Kleefeld. Die Dame nestelt an ihrem Anorak, Hosenbeine fallen herunter und bedecken ihre langen hochhackigen Stiefel. „Was würde ich tun, wenn ich ein Mann wäre? Das wäre interessant! Zum Beispiel würde ich glauben, dass ich Autofahren könnte“, philosophiert sie und zieht den Anorak aus. Darunter kommen Hemd und Krawatte zum Vorschein. Die Projektleiterin der „Kleefelder Lichtspiele“ Vera Hansing sagt die französische Komödie „Auf der anderen Seite des Bettes“ mit Sophie Marceau an. Passend zum Thema des Films, dem Rollentausch zwischen den Geschlechtern, verwandelt Hansing sich optisch in einen Herren. Dem Publikum gefällt’s, Gelächter und Applaus begleiten den Auftritt.
Rund 100 Zuschauer sind in den großen Saal der Werkstatt Süd in der Hölderlinstraße gekommen, um den Film zu sehen; 80 von ihnen haben das Angebot genutzt, zuvor ein dreigängiges Menü zu verspeisen und somit Teil des „Dinnerkinos“ zu sein. Rainer Voltmer, der Vorsitzende des Bürgervereins Kleefeld, ist sehr zufrieden mit den Besucherzahlen. „Seit sich unsere Projektgruppe „Kleefelder Lichtspiele“ neu formiert hat, sind wir schon mehrere Male hintereinander ausgebucht.“
Daniela Bronisch und Michael Langner sind zum ersten Mal dabei. „Wir sind vor Kurzem umgezogen und wohnen nun hier um die Ecke“, erzählt Daniela Bronisch. „Da wollten wir uns das mal angucken“. Beim nächsten Mal wollen sie Freunde mitbringen. Roland Kastner aus der Südstadt gefällt besonders die familiäre Atmosphäre bei der Veranstaltung, die regelmäßig am ersten Freitag im Monat stattfindet. Kinder laufen zwischen den Tischen herum, junge und ältere Gäste sitzen an den langen Tafeln und unterhalten sich. Das durchschnittliche Alter der Besucher liegt zwischen 40 und 50 Jahren. Das habe eine Befragung der Gäste ergeben, sagt Rainer Voltmer. Ein anderes Ergebnis der Fragebögen-Auswertung: Die Zuschauer sehen am liebsten Komödien.
Die zehn Mitglieder der „Kleefelder Lichtspiele“ berücksichtigen die Vorliebe bei der Auswahl der Filme. „Mainstream“ allerdings wollen sie nicht zeigen. „Wir präsentieren kleine, feine Filme“, erklärt Vera Hansing das Konzept. Der Humor dürfe auch mal sarkastisch sein. Gerade wegen dieser fachkundigen Vorauswahl kommt Gerhild Lienau regelmäßig zu den Veranstaltungen. „Die Filme sind immer nett und sehenswert“, sagt sie.
Die Projektgruppe findet die Filme, die sie zeigen will, indem sie selbst regelmäßig ins Kino geht. Vera Hansing schaut sich zwei- bis dreimal im Monat einen Film an. „Wir leben Kino“, sagt sie. Schmunzelnd erzählt sie, wie sie vor der Vorführung des Films „Woodstock“ als Hippie-Mädchen kostenlose Umarmungen angeboten hat. „Free hugs“ stand auf dem Schild, das sie sich um den Hals gehängt hatte. Künftig wird die erfolgreiche Reihe noch ausgebaut: Derzeit wird die Veranstaltungsreihe „Dinnerkonzerte“ vorbereitet. Im März soll es erstmals ein „Cafe-Kino“ am Nachmittag geben. Und wenn weiterhin so viele Besucher zum „Dinnerkino“ kommen, kann der Film künftig vielleicht an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gezeigt werden.
Sonja Weisse
HAZ.de Anmeldung