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Ost Neue Chronik zeigt „Mudzborgh“ bei Misburg
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Neue Chronik zeigt „Mudzborgh“ bei Misburg
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20:43 22.05.2013
Imposanter Burghof, rote Dächer: Die Zeichnung zeigt, wie die „Mudzborgh“ vor 1000 Jahren ausgesehen haben könnte. Quelle: Illmer/Chronik
Hannover

Stolze Burgen säumen den Rhein und künden selbst als Ruinen noch von der Herrschaftlichkeit vergangener Zeiten. Auch das weit entfernte Misburg braucht sich in dieser Hinsicht nicht zu verstecken: Im Mittelalter bildete hier die „Mudzborgh“ mehrere Jahrhunderte eine Wehr gegen mögliche Feinde. Der Misburger Journalist Wolfgang Illmer hat sich ausgiebig mit der Geschichte dieser Burganlage befasst und geht davon aus, dass sie im Jahre 1083 fertiggestellt wurde. Das diesjährige Stadtteilfest steht daher unter dem Motto „1000 Jahre Mudzborgh“. Zu diesem Jubiläum legt Illmer zugleich eine Chronik vor, die die Geschicke Misburgs von den alten Germanen bis zur Gegenwart umfasst.

Den Ursprung bildete einst die Siedlung „Mudisa“, deren erste Bewohner um die Zeit von Christi Geburt in die Gegend kamen. Inmitten der sumpfigen Umgebung ließen sie sich auf einer trockenen, sandigen Stelle nieder. Im Laufe des ersten Jahrtausends fiel „Mudisa“ an die Sachsen. Ein wenig Schutz boten vermutlich ein Palisadenzaun und ein kleiner, hölzerner Wachtturm. Im Jahre 983 aber stand bereits die „Mudzborgh“ zur Diskussion. Das alte „Mudisa“ befand sich inzwischen im Einzugsgebiet des Bischofs von Hildesheim, der sein Territorium durch allerlei Feinde bedroht sah. Um zugleich die Grenze des benachbarten Gaues Astfala zu schützen, wurde daher der Bau der „Mudzborgh“ beschlossen, der dann ungefähr 20 Jahre in Anspruch nahm.

Für seine Chronik hat der Hobbyhistoriker lange in Bibliotheken und Archiven geforscht. Schriftliche Dokumente aus dem Mittelalter sind rar gesät. Vieles aus dem Abschnitt zur „Mudzborgh“ hat er daher der allgemeinen Literatur über diese Epoche entnommen. Anschaulich zeichnet Illmer ein Bild vom Alltag in einer solchen Befestigungsanlage mit ihren Wachsoldaten, den Handwerkern im Burghof, dem Waffensaal und den karg möblierten Wohntrakten. Bei der Vorgeschichte der „Mudzborgh“ holt er hingegen sehr weit aus und bringt dabei die kaiserliche Regentin Theophanu und sogar die Wikinger ins Spiel.

Eindeutiger ist das weitere Schicksal dieser Burg. 1241 kam sie in den Besitz der Welfen und sicherte nun auch einen bedeutenden Handelsweg. Nach der Hildesheimer Stiftsfehde 1519 bis 1523, in der der Bischof unterlag, hatte die „Mudzborgh“ jedoch ihre Funktion verloren. Eine Umrüstung auf neue Kriegswaffen, etwa Kanonen, lohnte sich in diesem Gemäuer nicht mehr. Die Burg verfiel zusehends, und alsbald wurden ihre Steine nur noch als Baumaterial genutzt. Eine letzte Spur der Burg wurde um 1955 beim Bau der St.Anna-Kirche an der Anderter Straße gefunden. Ein Brunnen und ein Sandsteinquader traten dabei zutage. Beide Funde wurden jedoch nicht bewahrt.

Aber auch ohne seine „Mudzborgh“ überstand Misburg einst den Dreißigjährigen Krieg. Detailliert beschreibt Illmer die einzelnen Bauernhöfe, später dann den literarichen Zirkel zur Goethezeit im alten Forsthaus und um 1900 schließlich den großen Wandel des Bauerndorfs durch die Zementindustrie. Erneut werden auch die Erinnerungen an die schweren Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg wach. Das Leiden der Häftlinge im Misburger Konzentrationslager spart der Chronist ebenfalls nicht aus. Die Geschichte von Kirchen, Schulen und den zahlreichen Vereinen leitet schließlich hinüber in die heutige Zeit.

Fünf Jahre hat Illmer an seinem Buch über Misburg gearbeitet. Er würdigt darin auch seinen „Vorgänger“, den Heimatforscher Anton Scholand.

Auch das Misburger Stadtteil- und Schützenfest von Freitag, 31. Mai, bis Sonntag, 2. Juni, steht dieses Mal im Zeichen des Mottos „1000 Jahre Mudzborgh“. Aus diesem Anlass wird erstmals ein mittelalterliches Dorf im Knauerweg und an der Buchholzer Straße in Richtung Forstkamp aufgebaut. Dort soll es ganz ähnlich zugehen wie zu Zeiten der Burgbewohner. Unterschiedliche Handwerker führen ihre Künste vor und bieten ihre Waren an. Unter Anleitung dürfen sich Kinder derweil im Schmieden, Filzen oder Spinnen versuchen. Spannung verheißen außerdem Eierknacken und Bogenschießen. Auch mit einem kleinen Kulturprogramm soll das Mittelalter wieder aufleben. Ansonsten können sich die Besucher in den Straßen rings um Meyers Garten wieder auf drei Tage mit Livemusik, Imbissständen und Kinderaktionen freuen. Gefeiert wird am Freitag ab 17 Uhr, am Sonnabend ab 12Uhr und am Sonntag ab 13 Uhr.

Die „Chronik Misburg. Ursprung bis Gegenwart“ von Wolfgang Illmer umfasst 672 Seiten und zeigt mehr als 2000 Abbildungen. Das Geschichtswerk des Hobbyhistorikers ist zum Preis von 49,50 Euro im Buchhandel erhältlich.

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