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Ost In Lahe finden Jesiden die letzte Ruhe
Hannover Aus den Stadtteilen Ost In Lahe finden Jesiden die letzte Ruhe
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15:00 09.11.2018
Cordula Wächtler (54) und Kersten Flenter (51) führen ihre Gäste über den Stadtfriedhof Lahe. Quelle: Carlotta Hartmann
Lahe

Die herbstlich bunten Bäume werfen Schatten auf die Wege, die die Grabfelder trennen. Eigentlich ist der Nachmittag viel zu schön für einen Friedhofsbesuch. Aber die etwa 20 Menschen, die sich auf dem Stadtfriedhof Lahe versammelt haben, sind nicht zum Trauern hier. Dass sich hier die Grabfelder der Jesidischen Gemeinde befinden, ist zentrales Thema des geführten Spaziergangs „Friedhofsgeschichte(n)“.

Zum fünften Mal in diesem Jahr leitet Cordula Wächtler (54) einen solchen Spaziergang an. Der Stadtfriedhof Lahe feierte kürzlich sein 50. Jubiläum und ist als jüngster städtischer Friedhof der letzte Veranstaltungsort. Sie führt ihre Gäste über den Friedhof und erzählt von Geschichte und Gegenwart. Der hannoversche Autor Kersten Flenter liest dazu aus seinem neuen Buch „Wenn wir zum Ende kommen“.

Bei den jesidischen Gräbern macht die Gruppe halt. Wächtler erklärt die besondere Symbolik an den bunt geschmückten Gräbern: Die Aufschrift „Yesidi“, die zwei Pyramiden und die Sonne, die auf fast allen Grabsteinen zu sehen sind. Als vor knapp 30 Jahren eine größere Gruppe jesidischer Flüchtlinge nach Hannover kam, fand hier die erste Beisetzung statt. Wichtig war, dass Jesiden und Muslime getrennt begraben werden, also eignete sich der junge Laher Friedhof. „Seitdem ist viel passiert“, sagt Wächtler. Um das traditionelle Picknick an der Grabstätte zu erlauben, wurde die Friedhofsordnung verändert – ursprünglich war Essen und Trinken hier verboten. Die Jesiden sorgen inzwischen dafür, dass hinterher kein Müll auf den Grabstätten zurückbleibt. Auch innerhalb der Gemeinde hat es Veränderungen gegeben: Während die Angehörigen verschiedener Kasten normalerweise nicht zusammen beerdigt werden, ist das in Lahe inzwischen der Fall.

Jesidische Gräber sind bunt geschmückt und haben eine besondere Symbolik. Quelle: Carlotta Hartmann

Für Undine Hoffmeister (34) ist es nicht die erste Führung. „Ich finde die Vergleiche interessant“, erklärt sie. Nicht nur baulich unterscheiden sich die städtischen Friedhöfe. Nach Religion wird getrennt: Muslime in Stöcken, Buddhisten in Seelhorst. In Lahe liegen neben der Jesidischen Gemeinde auch die Gräber der Liberalen Jüdischen Gemeinde, die für die Ewigkeit gebaut sind.

Die Grabfelder sind getrennt, und doch kommen hier Jesiden, Juden, Christen und Atheisten zusammen. Um Raum für unterschiedliche Bestattungskulturen zu lassen, werden Kompromisse gemacht. Mitglieder der Gemeinden, Experten für verschiedene Kulturen und die städtische Friedhofsverwaltung finden in Gesprächen zueinander. „Wir versuchen, aufeinander zuzugehen“, sagt Wächtler, den Blick über die „Nicht-Allee“ des Friedhofs gerichtet. Diese Achse unterteilt und verbindet zugleich die verschiedenen Bereiche.

Kommentar: Zusammen leben, zusammen sterben

Auf Friedhöfen kann man viel lernen. Gerade bei einem Rundgang des Schriftstellers Kersten Flenter und der Leiterin der städtischen Friedhöfe, Cordula Wächtler. Auf ihren Friedhofsgeschichte(n)-Spaziergängen fördern die beiden immer wieder Bemerkenswertes zutage. So schilderten sie jüngst bei ihrem vorerst letzten Rundgang auf dem Stadtteilfriedhof in Lahe, dass sich hier die Grabfelder der Jesidischen Gemeinde Hannovers befinden.

Viel Verständnis, Kompromisse und Toleranz sind nötig, damit die unterschiedlichen Kulturen in Hannover nicht nur gemeinsam leben können, sondern auch gemeinsam sterben. So änderte die Stadt die Friedhofssatzung, um Jesiden deren Tradition zu erlauben, am Grab zu picknicken. Die Jesiden wiederum bestatten in Lahe Angehörige unterschiedlicher Kasten – was eigentlich unüblich ist. An kaum einem anderen Ort wirkt Integration so logisch wie auf einem Friedhof. Denn sterben müssen wir alle – und vergehen in der gleichen Erde. Auch diejenigen, denen das nicht gefällt.

Von Carlotta Hartmann

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