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„Eigentlich hätte ich gar nicht so alt werden dürfen“

Kleefeld „Eigentlich hätte ich gar nicht so alt werden dürfen“

Die Kleefelderin Irmgard Hopp hat jetzt ihren 100. Geburtstag gefeiert. Dabei sagte eine Wahrsagerin ihr in jungen Jahren ein kurzes Leben voraus. Nun konnte die in Linden geborene Irmgard Hopp mit neun Enkeln, Urenkeln und Ururenkeln sowie einigen anderen Gästen ihren runden Geburtstag begehen.

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Eine gebürtige Lindenerin, die heute in Kleefeldzu Hause ist: Irmgard Hopp an ihrem 100.Geburtstag.

Quelle: Wolter

Hannover. Ihren 100. Geburtstag hat die Kleefelderin Irmgard Hopp am vergangenen Sonntag gefeiert - dabei deutete in ihrer Jugend nichts darauf hin, dass sie dieses Alter jemals erreicht. „Eigentlich hätte ich ja gar nicht so alt werden dürfen“, erzählt die Jubilarin schmunzelnd am Rande ihrer Geburtstagsfeier. Als 14-Jährige hatte sie mit zwei Freundinnen auf einem Rummel das Zelt einer Wahrsagerin aufgesucht. Und die prophezeite der jungen Frau damals ein kurzes Leben. Die Weissagung habe sie richtig in Panik versetzt, erzählt Irmgard Hopp. Heute weiß sie es natürlich besser - und blickt auf ereignisreiche Lebensjahre zurück.

Ihren Geburtstag feierte Irmgard Hopp nun mit einem Empfang in der Seniorenresidenz Kleefeld. Zum Gratulieren kam auch Bürgermeister Klaus-Dieter Scholz vorbei. Neun Enkel-, Urenkel- und Ururenkel hat die betagte Dame. Sie sind zwischen zehn Monaten bis 50 Jahren alt. Sie kamen alle, um mit Irmgard Hopp den runden Geburtstag zu feiern. Irmgard Hopp kommt 1915 als erstes von acht Kindern in Linden zur Welt. Ihre Kindheit verbringt sie in Grohnde. Später beginnt sie eine Schneiderlehre in Hameln. Ihre Mutter hatte sie früh für das Handarbeiten begeistern können. Ende der Zwanzigerjahre kehrt die Familie nach Hannover zurück und Irmgard Hopp setzt ihre Lehre in einem Kleefelder Schneiderbetrieb fort. Den Zweiten Weltkrieg erlebt sie in Ricklingen; sie ist mittlerweile verheiratet. Ihr Mann Arthur kämpft an der Front, während sie sich um ihre kleine Tochter kümmert. Die Nächte in den Bunkern, die Angst um das Kind und um das eigene Leben kann Irmgard Hopp immer noch genau beschreiben. Oft habe sie sich bekleidet ins Bett gelegt, um bei Bombenalarm schneller bereit zu sein, erzählt die Seniorin. Nach Kriegsende kehrt ihr Ehemann gesund zurück, die beiden bekommen eine zweite Tochter und ziehen 1952 in eine größere Wohnung nach Kleefeld. 1995 stirbt ihr Mann, Irmgard Klopp wohnt 19 weitere Jahre in der gemeinsamen Wohnung. Erst 2014 zieht sie in die Seniorenresidenz Kleefeld um.

Mittlerweile hat sich Irmgard Hopp an ihr neues Zuhause gewöhnt. In ihrem Zimmer stehen viele Blumensträuße, ein Album mit Fotos ist immer griffbereit zur Hand. Ganz vorn ist darauf ein Foto von Irmgard Hopp in jungen Jahren zu sehen. Das Kleid, das sie trägt, hat sie damals selbst genäht. „In erster Linie war ich Schneiderin und Mutter“, sagt die Hundertjährige. Nicht nur für ihre Familie schneidert und näht sie, auch für die Menschen aus ihrem Viertel übernimmt sie fast ihr Leben lang Schneiderarbeiten. „Wir hatten als Kinder immer schöne Anziehsachen, obwohl das Geld knapp war“, erinnert sich Tochter Dagmar. „Als ich älter wurde, habe ich meiner Mutter sogar Bilder aus der Vogue mitgebracht, und sie hat die Kleider kurzerhand nachgeschneidert.“ Auch die Hochzeitskleider ihrer Töchter näht Hopp selbstverständlich selbst. Als eine der Töchter später mit Mann und Kindern nach England auswandert, belegt Hopp noch im Seniorenalter einen Englischkurs an der Volkshochschule, um sich mit ihren Enkeln unterhalten zu können. Englisch zu sprechen fällt der Seniorin mittlerweile aber schwer. „Verstehen geht aber noch“, sagt sie. Das habe sie nun am Wochenende mit dem Geburtstagsbesuch aus England testen können.

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