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Liam verschlingt Hunderte Bücher

Erstklässler liebt das Lesen Liam verschlingt Hunderte Bücher

Liam, ein Erstklässler aus Misburg, liebt das Lesen. An sein erstes Buch kann sich Liam noch gut erinnern. „Das Picknick im Wald“ sei das gewesen, sagt der Siebenjährige mit den dunkelbraunen Augen und den schwarzen Haaren. Er las es im März dieses Jahres.

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In den Regalen der Stadtbibliothek Misburg kennt sich Liam gut aus. Jede Woche nimmt er neue Schmöker mit nach Hause.

Quelle: Becker

Misburg. Da startete der Lesewettbewerb „Antolin“ in der 1 C der Grundschule Mühlenweg in Misburg. 283 Bücher hat Liam seitdem gelesen. Gar nicht so leicht, sich da noch an das erste zu erinnern. Liams Klassenlehrerin hatte die Idee, dass die Erstklässler beim Online-Leseförder-Portal „Antolin“ mitmachen. Dazu mussten die Schüler Bücher lesen und anschließend auf der Internetseite Fragen zu den Namen der Charaktere und zur Handlung beantworten. Liam wusste am meisten und hatten mit 283 Büchern bis zu den Sommerferien als Klassenbester 7864 Punkten gesammelt.

Liam liebt das Lesen. Er ist eine richtige kleine Leseratte, eine talentierte zudem. „Lesen ist mein Hobby“, sagt Liam. „Mit fünf hat er angefangen“, sagt Mutter Esmihan Aldemir voller Stolz. Dass ihr Sohn sich für Buchstaben und Wörter interessierte, merkten die Eltern schnell. Wenn sie Liam und den drei Töchtern – der vierjährigen Linette, der zweijährigen Lorin und der einjährigen Lilya – Geschichten vom Struwwelpeter oder Till Eulenspiegel vorlasen, war Liam stets gespannt dabei. Er war neugierig auf die Geschichten und wollte selber lesen. Schon vor der Einschulung hatte er herausbekommen, wie aus Buchstaben Wörter werden. Und während viele seiner Mitschüler mühsam mit „L“ für „Löwe“ erste Wörter lernten, wusste Liam längst Bescheid.

Der Wettbewerb war ab März seine große Leidenschaft. Jede Woche fuhr er mit dem Bus in die Stadtbibliothek Misburg und lieh sich neue Bücher aus, die er dann zu Hause verschlang. „Spuk im Klassenzimmer“, „Der kleine Eisbär“ oder eines seiner Lieblingsbücher: „Die Kinder von Bullerbü“. Nach dem Lesen ging es dann online ans Fragen beantworten. „Das war manchmal gar nicht so einfach“, sagt Liam.

Dass er schon so gut lesen konnte, merkte in der 1 C zunächst niemand. Weder Sitznachbarin Emilia, noch der Klassenlehrerin fiel seine Lesebegabung auf. Erst als die Lehrerin in einer Stunde die Frage stellte, wer das schwierige Wort an der Tafel lesen könne, und Liam ohne zu zögern „Nudel“ vorlas, war klar, dass der kleine schüchterne Junge so einiges auf dem Kasten hatte.

Das merkte auch Vater Sükrü. Der 30-Jährige, der wie seine Frau aus dem Südosten der Türkei stammt, konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr Chemisch-Technischer Assistent bleiben und fing daher an, Medizin zu studieren. In einem großen Regal und auf dem Schreibtisch des Vaters lagen die Anatomie- und Physiologiebücher. Und die schnappte sich Liam und fing an, darin zu lesen. „Ich lese gerne über Zellen“, sagt er leise. Wenn er etwas sagt, klingt es immer ein bisschen schüchtern, aber doch so als würde er sich seine Worte gut überlegen. Neulich habe er etwas über Antikörper gelesen, erzählt er, und aus dem Mund eines Siebenjährigen klingt das durchaus komisch. „Das ist irgendwie spannend, was im Körper passiert“, sagt Liam. „Ich glaube nicht, dass er alles versteht, was er da liest“, sagt sein Vater, der dann aber oft versucht, die komplexen Themen zu erklären. Neben der Medizin hat Liam aber auch andere Interessen. Zum Beispiel Dinosaurier. Über die schreibt er kleine Geschichten „wie groß die sind, wo die leben und was die essen“, sagt er.

Liams Eltern investieren viel in die Bildung ihrer Kinder. Ihr Sohn bekommt Französischunterricht, ist bei der musikalischen Früherziehung, macht Judo und schwimmt bei der SG Misburg. Mit seinen drei Schwestern spielt Liam nicht so viel, auch wenn die drei sich eigentlich gut verstehen. „Aber die sind oft frech und strecken mir die Zunge raus“, sagt der Siebenjährige. Und Puppen seien auch nicht so sein Ding.

Was Liam einmal werden will, weiß er schon ganz genau: „Arzt. Weil mein Vater auch Arzt sein will.“ Bis er irgendwann mit den dicken Medizinbücher in den Hörsaal gehen kann, ist es aber noch lange hin. Bis dahin geht es in der Stadtbibliothek in Misburg weiter zu den Kinderbücherregalen. „Bevor ich in die zweite Klasse komme, will ich Pinocchio lesen“, sagt Liam. Und dann wartet schon die „Hexe Lilli“.

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