Seit damals gehört die Anderter Gemarkung zu Misburg-Süd – zum Ärger vieler Anwohner im Wohngebiet „Kleines Nordfeld“. Die öffentliche Versammlung am Montag, 17. Mai, beginnt um 19 Uhr im Gemeindesaal neben dem Kolumbarium Herz-Jesu an der Max-Kuhlemann-Straße 13.
Das Gebiet zwischen S-Bahn-Linie und dem Jerusalem-Viertel rund um die Herz-Jesu-Kirche gehörte einst zu Anderten. Um die damals unübersichtliche Stadtteilgrenze zu vereinfachen – so betont es die Verwaltung seither immer wieder –, schlug der Rat der Stadt das Areal Misburg-Süd zu. Etliche „Nordfeld“-Anwohner, die aus Anderten stammen und sich nach wie vor als Bürger dieses Stadtteils sehen, wollen den Ratsbeschluss rückgängig machen (der Stadt-Anzeiger berichtete).
Strauch glaubt nicht, dass es in der Debatte um eine wie auch immer geartete Herabsetzung Misburgs gehe. Eine solche Diskriminierung vermutete bereits so mancher Stadtteilpolitiker. „Es ist eher eine Herzensangelegenheit. Als Anderter kann ich die Identifizierung mit dem angestammten Stadtteil nachvollziehen“, sagt Strauch. Als Bürgermeister aber sieht er keinen Grund, die Grenze erneut zu verlegen – auch wenn der Bezirksrat genau das laut Niedersächsischer Gemeindeordnung beantragen kann. „Es ergäben sich keine Vorteile daraus.“
Das bedeute nur das Aufstellen neuer Schilder und „wir würden damit in Hannover ein großes Fass aufmachen“, warnt er. Klaus Leiner, einer der ersten „Nordfeld“-Bewohner, plädiert indes für eine Grenzverlegung. „Eine geringfügige Änderung in Anderten-Nordost / Misburg-Süd wäre hilfreich“, sagt er. „Viele Bewohner hier sind Alt-Anderter und fühlen sich eben zu Anderten gehörig.“
Strauch will mit den Anwohnern reden und ihnen zuhören. Auch die jüngere Geschichte von Misburg-Süd soll ein Thema sein. Dafür holt Strauch den Ortschronisten Gisbert Selke aus Misburg-Süd auf das Podium. Selke, einst Organist bei Herz-Jesu, kennt sich aus mit der Entwicklung auf „Jerusalem“ und im „Nordfeld“. „Es wird also auch darum gehen, wie diese Gebiete gewachsen sind“, erläutert Strauch. In Misburg blühte ab Ende des 19. Jahrhunderts die Industrie; vor allem aus Polen siedelten sich viele Arbeiter an. 1905 wurde die Herz-Jesu-Kirche geweiht, das katholisch geprägte Gebiet rundherum bekam den Namen „Jerusalem“. Das „Kleine Nordfeld“ in der benachbarten Anderter Gemarkung wurde aber erst in den frühen achtziger Jahren erschlossen.
Marcel Schwarzenberger
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Kommentare
Stehen Grenzen jetzt wieder zur Debatte? Boris – 15.05.10
mein kahlköpfiger Nachbar läßt fragen was denn dann mit den deutschen Ostgrenzen ist? Weil die müßen dann ja auch bis an die Memel gehen. Und Hannover gibt es auch nicht mehr weil wir ja zu Preußen gehören.