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Ost Kurze-Kamp-Straße ist eine gemütlichen Flaniermeile
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Kurze-Kamp-Straße ist eine gemütlichen Flaniermeile
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12:16 24.09.2010
Ein kleines Bisschen Italien: Das Eiscafé Marmolada Quelle: Karin Vera Schmidt

Wer die Burgwedeler Straße stadtauswärts fährt und die Landluft schon fast riechen kann, der sollte an der Ecke Kurze-Kamp-Straße achtgeben. Es könnte passieren, dass ihn die Eisdiele Marmolada in Versuchung führt. Auch ein entspannter Einkaufsbummel könnte die geplante Stadtflucht verzögern. Denn in der Kurze-Kamp-Straße kaufen Bothfelder seit den siebziger Jahren gern ein, und immer mal wieder verschlägt es auch Stadtteilfremde hierher. Es ist ein bisschen wie auf dem Dorf. Man kennt sich, und neben Sparkasse und Postagentur gibt es in den charakteristischen Häusern mit Läden im Erdgeschoss und Wohnungen im Stock darüber fast alles, was man für den täglichen Bedarf so braucht – nur Schuhe, Haushaltswaren und Blumen nicht.

Die Kurze-Kamp-Straße entstand in den fünfziger Jahren. Der Architekt Friedrich Lindau entwarf die nördliche Geschäftszeile, die unter Denkmalschutz steht. Lindau war Mitglied der Hannoverschen Bauhütte. „Es war immer unser Traum, hier das Geschäft zu haben“, erzählt Günther Bergmann. 1991 wurde dem Kaufmann ein Laden in der Kurze-Kamp-Straße angeboten. Bergmann fackelte nicht lange, packte seine sieben (Spiel)Sachen wie Malefiz und Fang den Hut, die er bis dahin in der Gernsstraße angeboten hatte, und eröffnete im alten Geschäftsherz des Stadtteils „Spielwaren Bergmann“, wo er auch Elektroartikel verkauft und Lotto-Scheine annimmt.

„Busse Augenoptik“ gibt es noch länger in der gemütlichen Flaniermeile. Seit 30 Jahren verkauft das Traditionsgeschäft hier moderne Sehhilfen, allerdings erst seit gut zwei Jahren im neuen Laden, wo die Kunden barrierefrei ins Geschäft kommen können. Eines der ersten Reformhäuser der einstigen Schmelzkette eröffnete schon Ende der sechziger Jahre in der gerade fertig gestellten Einkaufsstraße. Gut 40 Jahre später freut sich Filialleiter Andreas Bode – nunmehr als Vertreter der Reformhaus Bacher-Kette – über „angenehm dörfliches Klima“ und Kunden, die auch aus Isernhagen und Burgwedel kommen.

Gudrun Zimmermann ist Geschäftsführerin von Wiemer Damen-, Herren- und Kindermoden. Ihre Stammkundinnen freuen sich vor allem darüber, dass es hier auch eine Handarbeiten- und Kurzwarenabteilung gibt. „Wo gibt es das denn noch?“, fragt Zimmermann mit Nachdruck.

Einig sind sich die Geschäftsleute in der Kurze-Kamp-Straße, dass Post und Sparkasse ganz wichtig für die Zukunft der kleinen Einkaufsstraße sind. Diese Einrichtungen belebten die Straße ungemein. Ein Glück also, dass sich Jens Dölle 2006 für eine Postagentur entschied, als die „richtige“ Postfiliale geschlossen wurde. Dölle integrierte kurzerhand den Schreibwarenladen seiner Eltern, den seine Großmutter Johanna Speck gegründet hatte, in eine kombinierte Post-Schreibwaren- und Geschenke-Lösung und nannte das Ganze „Scriptum“. Den alten Scriptum-Laden pachtete Joachim Fietje und nannte ihn „Fietjens Smil“. Das ist dänisch und heißt so viel wie Fietjens Lächeln. Hier gibt es jetzt vielerlei Dekoratives. Süßigkeiten ohne Ende wiederum gibt es schon seit mehr als 30 Jahren im „Süßen Kaufhaus“ am Ende der Einkaufsstraße. Dort hat Angelika Arnold vor 28 Jahren als Aushilfe angefangen. Mittlerweile leitet sie das Geschäft selbstständig und hat sich zur begabten Verführerin in süßen Angelegenheiten entwickelt.

Gemütlich sitzen und schleckern können die Bothfelder gleich an mehreren Stellen. Eher rustikal vor dem Bäcker Göing mit dem benachbarten „Wurstbasar“ unter den Arkaden oder auch beim Bothfelder Holzofenbäcker gegenüber. Wenn es exklusiver sein soll, finden Flaneure seit rund sieben Jahren in der Bothfelder Kaffee- und Teestube von Baha Kramer ein Plätzchen auf einem der eleganten Sofas drinnen oder bei gutem Wetter auch draußen.

Ein weiterer Lockvogel in der Geschäftsreihe ist seit 1977 das Eiscafé Marmolada, wo man im Sommer bei Abendsonne noch bis fast 23 Uhr warm sitzt und nur von November bis Januar kein italienisches Eis bekommt. Hier kann man auch seine Kinder bequem und sicher Eis löffeln lassen, während man nebenan im alt eingesessenen „Ihr Kosmetikstudio“ einen Termin hat oder dahinter bei Bärbel Laumen für medizinische Fußpflege oder frisches Make-up vorbeischaut. Auch ein Abstecher ins Internet im Internet-Café mit Kiosk am Ende der Straße ist möglich. In die kleine Änderungsschneiderei, zur Stichweh Reinigung oder zur Rossmann-Filiale gleich gegenüber sind es nur wenige Meter.

Es gibt fast alles in der schön dörflichen Kurze-Kamp-Straße. Für einen kleinen Abstecher lohnt es sich, den geplanten Landausflug jenseits der Stadtgrenze zu vertagen.

Karin Vera Schmidt

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