Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 18 ° Regenschauer

Navigation:
Die Geschichte vom Lister-Meile-Fest in Hannover

List Die Geschichte vom Lister-Meile-Fest in Hannover

Seit 40 Jahren wird am Wochenende in Hanover-List und der Oststadt das Lister-Meile-Fest gefeiert. Den Kaufleuten ging es dabei anfangs ums Überleben.

lister meile hannover 52.382595 9.745411
Google Map of 52.382595,9.745411
lister meile hannover Mehr Infos
Nächster Artikel
Hunderttausende zum Lister-Meile-Fest in Hannover erwartet

Gestern wie heute beliebt: Im vergangenen Jahr kamen 300.000 zum Fest auf die Meile.

Quelle: Burkert

Hannover. Hannovers längste Fußgängerzone, unter dem Pflaster eine U-Bahn, Hunderttausende von Besuchern bei einem Fest in einem der beliebtesten Stadtteile Hannovers? Davon war die Lister Meile 1970 so weit entfernt wie Hannover von der Expo. Statt Lister Meile hieß die Strecke vom Bahnhof bis zum Lister Platz Alte Celler Heerstraße und Celler Straße. Auf ihr fuhren Straßenbahnen und so viele Autos wie heute auf der Podbielskistraße. List und Oststadt mit ihren Häusern aus der Gründerzeit hatten ihren Ruf als schönste Wohngegenden Hannovers noch nicht erlangt. Die Stadtteile „hinterm Bahnhof“ galten als Hinterhof Hannovers. „Hier war der Hund verfroren, und Häuser gab’s für einen Appel und ein Ei“, sagt Buchhändler Klaus Eberitzsch, der Gründer des Vereins „Aktion Lister Meile“. Doch dann wurde 1970 gebaut – eine U-Bahn, die es bis dahin noch nicht gab und die der spätere Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg als „Jahrhundertereignis für die Stadt“ feiern würde.

„Krach, Müll, Dreck, Staub und keine Kunden“, so beschreibt Eberitzsch, der lange Jahre den Buchladen Leuenhagen & Paris führte, den Zustand vor seinem Geschäft und im gesamten Bereich der späteren Lister Meile. Mehrere Jahre dauerte das Jahrhundertprojekt. „Das war eine riesige Baustelle mit einer tiefen Grube, die bis auf einen Meter an die Häuser heranreichte.“ Es wurden großformatige Bretterzäune errichtet und Spundwände in den Boden gerammt, sodass in umliegenden Häusern die Telefone von den Tischen fielen. Auch als der U-Bahn-Bau dem Ende entgegen ging, kamen die Lister und Oststädter nicht zur Ruhe. „Erst kam die Telefongesellschaft, dann folgten Gas- und Wasserleitungen. Immer wieder wurde der Boden auf- und wieder zugemacht“, erinnert sich Eberitzsch. In einer Aktionsgemeinschaft mit Robert Hesse, Dieter Flöge, Aloys Bunge und anderen Geschäftsleuten sorgte er dafür, dass die Interessen der Anlieger berücksichtigt wurden.

Dann war das U-Bahn-Loch geschlossen und die Baustelle weg. „Aber wir hatten Bedenken“, sagt Eberitzsch. Bedenken, dass die Geschäfte oberhalb der U-Bahn nicht wahrgenommen werden. „Aber wir wären ja bekloppt gewesen, diese auch zu äußern“, sagt Eberitzsch augenzwinkernd. Damit Hannover auf die neu erschaffene Fußgängerzone aufmerksam wurde, entwickelten die Kaufleute die Idee von einem Fest. Nach wirtschaftlich schwierigen Jahren galt es, Kunden zurückzugewinnen. An zwei Tagen besuchten Zehntausende das erste Fest, das schon damals vom Weißekreuzplatz bis zum Lister Platz gefeiert wurde. Im Unterschied zu heute kamen damals viele Schausteller von außerhalb mit Karussells, Schießbuden und Würstchenständen auf die Meile. „Das erinnerte mehr an einen Rummel als an ein Familienfest“, sagt Eberitzsch, der damals wie heute in eigens aufgestellten Pavillons Schallplatten und Bücher zum Schnäppchenpreis verkaufte. Auch Livemusik gab es. Sogar Schlagerstar Billy Mo kam, sang Lieder wie „Ich kauf’ mir lieber einen Tirolerhut“ und begeisterte die Besucher auf der Lister Meile, die damals noch gar nicht so hieß.

Erst am 17. November 1972, als Eberitzsch mit Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg das erste Straßenschild enthüllte, bekam die Fußgängerzone ihren Namen; diesen hatte man bei einem großen Preisausschreiben gesucht. „Grüne Meile“ war ein zunächst favorisierter Vorschlag, der Bezug nahm auf die Hinführung zur Eilenriede. Doch die „Lister Meile“ setzte sich schließlich durch. Bei Anwohnern und in den Tageszeitungen wurde die Fußgängerzone schon vor November 1972 so genannt, doch erst mit dem Ratsbeschluss wurde der Name offiziell.

Das erste Lister-Meile-Fest war ein Erfolg, und auch die Einkaufszone mauserte sich. Aus einem Stadtteil irgendwo „hinterm Bahnhof“ wurde ein attraktives Quartier. Die Leute kamen zum Einkaufen und Bummeln, und das lag auch an Buchhändler Eberitzsch und den anderen Geschäftsleuten. „Wir waren Dauer­optimisten, die jeden neuen Baum, der gepflanzt wurde, als ,gigantisch’ angekündigt haben.“ In der Marienstraße oder der Innenstadt, sagt Eberitzsch, habe man nach dem U-Bahn-Bau dieselben Probleme gehabt, aber nicht an sich geglaubt und viel gejammert. „Aber wir haben immer gesagt, es geht voran, und haben alles mit Begeisterung gemacht“, erzählt der 73-Jährige, der heute zugibt, „dass wir eigentlich immer zu große Schuhe anhatten“.

Der Bereich rund um die neue Fußgängerzone entwickelte sich in den achtziger und neunziger Jahren rasant. Die Menschen investierten wieder in ihre Geschäfte, Eigentümer ließen Häuser streichen, immer mehr Kunden kamen. 30 000 Menschen aus Oststadt und List wohnen so, dass sie in maximal acht Minuten an der Meile sind, rechnet Senior Eberitzsch vor. Die Lister Meile floriert, „und heute sind wir die bekannteste und längste Fußgängerzone Hannovers.“ Trotz aller Zuversicht, aller Hoffnungen und Träume – „das hätten wir am Anfang nie gedacht“, bekennt Eberitzsch.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Bummeln, tanzen, feiern
In Hannover hat das Lister-Meile-Fest begonnen.

Gleich am ersten Tag ging das Lister-Meile-Fest in Hannover am Freitag in die Vollen. Auf der Bühne am Lister Platz versetzten Andy Lee und seine Band Tennessee Rain die gut gelaunten Zuhörer in die Zeit von Hüftschwung und Schmalztolle.

mehr
Mehr aus Ost
Region Hannover