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Ost Kulturzentrum Pavillon will Andreas-Hermes-Platz beleben
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Kulturzentrum Pavillon will Andreas-Hermes-Platz beleben
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15:25 28.07.2011
Auf dem Gelände rund um den Teich in der Oststadt türmt sich besonders an den Wochenenden der Müll. Quelle: Klabe
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Oststadt

Am Andreas-Hermes-Platz scheint sich tagsüber niemand gerne aufzuhalten; häufig wirkt die Fläche mit dem Teich zwischen Raschplatzhochstraße und Kulturzentrum Pavillon wie ausgestorben. Gegen Abend aber erwacht der Platz am Rande der Oststadt zum Leben – zum Ärger vieler Anwohner und Passanten. „Für mich ist der Platz nur ein Durchgang zum Hauptbahnhof“, sagt Heike Meyer, die in der Oststadt wohnt. Verweilen möchte sie an dem künstlich angelegten Teich dagegen nicht. Gerade nach Wochenenden und Feiertagen gleiche der Platz einem Schlachtfeld, sagt sie. Dann türme sich auf dem Schotter, dem Rasen und den Steinstufen, die zum Teich führen, der Müll. Im Wasser schwimmen leere Bier- und Schnapsflaschen neben Plastiktüten, Dosen und Papier. Nicht selten wird der Brunnen von Feiernden und Trinkern als Pissoir genutzt.

„Schön ist es hier am Platz schon lange nicht mehr,“ sagt Horst Frank. „Ich habe gegenüber ein Haus. Einige Mieter sind bereits ausgezogen, weil es ihnen vor der Haustür nicht mehr gefiel.“ Er selbst habe sich bereits häufiger bei der Stadt beschwert – allerdings ohne Erfolg.

Stadtsprecher Andreas Möser betont, die Stadt nehme die Vorkommnisse auf dem Platz sehr ernst. Eine schnelle Lösung für das Problem gebe es jedoch nicht. Bis zum Herbst will die Stadt mit der Polizei, Streetworkern und gegebenenfalls dem Jugendschutz sprechen. Dann solle eine Lösung für das Problem mit den betrunkenen Jugendlichen gefunden werden, sagt Möser.

Bis dahin bleibt dem Abfallwirtschaftsbetrieb aha nichts weiter übrig, als den Platz vom Müll zu befreien – und das mehrmals in der Woche. Ein- bis zweimal wöchentlich werde der Platz von den Mitarbeitern gereinigt, meistens nach Feiertagen oder den Wochenenden, sagt aha-Sprecher Stefan Altmeyer. „Aus Erfahrung kennen wir die Tage, an denen es wirklich notwendig ist.“ Einmal in der Woche wird auch der Brunnen gereinigt. Dann ziehen die aha-Mitarbeiter ihre Wathosen an und steigen mit einem Kescher ins Wasser, um Flaschen, Tüten und sonstigen Müll herauszufischen. „Unsere Leute machen ihre Sache gut, wir werden sogar häufig gelobt“, sagt Altmeyer. Zuständig ist aha für den gesamten Bereich – von der Berliner Allee bis zum Pavillon, dem Mauerbrunnen und dem Teich bis zu den Treppen, die zur Passerelle führen. Klaus Eberitzsch von der Aktion Lister Meile hat häufiger gesehen, dass die aha-Mitarbeiter das Wasser aus dem Teich abgelassen haben. „Die haben alles gründlich gereinigt“, sagt er.

Nach den Beobachtungen von Eberitzsch lassen vor allem Jugendliche den Müll auf dem Platz liegen. Diese treffen sich dort zum Trinken, bevor sie in die umliegenden Diskos weiterziehen. „Sie holen sich billige Getränke bei Kaufland und verzehren sie am Teich und auf der Treppe hinunter zum Raschplatz“, berichtet er. Anwohner Horst Frank glaubt, dass vielen der jungen Leute das Bewusstsein dafür fehlt, den Abfall richtig zu entsorgen. Die vielen Mülltonnen rings um den Teich ließen sie links liegen.

Hin und wieder gab es schon Ideen, wie der Platz besser genutzt werden kann. Unter anderem sei darüber nachgedacht worden, dort ein Gartencafé anzusiedeln, sagt Eberitzsch. Diese Idee sei aber wieder verworfen worden. Auch Grünen-Bezirksratsmitglied Martin Nebendahl hält es für dringend geboten, zu handeln: „Am Andreas-Hermes-Platz muss etwas passieren, das ist keine Frage.“ Solange es aber kein richtiges Umgestaltungskonzept für den Platz gebe, sei eine Zwischennutzung immer problematisch.

Der Bürgermeister des Stadtbezirks Mitte Michael Sandow (SPD) würde es gern sehen, wenn der Bereich inmitten dichter Bebauung eine größere Bedeutung als Naherholungsfläche erhielte und aufgewertet würde. „Er ist eine kleine Oase“, sagt der SPD-Politiker. Wichtig sei dabei eine gute Planung für eine bessere Nutzung.

Umso erfreuter sind Politiker und Verwaltung über das Engagement des Kulturzentrums Pavillon: Die Einrichtung hat sich in diesem Sommer erstmals mit einem Angebot am Ferienprogramm der Stadt beteiligt. Zwei Wochen lang hatte der Schmiedekünstler Andreas Rimkus ein mobiles Schmiedelabor zwischen dem Pavillon und dem Teich aufgebaut. Mehr als hundert Kinder versuchten sich in der Schmiedekunst und fertigten gemeinsam einen Thron an. Für Susanne Müller-Jantsch, Geschäftsführerin des Pavillons, bedeutet diese Aktion einen Neuanfang in der Nutzung des Platzes. „Wir möchten die Klientel, die sich hier so herumtreibt, nicht verjagen“, sagt sie. „Wir wollen ihr aber andere Nutzungen entgegensetzen und den Platz neu beleben.“

Auch in Zukunft will Susanne Müller-Jantsch auf dem Andreas-Hermes-Platz handwerklich geprägte Angebote zu den Ferienpassaktionen organisieren. Kleinere Feste und Open-Air-Konzerte könnte sie sich vorstellen, um den Platz in ein positives Licht zu setzen – zumal das beliebte Fest der Kulturen „Masala Weltmarkt“ vor das Rathaus umgezogen sei. Außerdem hofft Müller-Jantsch, dass nach dem Umbau des Pavillons im kommenden Jahr die Zusammenarbeit mit Hochschulen auch dahingehend genutzt werden könne, mit Studenten neue Impulse für den Platz zu erarbeiten.

Felix Klabe und Karin Vera Schmidt

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