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Ost Blumenladen „Fleurs de Lipp“ in der List schließt
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Blumenladen „Fleurs de Lipp“ in der List schließt
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12:00 25.07.2018
Ein bunter Hund im Stadtteil: Manfred Lipphardt gibt sein Blumengeschäft Fleurs de Lipp an der Bödekerstraße auf und geht mit 71 Jahren in den Ruhestand. Quelle: Frank Wilde
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Ins blumige Geschäft ist Manfred Lipphardt per Zufall geraten. In Kassel aufgewachsen hat er zunächst eine Ausbildung als Großhandelskaufmann für Sanitäranlagen gemacht. Ein guter Freund arbeitet bei einer Floristin, fiel aber leider häufig spontan aus, „weil er so gern gefeiert hat“. Darauf verdonnerte die Chefin Lipphardt zunächst dazu, doch mal ein paar Auslieferungen zu machen. „Dann sollte ich in den Verkauf und schließlich auch Blumen binden“, erzählt Lipphardt. Das Geschäft mit der Blüte hat ihm Spaß gemacht, „meine Ausbildung dauerte ungefähr eine Woche, danach war ich Autark-Florist.“

Der 71-Jährige ist ein Paradiesvogel im Stadtteil und in der Branche, und darauf ist er auch ein bisschen stolz. „Ich habe die Floristik immer ein bisschen anders gesehen als viele Kollegen.“ So gab es bei Lipphardt halbe Adventskränze, mit Tauben geschmückte Weihnachtsgestecke in Weiß und exotische Gebilde anstelle von blumigen Wagenrädern für eine Bestattung. Dass er das alles in Hannover unweit des Lister Platzes verwirklichen konnte, hat er einem guten Freund zu verdanken, der ihm das urige Ladenlokal im Souterrain vermietete und damit überzeugte nach Hannover umzusiedeln. 34 Jahre lang hat Lipphardt sein exotisches Geschäft Fleurs de Lipp geführt. Zum September soll nun Schluss sein. „Das mit dem Loslassen ist gar nicht so einfach. Aber seit die Entscheidung gefallen ist, geht auf einmal alles ganz leicht.“

Möbel und Wein statt Blumen

Gesundheitliche Gründe zwingen den Herren der Blumen jetzt zum Abschied. Wenn er geht, geht auch eine Blumenladen-Ära an diesem Ort zu Ende. „70 Jahre lang wurden hier im Keller Blumen verkauft.“ Künftig sollen es alte Möbel und Wein sein. Lipphardt war Zeit seines Wirkens ein bunter Hund nicht nur im Stadtteil. „Der größte Auftrag war die Ausstattung der schweizerischen Telekom auf der Cebit.“ Da musste Lipphardt innerhalb von drei Tagen Blumenarrangements für 22 000 Mark zaubern. „Ich hab’s geschafft.“ Bei stadtbekannten Juristen hängt er seit Jahrzehnten Adventskränze unter die Decke, Chansonette Alix Dudel hat er einst ein Blumenbouquet persönlich für einen Auftritt nach Berlin gebracht. „Callas – gepudert in rot-schwarz.“

Callas waren einst die Lieblingsblumen von Wolfgang Lipphardt, ein bisschen dramatisch arrangiert und eben ausgefallen. Mittlerweile schwärmt er für Hortensien, vor allem wegen der großen Farbenvielfalt. Jahrelang hat er auch für seine hannoverschen Kunden besondere und ausgefallene Arrangements zusammengestellt. „Der schnelle Kunde war bei mir nicht richtig. Ich mache persönliche Sträuße.“ Er arbeite intuitiv, was er sich in den Kopf setze, setze er auch um. Damit auch seinen Lebensunterhalt zu verdienen gestaltete sich allerdings zunehmend schwieriger. „Die Wochenmärkte und Kollegen erschweren nicht das Geschäft, es sind die vielen Supermarkt-Blumen, für die wir Floristen Federn lassen“, so der 71-Jährige.

Räumungsverkauf mit Porzellan und Topfpflanzen

Aus diesem Grund hat er vor gut einem Jahrzehnt beschlossen, sein persönliches Steckenpferd mit in sein Geschäft zu integrieren. Lipphardt sammelt alte Tee- und Kaffeeservice, die er seitdem auch im Laden verkauft. Sowie Kerzen, Dekorationsartikel, Schalen, Schränkchen und sogar einen alten Pelzmantel. „Accessoires gehören in jeden Blumenladen, aber der Pelzmantel ist ein Erbstück, das meine Schwester loswerden wollte.“ Zum Räumungsverkauf an der Bödekerstraße gibt es denn auch fast nur noch Porzellan und Topfpflanzen. „Schnittblumen biete ich jetzt kaum noch an.“ Nachdem er sich selbst erlaubt hat, vor dem 35. Geschäftsjahr aufzugeben, schmiedet Wolfgang Lipphardt Pläne für die neu gewonnene Freizeit. „Ich liebe alte Schlösser und Burgen, die sollen mich jetzt kennenlernen.“

Von Susanna Bauch

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