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Ost Burgfrieden an der Podbi
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Burgfrieden an der Podbi
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13:04 10.10.2013
Die Stammtischgruppe des Spannhagengruppen im Innenhof des besonderen Gebäude. Quelle: Gerda Valentin
List

Mit seinen Ecktürmen, Dachgauben und dem markanten Torbogen ist er nicht zu übersehen: An der Podbielskistraße ähnelt der Spannhagengarten einer Burg und gibt zugleich der nahen Stadtbahnhaltestelle den Namen. Der mächtige Baukomplex mit der gelben Fassade bildet einen separaten Häuserblock und grenzt dabei auch an Spannhagen, Boie-, Dahn- und Klopstockstraße. Im Osten der List besteht die historische Wohnanlage nun seit 100 Jahren.

Bauherr für den Spannhagengarten war einst die Hannoversche Handwerkergenossenschaft: In Selbsthilfe vermittelte sie ihren beschäftigungslosen Mitgliedern mit dem Bau einen Großauftrag. Nach den Entwürfen des Architekten Richard Koch wuchs von 1910 an weit draußen an der Podbi ein imposanter Bau empor. 1913 konnten dann im Spannhagengarten die ersten Mieter einziehen.

Besondere Gestaltung des Wohnhofes

Mit Bad und Toilette im Inneren, Kachelöfen und häufig Balkon oder Loggia hatten die Wohnungen für damalige Verhältnisse einen hohen Komfort. Auch die Gestaltung des Wohnhofes konnte sich sehen lassen. Die Eingänge der Häuser und die beiden Toreinfahrten an der Podbi und an der Dahnstraße wurden mit Marmor gefliest und die Fassaden mit vielerlei Ornamenten und Säulen verziert. Selbst für etwas „Kunst am Bau“ blieb noch Platz – etwa einem Schwein über einem ehemaligen Schlachterladen oder zwei Teufelchen mit Flöten und Kelch an den Fensterstreben eines Lokals.

Wegen des Ersten Weltkriegs konnte der Spannhagengarten zunächst nicht komplett fertiggestellt werden. Danach begann die schwierige Zeit der Inflation. Der letzte Bauabschnitt entstand bis 1923 an der Nordostecke bei der Boiestraße und zeigt – wie auch der dritte Zugang in die Anlage – eine deutlich schlichtere Architektur.

Generationen von Kindern wuchsen im Spannhagengarten auf

Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Spannhagengarten fast keine Kriegsschäden. In den fünfziger Jahren gab es an den Ecken des Wohnblocks noch kleine Lebensmitelläden, in denen die Anwohner ihre Rechnung „anschreiben“ lassen konnten. Auch Generationen von Kindern wuchsen im Spannhagengarten heran. „Im Innenhof haben wir so manche Fahrrad- und Rollerrennen gemacht“, erzählt Günter Schulz, der hier schon seine frühe Jugend erlebte. Den Rasen zu betreten, war allerdings streng verboten.

Die Hannoversche Handwerkergenossenschaft aber verkaufte später den Spannhagengarten. In den siebziger Jahren gelangte die Großimmobilie an den Kölner Makler Günter Kaußen. Mehr als die Hälfte der Wohnungen vermietete er an so genannte „Gastarbeiter“. Jeweils zwei von ihnen mussten sich ein Zimmer teilen und bis zu zehn Personen Küche und Bad. Doch schließlich erschien Kaußen dieses Geschäft nicht mehr lukrativ und bot 1977 den Spannhagengarten in Form von Eigentumswohnungen an.

Eigentürmer halfen sich gegenseitig

Auch Günter Schulz, inzwischen junger Familienvater, entschloss sich zum Kauf. „In den Wohnungen war damals jede Menge zu tun und zu renovieren“, berichtet Schulz. Gegenseitig halfen sich die neuen Eigentümer mit Rat und Tat, und so wuchs bald eine Gemeinschaft heran, die über das „Tür-an-Tür-Wohnen“ hinausging. Für das gesamte Bauwerk jedoch musste recht viel Geld aufgewendet werden, insbesondere 1982 für die Erneuerung aller Dächer und der Fassaden.

Auch heute ist natürlich ständig etwas instand zu halten. 185 Wohnungen zählt der Spannhagengarten, der komplett unter Denkmalschutz steht. Der Innenhof wirkt wie eine grüne Oase, in der auch der inzwischen erneuerte Spielplatz nicht fehlt. Rundum führt ein gepflasterter Fahrweg, und nur „innen her“ sind die Hauseingänge zu erreichen, wo viele die kleinen Vorgärten selbst bepflanzen.

Aktionstag zum 100 jährigen Bestehen

Ein vergleichbares, burgähnliches Ensemble bildet in Hannover nur noch der Brüggemannhof in der Nordstadt, den etwa zur gleichen Zeit der Spar- und Bauverein errichtete. Doch der bedeutet für die Bewohner vom Spannhagengarten keine „Konkurrenz“. Untereinander veranstalten sie weiterhin jedes Jahr ein Sommerfest, und etliche treffen sich einmal im Monat zu einem Stammtisch in dem spanischen Restaurant gleich an der Ecke. Im Spannhagengarten freut man sich, dass das Zuhause nun stolze 100 Jahre alt wurde. Mit Spielaktionen für die Kinder, Getränkewagen und Musik wird das Ereignis diesen Sonnabend, 31. August, groß gefeiert.

Gerda Valentin

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