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Migranten erzählen ihre Lebensgeschichte

Sahlkamp Migranten erzählen ihre Lebensgeschichte

In dem Bildband "Nicht ohne meine Heimat" berichten 30 Frauen und Männer ausländischer Herkunft aus dem Sahlkamp von ihren Erfahrungen mit dem Leben in der Fremde, die für viele zur neuen Heimat geworden ist.

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Hanan Fakih

Hannover. „Wenn man Freunde und Familie hat, kann man praktisch überall seine Wurzeln schlagen“, sagt Alexander Ganeba aus der Ukraine. „Ich dachte, in Deutschland hätten alle Leute Abitur“, meint die Kongolesin Okyta A ’Walelu. „In der ersten Zeit war ich ein Mensch ohne Wurzeln, ohne Heimat, ohne Geschichte“, erinnert sich der Iraner Mehdi Ostad. „Der erste Schock war das Wetter“, befindet Elena Belinson aus Usbekistan. „Auch für mich ist Deutschland die Heimat“, erklärt Hanan Fakih aus dem Libanon. Und eine Iranerin, die anonym bleiben möchte, sagt über ihre Erfahrungen in Deutschland: „Ich habe festgestellt, es ist sehr schwierig, Kinder in zwei Kulturen zu erziehen.“

So unterschiedlich hört es sich an, wenn Frauen und Männer ausländischer Herkunft aus dem Sahlkamp ihre Lebensgeschichten erzählen. 30 solcher Berichte sind jetzt in dem Bildband „Nicht ohne meine Heimat“ dokumentiert, den der Stadtteiltreff Sahlkamp initiiert und die Stadt Hannover herausgegeben hat. Auf den 208 Seiten ist viel zu lesen von Krieg, politischer Verfolgung und wirtschaftlicher Not, aber auch von Hoffnungen, Wünschen und Zielen. Viele Migranten sind aus einer Notlage heraus nach Deutschland gekommen, andere aus freien Stücken. Einige haben sich gleich gut zurecht gefunden in der neuen Umgebung, manche haben bis heute Heimweh. Der Buchtitel spielt auf die doppelte Bedeutung an, die der Begriff Heimat für Menschen hat, die ihr Herkunftsland verlassen haben, um in Deutschland neu Fuß zu fassen. Und der Untertitel „Angekommen in der Fremde“ spiegelt die oft ambivalenten Gefühle vieler Migranten wider.

Zwei Jahre hat es von der ersten Idee bis zum Druck des Buches gedauert. Impulsgeber des Projektes war Hajo Arnds, Geschäftsführer des Stadtteiltreffs Sahlkamp, einer Einrichtung des städtischen Fachbereichs Bildung und Qualifizierung. Arnds arbeitet seit vielen Jahren im Sahlkamp, wo Menschen aus rund 80 Nationen leben. Die Lebenswirklichkeit dieser Menschen abzubilden und dazu beizutragen, dass nicht nur die Deutschen mehr von ihren ausländischen Nachbarn erfahren, sondern auch die Migranten sich untereinander besser kennen lernen, ist Ziel des Buches.

30 rund einstündige Interviews hat die freie Autorin Manuela Branz dafür geführt und in Schriftform gebracht. Alle Lebensgeschichten sind in Ich-Form gehalten und vermitteln so einen Eindruck von Unmittelbarkeit. Die Autorin hat sich auch bemüht, die jeweils individuelle Ausdrucksform ihrer Gesprächspartner zu bewahren. „Der Befragte sollte sich in seiner Geschichte zu Hause fühlen“, sagt sie. Die passenden Porträtaufnahmen dazu hat die Fotografin Heike Wollborn gemacht. Sie hat die Frauen und Männer in Schwarzweiß und direkt im Gespräch aufgenommen, statt sie wie im Studio posieren zu lassen. „Ich finde, so ist der Charakter jedes Einzelnen besser zu erfassen“, meint sie.

Die Arbeit an dem Buch habe sie „sehr berührt“, sagt Heike Wollborn. „Oft war ich von den Schicksalen so ergriffen, dass ich vergessen habe zu fotografieren.“ Von jedem Interviewpartner sind mehrere Fotos zur Lebensgeschichte gestellt, eines davon füllt jeweils eine ganze Seite des im DIN A 5-Querformat gedruckten Buches. Drei der Interviewten wollten namen- und gesichtslos bleiben, darum sind nur ihre Hände fotografiert worden.

Um das Projekt zu verwirklichen, hat sich der Stadtteiltreff um unterschiedliche Geldgeber bemüht. Insgesamt hat die Realisierung 13 000 Euro gekostet, davon 8500 Euro allein für Layout und Druck. Der Rest sind Honorar- und Vorbereitungskosten. Finanziert wurde der in einer Auflage von 1500 Exemplaren gedruckte Bildband schließlich vom Integrationsbeirat Bothfeld-Vahrenheide, der Sanierungskommission Sahlkamp-Mitte, dem Fonds „Miteinander - gemeinsam für Integration“ der Region Hannover und aus Mitteln der Stadtteilkulturarbeit. Die niedersächsische Integrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf und Kulturdezernentin Marlis Drevermann haben Vorworte verfasst.

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