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Ost Neuer Name für den Emmichplatz?
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Neuer Name für den Emmichplatz?
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00:15 11.03.2014
Von Andreas Schinkel
General Otto von Emmich soll im Ersten Weltkrieg an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen sein. Daher fordern weite Teile der Bundeswehr die Umbenennung der hannoverschen Kaserne. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Ein internes Gutachten der Bundeswehr, das der HAZ vorliegt, zeigt jetzt, dass von Emmich beim Überfall der deutschen Truppen auf Belgien 1914 möglicherweise an Kriegsverbrechen beteiligt war. „Die Bundeswehr denkt darüber nach, die Emmich-Cambrai-Kaserne umzubenennen“, bestätigt Jürgen Engelhardt vom Landeskommando Niedersachsen. Ein Termin für eine Namensgebung stehe aber noch nicht fest. Damit dürfte auch die Debatte um den Emmichplatz vor der Musikhochschule eröffnet sein.

Otto von Emmich zählt zu jenen 400 Namensgebern von Straßen und Plätzen, die die Stadt ohnehin historisch prüfen lässt. Im Fokus stehen dabei Personen, die während der NS-Zeit Schuld auf sich geladen haben könnten, etwa der ehemalige Ministerpräsident Hinrich Wilhelm Kopf, Namensgeber für den Platz vor dem Landtag. Auch die Benennung von Straßen und Plätzen unter dem NS-Regime untersucht die Expertengruppe der Stadt. Tatsächlich wurde der Platz in der Oststadt erst 1933 nach General Emmich benannt, zuvor hieß er „Am Neuen Hause“. Dem Kriegsherrn aus dem Ersten Weltkrieg wird noch auf andere Weise in Hannover Ehre zuteil. Im Archiv der Stadt wird er noch immer als Ehrenbürger geführt, auf dem Stadtfriedhof Engesohde gibt es ein Ehrengrab für von Emmich.

Das militärgeschichtliche Gutachten der Bundeswehr rückt von Emmich in die Nähe von Kriegsverbrechern. Er sei am „völkerrechtswidrigen Überfall“ auf Belgien beteiligt gewesen. „Bei den von ihm geführten Kämpfen um die Festung Lüttich im August 1914 sowie beim weiteren Vormarsch der deutschen Truppen kam es zu Ausschreitungen gegen und Hinrichtungen von Zivilisten durch deutsche Soldaten, die in der neueren Forschung als kriegsvölkerrrechtswidrig gewertet werden“, heißt es in der kurzen Studie. 1933 wurde der General Teil des „nationalsozialistischen Heldenkults“, in Hannover wurde in der Folge ein Platz nach ihm benannt. In den sechziger Jahren gab es einen Versuch, die Bezeichnung „Emmichplatz“ rückgängig zu machen, doch er scheiterte am Widerstand der Nachfahren des Generals.

Nicht nur innerhalb der Bundeswehr erwägt man eine Umbenennung der Emmich-Cambrai-Kaserne. Die bundesweit aktive „Initiative gegen falsche Glorie“ aus Hobbyhistorikern, die umstrittene Kasernennamen unter die Lupe nehmen, haben Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gebeten, „einen neuen Traditionsnamen“ für die hannoversche Kaserne zu finden. Jakob Knab, Sprecher der Gruppe, schlägt die Philosophin Hannah Arendt als Namensgeberin vor. Am besten sei aber der Soldat Anton Schmid geeignet. Der Feldwebel hatte im Zweiten Weltkrieg mehrere Hundert Juden gerettet und wurde später von den Nazis erschossen.

Eine Debatte über von Emmich hält auch der Vize-Chef der Standortkameradschaft Hannover, Hergen Hennings, für gerechtfertigt. Jedoch mahnt er zur Vorsicht: „Ein neuer Name für die Kaserne sollte an die Tradition der Bundeswehr anknüpfen“, sagt er. Schließlich ließen sich in der Geschichte der bundesrepublikanischen Armee genug verdiente Personen finden.

Keine „Ulrich-de-Maizière-Kaserne“

Der Name Emmich-Cambrai-Kaserne ist entstanden aus der Fusion von zwei Bundeswehrstandorten, der Emmich-Kaserne und der Cambrai-Kaserne. Letztere erinnert an eine Panzerschlacht während des Ersten Weltkriegs nahe dem französischen Ort Cambrai. Eigentlich sollte die Heimat der Feldjäger längst Ulrich-de-Maizière-Kaserne heißen, nach dem Vater des derzeitigen Bundesinnenministers Thomas de Maizière. Vor zwei Jahren leitete das Verteidigungsministerium die Umbenennung in die Wege, doch am Ende trat der Sohn des Namensgebers auf die Bremse. Für Thomas de Maizière, 2012 Verteidigungsminister, hatte die Sache ein Geschmäckle. Sollte die Bundeswehr jetzt einen neuen Anlauf starten, ginge der so: Mindestens vier Soldaten der Kaserne reichen einen Vorschlag beim Standortältesten ein, der die Eingabe ans Ministerium weiterleitet. Basisdemokratisch soll der Weg der Umbenennung gehen, doch de facto regt der Führungsstab in Berlin einen neuen Namen an.

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