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Ost Eilenriede-Beirat will Baumfällungen stoppen
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Eilenriede-Beirat will Baumfällungen stoppen
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06:15 16.03.2012
Von Conrad von Meding
Idyll Stadtwald: Um die Fällungen alter Eilenriedebäume gibt es immer wieder Ärger. Quelle: Surrey
Eilenriede

„Ich verstehe gar nicht, was Sie überhaupt noch fordern“, sagte Forstbetriebsleiter Heino Kamieth am Ende der Debatte aufgebracht: Man wolle die Einschläge ohnehin „um 90 Prozent reduzieren“ und verfolge ein „klares ökologisches Konzept“. Die Mehrheit des Eilenriedebeirats aber ließ sich nicht von der Position abbringen. In den nächsten Wochen wird der Rat entscheiden.

Jedes Jahr sorgen die städtischen Baumfällungen für Irritationen bei Naturschützern und Erholungssuchenden. Der Eilenriedebeirat lässt sich bereits vorab Listen mit Standorten, Baumarten und Anlässen für die geplanten Fällungen vorlegen. Dabei gibt es unstrittige Gründe, etwa, wenn morsche Bäume Spaziergänger gefährden oder wenn schneller wachsende Buchen die eigentlich erwünschten Eichen zu sehr bedrängen. Doch jedes Jahr gibt es auch Ärger um sogenannte Zielstärkenbäume – Altgewächse, die noch lange leben könnten, die aber gefällt werden, um das begehrte Eilenriedeholz zu verkaufen.

Der Eilenriedebeirat fordert jetzt, dass die Hauptziele der Waldbewirtschaftung die Naturerholung und die Sicherung der biologischen Vielfalt sein müssten. „Demgegenüber ist die Holzproduktion nachrangig“, heißt es in einer Stellungnahme von Karola Herrmann, Reinhild Muschter und Georg Wilhelm, die eine klare Mehrheit im Gremium fand. Alte Bäume, besonders Stieleichen, sollten nicht geschlagen, sondern gefördert werden. Die sogenannte Zielstärkennutzung solle vollständig entfallen. Auch das Argument der Forstleute, sie müssten zu Ausbildungszwecken fällen, lässt der Eilenriedebeirat nicht gelten. „Wir sind nicht zum Schutz des Forstbetriebs da, sondern zum Schutz des Forstes“, sagte Beiratschef Hans-Peter Fuchs.

Prof. Bettina Oppermann vom Institut für Freiraumentwicklung wollte auch die kulturhistorischen Aspekte des Waldes im neuen Bewirtschaftungsplan festgeschrieben sehen. Eine derartige Analyse aber sei im Budget nicht eingeplant, sagte Eilenriedeförster Gerd Garnatz. Auch für eine detaillierte Kartierung von Biotopen und Waldrandentwicklungen, wie sie von Beiratsmitglied Dietmar Drangmeister gefordert wurde, sei kein Geld vorhanden. Die Stadt habe dem preiswertesten Anbieter den Auftrag gegeben, die Zehnjahresplanung für das neue Forstbetriebswerk zu erarbeiten.

Forstbereichschef Kamieth allerdings betonte, dass die Stadt „weitreichende ökologische Vorgaben“ gemacht habe. Auch Georg Wilhelm vom Bund für Umwelt und Naturschutz räumte trotz aller Kritik ein: „Hannover ist viel weiter als etwa die Betreiber der Staatsforsten.“ Trotzdem seien Verbesserungen möglich – und aus Sicht der Waldfreunde nötig.

Sorge um die Seelhorst

Nach scharfen Protesten hat die Verwaltung den geplanten Bau eines großen Regenwasserrückhaltebeckens am Dreibirkenweg in Bemerode-West gestoppt. Dort hätten etliche Bäume am Rand des Seelhorster Wäldchens gefällt werden müssen. Nach HAZ-Informationen ist nun eine Fläche näher am Berufsbildungswerk des Annastifts im Gespräch. Details dazu soll es aber erst im Sommer geben. Der Beirat begutachtete am Montag den Zustand des kleinen Stadtforsts und ließ sich von Gutachtern erläutern, wie sich die Grundwassersituation verändert – wobei Experten zufolge die geplante Ansiedlung von amazon kaum Auswirkungen hat. Das Gremium beschloss, von der Stadtverwaltung ein langfristiges Entwicklungskonzept für den Wald zu fordern.

Kein Fortschritt am Ententeich

Keine Lösung gibt es für die Wasserprobleme am bei Spaziergängern beliebten Ententeich hinter der Musikhochschule. Die Stadt hatte dem Gewässer aufwendig einen neuen Tonboden verpasst und darauf gesetzt, dass es dann seltener zu Niedrigwasserständen komme. Trotzdem ist der Teich meist nur geringfügig gefüllt. Auch bei dem Plan, mit regelmäßigen Wassereinspeisungen den Teich künstlich auffüllen zu können, sei man nicht weiter, sagte Forstbereichschef Heino Kamieth bei der Sitzung des Eilenriedebeirats: „Es gibt leider noch keine gute Nachricht.“

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