Da staunte mancher Spaziergänger in der Eilenriede nicht schlecht: Seit Neuestem säumen überall im nördlichen Stadtwald rot-weiße Verbotsschilder die Brücken, die über die Entwässerungsgräben führen. Maximal drei Tonnen pro Achse sind den Schildern zufolge noch zugelassen. Doch die Vorgabe bezieht sich nicht auf kräftig gebaute Radfahrer oder adipöse Säuglinge in Kinderwagen. Sie sind Ausweis des maroden Zustands der Waldbrücken und sollen schwere Forstlastwagen und in Notfällen Feuerwehrfahrzeuge davor bewahren, durch die Brücken zu stürzen. Denn für die Reparatur ist meist kein Geld vorhanden.
Es ist keine zwei Jahre her, dass ein Forstlastwagen durch eine der Brücke in der vorderen Eilenriede brach. Die Bauwerke sind rund 100 Jahre alt und allmählich marode. Menschen kamen damals zwar nicht zu Schaden, aber bei der Forstverwaltung schrillten die Alarmglocken. Sie beauftragte ein Ingenieurbüro mit dem Prüfen sämtlicher Brücken – das hat seine Arbeit zumindest in der vorderen Eilenriede zwischen Oststadt und Zoo abgeschlossen. Das Ergebnis sind jetzt die Schilder – unter anderem.
Mancher Passant wunderte sich in den letzten Tagen über den Aufwand, den die Stadt mit den Schildern betreibt. 18 Brücken sind allein in dem kleinen Waldstück mit den grell leuchtenden Hinweisen ausgeschildert, jeweils von beiden Seiten. Als „reinste Geldverschwendung, die zudem den naturbelassenen Eindruck des Stadtwaldes ruiniert“, bezeichnet etwa HAZ-Leser Christian Voges den Schilder-Wald. Er geht täglich mit seinem Hund spazieren und fragt sich, ob die Verwaltung nicht die Tonnagebegrenzung in die Sondergenehmigung für Forstfahrzeuge hineinschreiben kann. „Ist es wirklich erforderlich, eine solche Vielzahl an Schildern aufzustellen, um die nach meinem Dafürhalten eher wenigen Fälle reglementieren zu wollen?“, fragt Voges.
Die Stadt rechtfertigt den Aufwand mit ihrer Fürsorgepflicht. „Auch die Stadtentwässerung fährt durch die Eilenriede, wenn sie Gräben leer pumpen oder an Teichen arbeiten muss“, sagt Stadtsprecher Klaus Helmer. Zudem müssten die Wege auch für Feuerwehrwagen passierbar sein. „Wenn es einmal brennen sollte im Wald, dann wäre es ärgerlich, wenn ein Fahrzeug durchbricht“, sagt Helmer.
Drei Brücken sollen in diesem Teil der Eilenriede in einem auch für Schwerlastverkehr passierbaren Zustand gehalten werden, mit ihnen lasse sich der gesamte Waldbereich erreichen. 1200 Euro habe die Beschilderungsaktion gekostet. Und es geht bald weiter: Derzeit läuft die Untersuchung der Brücken in der östlichen Eilenriede bei Kleefeld. Wenn die Ingenieure dort fertig sind, wird Hannovers Schilder-Wald voraussichtlich weiter wachsen.