewerke ihre Arbeit beginnen, wurde hier schon ein Kindergeburtstag gefeiert - Räume zum Anmalen und Verstecken spielen gibt es genügend. Und wenn bei Dunkelheit das elektrische Licht erlischt, kann man wie bei Schwarzlicht noch Wegweiser, Zeichen und Bilder an den Wänden ausmachen.

Nach dem Krieg wurde der Bunker Trageweg rund 20 Jahre als Möbelhaus genutzt, die letzten Jahrzehnte allerdings stand der Betonklotz leer. Jetzt ist er für lange Zeit eingerüstet, die Arbeiten gehen aber zügig voran. Wieviel Geld sie in ihren Wohn-Bunker stecken, wollen die Wetekams nicht verraten. In jedem Fall wird das Ergebnis exotisch ausfallen - das Wohnen im und auf dem Bunker ist eben nicht gerade gewöhnlich.

Der Bunker am Trageweg ist einer der ersten beiden Luftschutzbunker, die der Bund bereits an private Besitzer verkauft hat - und der zweite, der ausgebaut wird. Ein weiterer an der Lönsstraße wird derzeit abgerissen, hier entstehen Wohnungen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben will mittelfristig alle 13 bundeseigenen Bunker in Hannover veräußern. Die Bauten aus Kriegstagen werden nicht mehr benötigt, die sogenannte Zivilschutzbindung ist aufgehoben. Beinahe abgeschlossen sind die Verkaufsverhandlungen für die Bunker am Wolfsburger Damm (Heideviertel) und in der Brentanostraße (Kleefeld).

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