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Spott im Straßennamen

Groß-Buchholz/Kleefeld Spott im Straßennamen

Die Benennung des künftigen Klaterfeldwegs in Nähe der MHH hat Trubel im Bezirksrat verursacht. Nach einer historischen Recherche soll Klaterfeld eine abwertende, spöttische Bezeichnung für Kleefeld sein. Die Bezirksratsmehrheit aus SPD und Grünen stimmte aber für den Namen.

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Was gestern Spott war, zählt heute nicht mehr: Der Fuß-und Radweg soll künftig Klaterfeldweg heißen. Foto: von Ditfurth

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Als parteiloser Einzelvertreter im Bezirksrat Buchholz-Kleefeld ist Friedrich-Wilhelm Busse eigentlich Abstimmungsniederlagen gewohnt. Dieses Mal ist aber selbst der frühere CDU-Ratsherr überrascht, als ihn die rot-grüne Mehrheit überstimmt hat. Die hat in der jüngsten Sitzung nämlich einen Antrag eingebracht, damit der Fuß- und Radweg zwischen Helstorfer Straße und Kleestraße endlich einen eigenen Namen bekommt - wie es sich für einen asphaltierten und beleuchteten Weg gehört. Doch obwohl sich der neue Straßenname als fragwürdig herausstellt, wird er dennoch beschlossen.

Nach historischer Recherche hatte sich Rot-Grün schon im Vorfeld auf Klaterfeldweg geeinigt, um den Weg entlang der Stadtteilgrenze zwischen Groß-Buchholz und Kleefeld zu benennen. „Dieser Name nimmt Bezug auf die ehemalige Bezeichnung des Kleefeldes“, erläutert die SPD-Fraktionsvorsitzende Emsal Tasyürek im Bezirksrat und zeigt zum Beweis die „Chronik der Ortschaft Kleefeld“ von Theodor Dreimann und Martin Anger, die im Jahr 1981 erschienen ist.

Busse, der dem Heimatverein Pinkenburger Kreis vorsitzt und sich in Groß-Buchholz über viele Jahre einen Ruf als Stadtteilhistoriker gemacht hat, hat allerdings eigene Nachforschungen bezüglich dieses Namens angestellt. Mit dem Ergebnis konfrontiert er die Antragsteller: „Klaterfeld war eine Hohn- und Spottbezeichnung der Anwohner der umliegenden Dörfer für Kleefeld“, berichtet Busse. Die Richtigstellung präsentiert er mit sichtlicher Genugtuung. Denn schließlich habe Rot-Grün seine Geschichtsrecherche nicht abwarten wollen.

Laut Busse ist der heute sehr beliebte Stadtteil ursprünglich als bitterarmes Dorf vor den Toren Hannovers entstanden, wo sich die sogenannten Gartenkosaken in einfachen Katen ansiedelten. Die Bewohner der bereits jahrhundertealten und etablierten Nachbarorte wie Kirchrode, Groß-Buchholz oder Misburg seien auf die ärmlichen Neuankömmlinge offenbar nicht gut zu sprechen gewesen. Sie nannten deren Siedlung daher in abschätziger Absicht „Klaterfeld“. „Ein Klater ist ein Lump, der nichts hat“, erklärt Busse und zitiert dazu aus einem historischen Lexikon die Wortbedeutung von „klatern“, das demnach „dreckig, baufällig, vernachlässigt, zerschlissen“ meint.

„Für mich ist diese Bezeichnung ein kleines bisschen Historie zum Schmunzeln“, sagt Busse. Er wolle aber nicht, dass diese Verspottung in einem Straßennamen verfestigt wird. Dieser Haltung schließt sich in der anschließenden Abstimmung auch die CDU-Fraktion an - doch vergeblich. Mit ihrer Bezirksratsmehrheit setzen SPD und Grüne den Straßennamen Klaterfeldweg trotzdem durch. Die ausführlichen Einwände gegen die Benennung verwirft Tasyürek lapidar. „Zu einer Historie gehören alle Seiten“, sagt sie.

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