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Liegt Giftgas-Altlast im Seelhorster Boden?

Jüdischer Friedhof Liegt Giftgas-Altlast im Seelhorster Boden?

Die Stadt befürchtet, dass zwischen Peiner Straße und Grävemeyerstraße Giftgasreste aus dem Ersten Weltkrieg im Boden liegen könnten. Von 1870 bis 1945 wurde das Gelände militärisch als Munitionsanstalt genutzt.

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Die gut 20.000 Quadratmeter große Fläche für den neuen jüdischen Friedhof liegt an der Nordspitze des Seelhorster Friedhofs (Foto) zwischen Peiner Straße und Grävemeyerstraße. Von 1870 bis 1945 wurde das Gelände militärisch als Munitionsanstalt genutzt.

Quelle: Archiv (Symbolfoto)

Hannover. Die Jüdische Gemeinde Hannover steht vor einem größeren Problem: Ihr Friedhof an der Burgwedeler Straße in Bothfeld ist inzwischen fast komplett belegt. Doch der Erwerb eines neuen Grundstücks, für das der Kaufvertrag mit der Stadt quasi unterschriftsreif war, verzögert sich. Die Stadt befürchtet, dass Giftgasreste aus dem Ersten Weltkrieg im Boden liegen könnten. Dort stand früher ein Munitionsdepot. Ein Ingenieurbüro prüft aktuell den Verdacht. Falls er sich bestätigt, muss saniert werden. Einen Zeitrahmen dafür nennt die Verwaltung nicht.

„Wir verhandeln schon sehr lange über den Friedhof. Wenn es stimmt, dass die Stadt Kenntnis über das Munitionslager hatte, dann wäre es schon fahrlässig, dass das bisher nicht überprüft wurde“, sagt Michael Fürst, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde. Die gut 20.000 Quadratmeter große Fläche für den neuen jüdischen Friedhof liegt an der Nordspitze des Seelhorster Friedhofs zwischen Peiner Straße und Grävemeyerstraße. Das Areal bildete früher eine Einheit mit dem Grundstück jenseits der Peiner Straße, auf dem die Firma Gundlach jetzt Wohnungen errichten will. Von 1870 bis 1945 wurde das Gelände militärisch als Munitionsanstalt genutzt.

Direkt nach dem Ersten Weltkrieg wurde dort von 1919 bis 1921 Munition zerlegt Es gibt den nach Einschätzung der Stadt „vagen Verdacht“, dass dort noch Flaschen mit dem Kampfgas Blaukreuz und Handgasbomben liegen könnten. Der Kampfstoff Blaukreuz drang in Gasmasken ein und brachte Soldaten dazu, diesen Schutz abzulegen. Damit waren sie einem anderen - tödlichen - Giftgas ausgesetzt.

Bisher ist nie Munition auf dem Gelände entdeckt worden. Eine Recherche beim Völkerbundarchiv ergab jedoch vor einigen Wochen, dass die Akten über Eingang und Ausgang der Kampfgase in dem Seelhorster Depot unvollständig sind. Die Jüdische Gemeinde sei über die notwendige Bodenüberprüfung sofort informiert worden. „Wir sind uns völlig einig, dass der Friedhof für die Jüdische Gemeinde Hannover ein zentrales Anliegen ist. Die Stadt tut alles, um für das Grundstück Klarheit über mögliche Altlasten zu schaffen“, sagt Oberbürgermeister Stefan Schostok.

Die Gemeinde überlegt nun, was sie tun kann, wenn ihr alter Friedhof in zwei oder drei Monaten belegt ist. Platz könne notfalls durch Baumfällungen geschaffen werden, sagt Fürst. „Es wird hoffentlich diese Woche ein Gespräch mit der Stadt geben.“ Er mutmaßt, dass erst die Firma Gundlach beim Kauf ihres Grundstücks, einer ehemaligen Gärtnerei, den Anstoß für weitere Recherchen gab. Gundlach-Geschäftsführer Lorenz Hansen gibt sich entspannt. „Wir wussten, dass wir eine Verdachtsfläche kaufen. Es ist Standard, dann Zeit und Geld einzuplanen.“ Für das Projekt muss auch noch ein Bebauungsplan beschlossen werden.

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