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Freier Blick auf die Dreifaltigkeitskirche

Oststadt Freier Blick auf die Dreifaltigkeitskirche

Nach sechs Jahren Ausbesserungsarbeiten unter dem Baugerüst ist die Dreifaltigkeitskirche an der Bödekerstraße zu Weihnachten wieder komplett saniert.

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Die Dreifaltigkeitskirche kurz vor der Fertigstellung der Renovierung.

Quelle: Moritz Küstner

Hannover-Oststadt. Der Stein des Anstoßes liegt bei Pastor Jürgen Kemper im Regal. Vor inzwischen fünfeinhalb Jahren hat dieser bröckelige rote Klinkerstein gewissermaßen eine kleine Lawine ausgelöst: Er löste sich plötzlich aus der Fassade der Dreifaltigkeitskirche an der Bödekerstraße und stürzte hinunter auf den Gehweg - und zwar genau neben das Eingangsportal des Gotteshauses. Eine sofort eingeleitete Untersuchung des baulichen Zustandes der Kirche ergab daraufhin erhebliche Mängel. Eine Absperrung wurde errichtet - seitdem ist die Dreifaltigkeitkirche mehr oder weniger eine Baustelle.

Jetzt indes sieht es so aus, als wäre zu Weihnachten alles überstanden: der Baulärm, der Dreck, die Gerüste und Plastikplanen sowie der eingeschränkte Zugang zur Kirche. Unter Christoph Hehl wurde die Dreifaltigkeitskirche von 1880 bis 1883 in nur drei Jahren erbaut, das Auswechseln von massenweise Formsteinen an Turm, Giebel und Chor hat nun fast doppelt so lange gedauert. „Wir sind natürlich froh, dass pünktlich zu Weihnachten auch das letzte Gerüst am hinteren Teil der Kirche abgebaut wird“, betont Pastor Kemper. Aber man habe damals nicht abschätzen können, wie marode Teile des sakralen Baus bereits waren.

Nach sechs Jahren Ausbesserungsarbeiten unter dem Baugerüst ist die Dreifaltigkeitskirche an der Bödekerstraße zu Weihnachten wieder komplett saniert.

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Das kirchliche Amt für Bau- und Kunstpflege hat die Arbeiten überwacht und auch einen Großteil der Kosten übernommen. „Aber ohne den enormen Einsatz unserer Gemeinde hätten wir das nicht zuwege gebracht“, sagt Wolfgang Schiemann, Vorsitzender des Kirchenvorstands. In nur sechs Wochen seien damals 27 000 Euro gespendet worden - „und was uns besonders freut: nicht nur von Gemeindemitgliedern“, sagt Schiemann. „Wir haben in der langen Zeit der Bauerei erfahren, wie wichtig diese Kirche offenbar auch für Anlieger und Besucher ist, die sonst eher kirchenfern“, sagt Kemper.

Um Hilfe der Landeskirche, aber auch der Klosterkammer zu bekommen, musste die Gemeinde auch mit eigenen Mitteln aufwarten. „100 000 Euro haben wir so von der Kammer bekommen“, sagt Schiemann. Die fruchtbaren Bemühungen der Gemeinde seien daher angemessen honoriert worden, wenngleich der Löwenanteil der rund 2,5 Millionen teuren Maßnahme die Landeskirche übernommen hat. Wenn im Dezember alles fertig ist, werden an der Dreifaltigkeitskirche rund 63 Tonnen Ziegel ausgewechselt und 3200 Quadratmeter Mauerwerk erneuert worden sein. In vier Bauabschnitten wurde gearbeitet, „allerdings haben wir fast eineinhalb Jahre gewartet, bevor es überhaupt losging“, sagt Schiemann.

Eigentlich ist das sogar noch zügig. „Die Liste der Baumaßnahmen beim Amt für Kunstpflege ist lang, aber hier hat man die Priorität schnell erkannt, und wir sind auf der Warteliste schnell hochgerutscht“, sagt Kemper. Die Vielzahl an lockeren Fassadensteinen und die damit einhergehende Gefahr sei unbürokratisch als „außerordentliche Baumaßnahme“ anerkannt worden.

Aufwendig wurden die Arbeiten vor allem wegen der exakten Ausmessungen und Spezialanfertigungen der einzelnen Formsteine, die jetzt mit ihrer etwas helleren roten Farbe am Gebäude hervorstechen. „Da sieht kein Stein aus wie der andere, jeder ist gewissermaßen eine Maßanfertigung“, betont Schiemann. Besonders heikel stand es seinerzeit um den Seitengiebel zur Friesenstraße. „Der drohte zu kippen“, erinnert sich Kemper.

Als anlässlich des ersten Bauabschnitts am Kirchturm ein Gerüst bis zur Spitze aufgebaut wurde, ergriff die Gemeinde sogleich die Chance und ließ die Zifferblätter der Turmuhr reinigen und neu vergolden. Weitere 14 000 Euro wurden dafür gespendet - von der Bevölkerung. „Allerdings hat das Gerüst auch ein paar allzu Wagemutige angelockt“, erzählt Schiemann. Gerade einmal wenige Tage habe die Konstruktion gestanden, als ein Spaßvogel „Zeit ist Geld“ auf die Uhr in luftiger Höhe schrieb. „Glücklicherweise ist es aber nach dem Steinfall zu keinem weiteren gefährlichen Zwischenfall gekommen“, sagt Pastor Kemper.

Das Innere der Kirche war während der langfristigen Baumaßnahmen nur wenig betroffen. „Mit Staub und Dreck hatten wir hier natürlich auch zu kämpfen“, sagt Kemper. In der Sakristei seien aber lediglich die großen Fenster zugehängt worden, um sie zu schützen. „Nach zwei Monaten war das aber wieder vorbei“, so der Pastor. Wenn nun auch die komplette Bauphase im Dezember Vergangenheit ist, soll, das in der Gemeinde gefeiert werden. Pastor Kemper weiß noch nicht genau, ob es eine Extraparty geben, oder der Abschluss der Bauarbeiten im Frühjahr mit dem traditionellen Gemeindefest gefeiert wird. „Bedanken werden uns in jedem Fall bei unseren knapp 3000 Gemeindemitgliedern und den Nachbarn“, betont Kemper. „Außerdem feiern wir hier gerne.“

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