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Ost Letzter Gottesdienst in St. Bruder Konrad
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Letzter Gottesdienst in St. Bruder Konrad
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11:30 27.06.2013
Der letzte Gottesdienst in der St. Bruder Konrad Kirche in der List Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Nach und nach füllen sich die Bänke in der Kirche St. Bruder Konrad. Einige Besucher stehen an der Eingangstür und schauen sich um, andere setzen sich sofort und warten auf den Beginn des Gottesdienstes. Wie jeden Sonnabend fängt hier die Heilige Messe um 17 Uhr an. Doch der vergangene Sonnabend war für die Mitglieder der katholischen Gemeinde kein gewöhnlicher: An diesem Tag wurde der letzte Gottesdienst in der 1936 geweihten Kirche gefeiert, die nun nach 77 Jahren aufgegeben wird. Die Anwesenden sind gekommen, um Abschied zu nehmen. Wehmütig singen sie die vertrauten Kinderlieder und lauschen den Worten von Pfarrer Christoph Lindner.

Grund für die Kirchenschließung seien der Rückgang von Gottesdienstbesuchern, Priestermangel und finanzielle Engpässe, sagt Lindner. Die Kirche ist bereits an eine Immobilienfirma aus Hannover verkauft worden und soll für zukünftige Wohnungen abgerissen werden. Pfarrheim und Pfarrhaus werden Ende August übergeben, die Kirche und der benachbarte Kindergarten Ende des Jahres. „Wir hoffen aber, dass wir die Glasfenster retten können“, sagt Lindner. Die Kunstgegenstände, etwa die Kelche, werden unter den Kirchen Heilig Geist, Heilig Kreuz und St. Franziskus aufgeteilt, die bisher mit Bruder Konrad eine Gemeinde bilden. „Damit soll die Verbindung und Treue zu St. Bruder Konrad in Erinnerung behalten werden“, sagt der Pfarrer. Ein Teil des Inventars geht ins Ausland - so der Altar, der nach Kroatien gebracht werden soll. Dort waren im Krieg Anfang der neunziger Jahre viele Kirchen zerstört worden.

„Hier geht es nicht mehr um Glauben, sondern nur noch um Geld“

Für das ehemalige Gemeindemitglied Siegfried Hanne sind die Gründe der Schließung indessen nach wie vor unverständlich. Der frühere Unternehmensberater meint, die Kirche wolle durch den Verkauf „nur ein lukratives Geschäft machen“ und ist von der Entscheidung zur Kirchenschließung enttäuscht. „Es ärgert mich, dass der Vorstand nicht offen spricht und falsche Gründe genannt werden“, meint er. So protestiert er am Sonnabend auf seine Weise mit weiteren ehemaligen Gemeindemitgliedern - und geht nicht zum letzten Gottesdienst. Karin Kalenberg gehört auch zu der Gruppe. Die Rentnerin hatte die Einweihung der Kirche als Kind erlebt und wollte jetzt keinesfalls zum „Begräbnis“ gehen, als das sie die Profanierung bezeichnet. „Das hätte ich von meiner Kirche nicht gedacht. Hier geht es nicht mehr um Glauben, sondern nur noch um Geld“, sagt sie bitter.

Die Meinung der Schließungsgegner ist eindeutig: Die Kirche habe keine finanziellen Engpässe gehabt, sagen sie. „Selbst eine Kirchensteuer wäre überflüssig, weil die Gemeinde mehr als genug zur Verfügung hat“, meint der 80-jährige Hanne. Auch das Argument, dass zu wenig Besucher in die Gottesdienste gekommen seien, kann er nicht verstehen. Bei der Gründung 1936 gehörten 1855 Menschen der Gemeinde an. Vor dem Zusammenschluss mit den Kirchen Heilig Geist, Heilig Kreuz und St. Franziskus vor drei Jahren habe die Zahl der Gemeidemitglieder etwa 2700 Menschen betragen. „Wo kann man da von Rückgang sprechen?“

Schon im Vorfeld gab es Proteste in Form von Briefen an Norbert Trelle, den Bischof von Hildesheim. Darin behaupteten die Schließungsgegner, dass die Gemeinde imstande sei, die Kirche aus eigener Kraft zu unterhalten. „Uns wurde nicht mal geantwortet“, sagt Hanne. Die ehemaligen Gemeindemitglieder geben aber nicht auf: Sie organisieren künftig Gottesdienste zu den üblichen Zeiten im Stadtteil. So wird sonnabends ab 17Uhr die Heilige Messe in der Aula der Käthe-Kollwitz-Schule, Podbielskistraße 230, gefeiert. Donnerstags gibt es ab 9Uhr einen Gottesdienst im Haus der Arbeiterwohlfahrt, Gottfried-Keller-Straße13.

Verena Gaßmann

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