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Schlag den Leibnizer

List Schlag den Leibnizer

Einmal im Monat können Schüler, Eltern und Freunde jetzt selbst die Spiele aus der Fernseh-Spielshow „Schlag den Raab“ ausprobieren. „Kleiderbügelwerfen“ und „Um die Wette hängen“ sind nur zwei der insgesamt 15 Wettbewerbe, bei denen sich Schüler in der Turnhalle am Lister Kirchweg miteinander messen.

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Einmal im Monat findet in der Leibnizschule in der List der Wettbewerb „Schlag den Leibnizer“ statt.

Quelle: Moers

List. Kann man Teenager dazu bringen, am Freitagabend freiwillig in die Schule zu gehen? Den Sportlehrern der Leibnizschule in der List ist diese pädagogische Herausforderung gelungen. Anstatt das Fernsehprogramm zu verteufeln, nahmen sie es als Anregung für ihren Unterricht. Einmal im Monat können Schüler, Eltern und Freunde jetzt selbst die Spiele aus der Fernseh-Spielshow „Schlag den Raab“ ausprobieren. „Kleiderbügelwerfen“ und „Um die Wette hängen“ sind nur zwei der insgesamt 15 Wettbewerbe, bei denen sich Schüler in der Turnhalle am Lister Kirchweg miteinander messen.

Die Spiele haben gerade erst begonnen, da hängen Daniel (10) und Ben (11) bereits in den Seilen. Bei dem Spiel mit dem plausiblen Namen „Hängen“ geht es darum, wer sich länger an den Ringen festhalten kann, die von der Decke der Turmhalle baumeln. Die erste Minute scheint einfach zu sein, dann werden zuerst Daniel die Arme schwer. Ein paar Sekunden zappelt er noch wie ein Fisch am Haken, bevor er sich geschlagen geben muss. Punkt für seinen Freund und Kontrahenten Ben. Auf einer Spielkarte tragen die beiden den Zwischenstand ein. Wer zuerst 61 Punkte hat, gewinnt. Weiter geht es mit „Kleiderbügelwerfen“. Die Bügel müssen so geschickt geworfen werden, dass sie mit dem Haken an einer Hürdenstange hängenbleiben.

Die Sportlehrer Stefan Engels und Tobias Fricke hatten die Idee zu der etwas anderen Sportstunde. Engels ist ausgebildeter Sportwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Freizeit- und Sozialarbeit. „Schüler sind vor allem für Sportarten mit Erlebnischarakter sehr empfänglich“, sagt er. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich da gerade eine Spielshow aus dem Fernsehen als Glücksfall für die Sportlehrer erweist. Auf die Frage was sie an einem Freitagabend machen würden, wenn sie nicht hier wären, wissen zwei Schüler schnell eine Antwort: „Fernsehen und Computerspiele zocken“.

Zu den Freitagabendangeboten der Schule zählen neben der Spielshow auch eine Volleyball-AG und der monatliche Lehrer-Schüler Fußball. „Sich beim Sport zu begegnen hat eine ganz andere Dimension als im Unterricht“, so Sportlehrer Fricke. Der sportliche Aspekt stehe bei „Schlag den Leibnizer“ eher an zweiter Stelle. Neben der körperlichen Ertüchtigung soll bei diesen Aktionen auch die Sozialkompetenz gefördert werden und die Schüler sollen sich mit ihrer Schule positiv identifizieren.

Während der Spiele geht es bemerkenswert geordnet zu. Von der angespannten Atmosphäre und dramatischer Musik, wie bei dem TV-Vorbild ist keine Spur. Kein wildes Toben oder lautes Getöse. „Das läuft ja fast wie von selbst“, zeigt sich Schulleiter Kurt Veith ein wenig überrascht. Für die Lehrer sei es nicht leicht, dem Bewegungsdrang der Kinder und Jugendlichen immer gerecht zu werden, sagt er. Besonders nachdem an der Ganztagsschule das Dppelstundenmodell greift, falle es einigen Schülern schwer, ruhig zu bleiben und sic zu konzentrieren. Die neuen Bewegungs- und Erlebnisangebote der Schule orientieren sich daher an den Bedürfnissen der Schüler.

Seit Kurzem hat man in der Schule einen „Bewegungsraum“ eingerichtet. Schüler, die im Unterricht durch Zappeln oder Konzentrationsprobleme auffallen, sollen sich hier austoben. „Man muss sich gerade für die jüngeren Schüler etwas einfallen lassen. Wir experimentieren mit solchen Angeboten noch,“ so Schulleiter Veith. Auffällige Schüler werden von dem Lehrer mit einem Laufzettel in den Bewegungsraum geschickt. Jugendliche, die ein Freies Soziales Jahr an der Schule absolvieren, spielen oder beschäftigen die Schüler dann für eine Weile, bevor sie die Mädchen und Jungen wieder in Unterricht schicken. Der Bewegungsraum soll das klassische „rausfliegen“ oder Bestrafungen ersetzten.

„Schlag den Leibnizer“ ist nur ein Angebot aus dem Bereich des Abenteuer- und Erlebnissports, dass es an der Schule gibt. Neben regelmäßig stattfindenden AGs wie Reiten, Judo oder Zirkus werden sportliche Aktivitäten auch in den Schulalltag integriert. Auch Klassenausflüge werden jeweils mit einem Sporterlebnis verbunden. In der 5. Klasse steht ein Ausflug in den Hochseilgarten in der Eilenriede auf dem Programm; Die 8. Klasse unternimmt eine Paddeltour auf Oertze, Weser oder Aller. Den klassischen Sportunterricht können die eher erlebnisorientierten Angebote indes nicht ersetzen. „Turnen und Leichtathletik sind weiterhin wichtig um Körperspannung, Motorik und Ausdauer zu trainieren“, betont Sportlehrer Engels. Die kleinen Wettbewerbe sind daher auch nicht auf ihre physische Wirksamkeit untersucht worden. Im Vordergrund bei „Schlag den Leibnizer“ steht ganz klar der Spaß.

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