Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Neue Pläne für ein altes Sorgenkind

List Neue Pläne für ein altes Sorgenkind

Die Besitzerin des Podbi-Parks will der Ladenpassage einen neuen Zuschnitt geben. Im Gespräch ist ein Möbelhaus als Ankermieter. Vielen alten Mietern ist bereits gekündigt und auch mit der Stadt verhandelt die Accom KG über einen Umzug von Bürgeramt und Jugendbücherei innerhalb des Gebäudes.

Voriger Artikel
Heino lässt in Kleefeld den Enzian blühen
Nächster Artikel
Spott im Straßennamen

Alles soll raus: Ein Möbelgeschäft möchte die komplette linke Seite der Podbi-Passage mieten. Kleinen Läden wurde bereits gekündigt.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Es ist eine unendliche Geschichte: Seit Eröffnung der Passage Podbi-Park 2000 läuft es nicht rund unter dem Glasdach. Etliche Male wechselte der Besitzer, auf neue Konzepte folgten Ladenleerstände. Verlässlichster Mieter ist die Stadt mit Bürgeramt und Jugendbücherei. Nun will die Accom KG - seit knapp einem Jahr Besitzerin des Podbi-Parks - die rund 2000 Quadratmeter große Ladenpassage erneut anders konzipieren.

Dafür ist nicht nur bereits etlichen Mietern kleiner Läden gekündigt worden, die Besitzerin ist auch mit der Stadt im Gespräch. Das Bürgeramt soll demnach komplett in die erste (Büro)-Etage ziehen, die Bücherei die Seite wechseln. Denn ein großes Möbelgeschäft hat Interesse angemeldet, möchte aber die komplette linke Front im Erdgeschoss mieten bis hin zu Pavillon und Innenhof, an dem derzeit der Bahlsen-Verkaufsshop liegt. Dieser müsste dann ebenso umziehen wie die Bambini-Kinder-Oase, der gerade für den Sommer 45 weitere Betreuungsplätze gestattet worden sind.

Die Gerüchte haben Unruhe in die Passage gebracht. Seitens der Stadt will man sich nicht konkret äußern, ist aber offen für Veränderungen. „Wir haben keine Probleme mit einem möglichen Umzug, wenn die Alternative passt“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix. Er bestätigt, dass der Investor mit neuen Plänen auf die Verwaltung zugekommen ist. „Unser Mietvertrag läuft ja noch, aber wir sind gesprächsbereit. Grundsätzlich liegt uns sehr daran, die Passage zu beleben“, betont Dix. Über Details werde derzeit nicht gesprochen, „die Verhandlungen laufen noch“. Die Stadt sei mit dem Eigentümer des Podbi-Parks im Gespräch darüber, ob und unter welchen Rahmenbedingungen ein Flächentausch innerhalb des Objektes für das Bürgeramt und die Bibliothek infrage komme. „Der Eigentümer ist aufgrund einer geplanten Neusortierung des Objektes mit diesem Wunsch an die Stadt herangetreten“, sagt Dix. Wenn ein neuer Raumzuschnitt helfen könne, die Passage zu beleben, und dies mit den Anforderungen der dort vertretenen Fachbereiche in Einklang zu bringen sei, sei die Verwaltung bereit, konstruktive Lösungen zu unterstützen, betont der Sprecher. Mitarbeiter der Bücherei indes sind wenig begeistert von einem Umzug. „Hier ist alles perfekt, wir wollen, dass es so bleibt.“

Bei der Accom KG hält man sich bedeckt. „Wir haben einen Ankermieter im Visier, wir sind in Verhandlung bezüglich entsprechender Verträge“, sagt Accom-Sprecher Hubert Becker. Er bestätigt, dass bereits Kündigungen ausgesprochen worden sind. „Für etwas Neues braucht die Passage auch einen neuen Zuschnitt, daran arbeiten wir.“ Die Ladenzeile müsse belebt werden, die Stadt habe Zustimmung zu einem Umzug ihrer Einrichtungen signalisiert, sollten die Konditionen stimmen. „Konkretes gibt es aber erst nach Abschluss sämtlicher Verhandlungen“, sagt Becker. Fest stehe allerdings, dass sich die Umbaupläne auf die Ladenpassage beschränken, die rund 28 000 Quadratmeter Büro- und Praxisflächen in der Immobilie blieben davon unberührt.

Für Ursula Lottes von der Boutique Stilista kommt die Kündigung weder überraschend noch ungelegen. „Ich habe seit November damit gerechnet“, sagt die Modefachfrau. Die Gerüchte jedoch sorgten für Wirbel. „Bürgeramt und Kinderladen, so heißt es, sollen in die erste Etage des Podbi-Parks umziehen.“ Für sie selbst sei allerdings Schluss in der Passage. Zum 1. August zieht Lottes mit ihrer Mode an die Jakobistraße 3. „Naturalista zieht dort aus, der Bereich ist jetzt Fußgängerzone - das ist eine echte Verbesserung.“

Zahra Ostad von der Blumerie sieht das ein wenig anders. Sie hat zwar schon vorgesorgt und vor zwei Jahren einen kleinen Laden am Lister Platz eröffnet, doch dort kann sie keine Einrichtungsgegenstände mehr verkaufen. „Ich habe den Antrag gestellt, nach dem Umbau hier wieder einziehen zu können“, sagt die Händlerin, die seit einem Jahrzehnt dank Stammkundschaft zufrieden im Podbi-Park ist. Besonders zuversichtlich aber sei sie nicht. Auch Megy Knipps von der Boutique Joli Parisienne hält Ausschau nach neuen Räumen. „Ich bin sehr glücklich hier gewesen und will unbedingt in der List bleiben.“ Lichtdesign-Jentsch hat die Geschäftsräume bereits gekündigt, bevor die neuen Pläne für die Passage die Runde machten. Alle werben jetzt mit Preisnachlässen, die Plakate mit „Räumungsverkauf“ sind nicht zu übersehen. „Aber hier ist eben der Podbi-Park, da locken keine Prozente, wenn die Leute nicht ohnehin zu uns kommen wollten“, klagt Zahra Ostad. So gesehen kann es eigentlich nur besser werden.

Gebäude mit Geschichte

Das gesamte Ensemble des Podbi-Parks wurde auf dem Gelände und in den Gebäuden der ehemaligen Bahlsen-Keksfabrik eröffnet. Die markanten Industriebauwerke – der Verwaltungsbau und die Feuerwache an der Podbielskistraße sowie das Fabrikationsgebäude an der Lister Straße – wurden 1911 von Karl Siebrecht erbaut. 1974 lagerte Bahlsen die Hauptverwaltung, 1987 auch die letzte Produktionsstätte in größere Gebäude aus. Ab 1990 ließ Werner Michael Bahlsen, der Enkel des Unternehmensgründers, das Stammhaus aufwendig umbauen und mit einem Glasdach versehen. 1995 wurde der Komplex um den Rundbau eines Viersternehotels erweitert. Im Jahr 2000 wurde die Umnutzung des Geländes als moderner Service- und Geschäftskomplex mit der Eröffnung der Ladenpassage abgeschlossen. Im selben Jahr ist auch die Bahlsen-Konzernzentrale wieder in ihr Stammhaus gezogen, 2006 folgte ein Fabrikladen. Die Immobilie wurde im Frühjahr vergangenen Jahres von dem Münchner Familienunternehmen Accom erworben. Zuvor hatte es wechselnde Eigentümer gegeben, seit 2007 stand der Podbi-Park unter Zwangsverwaltung.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ost
Region Hannover