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„Das Leben ist schön“: Tanztheater ohne Worte

Tanzschule Fun-Key in der List „Das Leben ist schön“: Tanztheater ohne Worte

Zwei Kinofilme haben Tanzschüler zu einem besonderen Bühnenauftritt in der List inspiriert. Diese Produktion hat eine ungleich größere Dimension. Die 30 Laiendarsteller sollten an die professionelle Arbeit als Tänzer oder Musicaldarsteller herangeführt werden.

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Quelle: Mario Moers

List. In der Pause herrscht Hektik hinter der Bühne. Vor dem großen Wandspiegel des zur Garderobe umfunktionierten Tanzstudios schminken sich die Tänzerinnen. Auf dem Boden hockend wird mit Nadel und Pfaden im Mund noch hastig ein Outfit geändert. Eine Gruppe Kinder hilft sich gegenseitig, die Kostüme zurechtzuzupfen. Dann öffnet sich der Vorhang zum zweiten Teil.

„Es ging schon noch einiges schief“, lacht Kirsten Eilmes. Die Leiterin der Tanzschule Fun-Key in der List ist dennoch zufrieden mit ihren Schützlingen. Ein 90-minütiges Tanztheater auf die Beine zu stellen, das sei für Laien eine ganz besondere Leistung, sagt sie. Das Publikum bekam von der Hektik und den kleinen Fehlern bei der Generalprobe des Tanztheaters „Das Leben ist schön“ kaum etwas mit. Das Stück, das in den kommenden Wochen viermal zu sehen sein wird, ist die bislang größte Aufführung der Tanzschule. Die meisten der 250 Besucher ihrer Tanzschule sind es eigentlich gewohnt, Hip-Hop oder andere zeitgenössische Richtungen zu tanzen. Tanztheater war für viele etwas Neues. Es verbindet Elemente des klassischen Balletts mit dem darstellenden Spiel und Ausdruckstanz. „Bei der Arbeit war es wichtig, zu erst einmal ein Bewusstsein für die abstraktere Kunst des Tanztheaters zu schaffen“, so Kirsten Eilmes.

Ausdruckstanz kommt auf die Bühne: Zwei Filme, die sich mit dem Nationalsozialismus beschäftigen, haben die Leiterin der Tanzschule Fun-Key und ihre Schüler zu ihrer Tanztheater-Performance animiert.

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Vorführungen auf Stadtfesten oder vor den Eltern und Bekannten, das kannten die meisten der Tanz- und Schauspielschüler. Diese Produktion hat eine ungleich größere Dimension. Die 30 Laiendarsteller sollten an die professionelle Arbeit als Tänzer oder Musicaldarsteller herangeführt werden. Im Vorfeld hatte es sogar ein Casting gegeben. Für alle Rollen gibt es eine erste und zweite Besetzung, falls jemand ausfällt.

Herausgekommen ist ein lebendiges, unterhaltsames Stück. In liebevoll erarbeiteten Bildern wird der Spaß der Tanzschüler für das Publikum fassbar. Unterstützt durch eine starke Video- und Soundprojektion gelingt es der Inszenierung, trotz der einfachen Ausstattung der Bühne, starke Bilder zu kreieren. „Das Leben ist schön“ kommt ohne einen gesprochenen Dialog aus. Es wird keine lineare Geschichte erzählt. Das Stück ist vielmehr eine Collage. In einigen Szenen erkennt man Handlungen und Motive, andere Teile sind eher abstrakt gehalten. Zwei Klassiker der Filmgeschichte dienten dem Stück als inhaltliche und ästhetische Orientierung. „Der große Diktator“ von Charlie Chaplin und „Das Leben ist schön“, des italienischen Regisseurs Roberto Benigni. Beide Filme bestechen durch ihren unbeschwerten und gleichzeitig kraftvollen Umgang mit dem Leben. Die furchtbare Zeit der nationalsozialistischen Diktatur verarbeiten sie auf eine lebensbejahende und poetische Art. In dieser Stärke lag die Inspiration für das Tanztheater.

Zu Beginn der Aufführung dröhnt laut die kämpferische Abschlussrede Charlie Chaplins aus „Der große Diktator“ aus den Lautsprechern. Darin heißt es: „Diese Maschinenmenschen, mit Maschinenköpfen und Maschinenherzen! Ihr seid keine Roboter!“ Tatsächlich beobachtet man in der Aufführung Menschen, die Spaß an der Bewegung und dem Spiel haben. „Anders als bei den Profis, die ihren Job machen, kommen bei den Laien viel mehr Emotionen rüber“, so Eilmes.

Wer das gerne beobachtet, der wird nicht enttäuscht. Kirsten Eilmes sieht darin auch den größten Wert des Tanzes. „Etwas rauslassen und durch die Bewegung über die eigenen Hemmungen hinauswachsen“, darin liege großes Potenzial zur Persönlichkeitsentwicklung. Die kleinen Fehler der Generalprobe wird man hier vermutlich auch noch in den Griff bekommen. Das ist vielleicht aber auch gar nicht nötig. Vielleicht liegt darin gerade der Charme der großen Aufführung abseits der professionellen Bühnen.

„Das Leben ist schön“ wird am vier Sonnabenden, dem 9., 16., 23. und 30. November in der Tanzschule Fun-Key Dance & Theatre, Spichernstraße 13 aufgeführt. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 18 Uhr, Karten für 12, und ermäßigt 10 Euro gibt es telefonisch unter der Nummer 66 13 91.

Von Mario Moers

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