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Pädagoge umrundet Deutschland mit dem Rad

Bothfeld Pädagoge umrundet Deutschland mit dem Rad

Eine lange Reise in drei Etappen: Ein Lehrer aus Bothfeld will Deutschland mit dem Rad umrunden – und damit Drogensüchtigen helfen. Der Erlös der Spendenfahrt kommt der Einrichtung „Neues Land“ zugute.

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Christian Reinhardt will Deutschland mit dem Rad umrunden und dadurch Spenden sammeln.

Quelle: HAZ

Bothfeld. Bremerhaven war einst für mehr als sieben Millionen Menschen Ausgangspunkt einer langen beschwerlichen Reise. Für viele ging es im Laufe der vergangenen Jahrhunderte mit dem Schiff in die neue Welt – nach Amerika, nach Nord oder Süd. Christian Reinhardt, Lehrer aus Bothfeld, der in Groß-Buchholz an einer Förderschule unterrichtet, will aber nicht über den Ozean, um Neuland zu entdecken. Der 54-Jährige umrundet seit vergangenem Sonnabend in drei Etappen Deutschland mit dem Fahrrad, Startpunkt ist Bremerhaven. Reinhardt möchte Grenzerfahrungen sammeln, genau wie die Drogenabhängigen, die er seit mehreren Jahren ehrenamtlich betreut. Am Ende seiner Reise in drei Etappen will er 5550 Kilometer zurückgelegt haben.

Auf seine Fahrt hat sich der passionierte Radfahrer gut vorbereitet. In seinen Fahrradtaschen stecken eine Ersatzgarnitur für Radler und ein Satz Kleidung für den Abend. Flickzeug hat er auch dabei. „Gutes Werkzeug, einen Schlauch, Speichenschlüssel und eine Handvoll Speichen, mehr nicht“, sagt Reinhardt. Von Bremerhaven geht es über Cuxhaven ein Stück in die Elbmündung hinein, wo er nach Glückstadt übersetzt. Dort fährt er zurück an die Nordseeküste, die westliche Grenze Schleswig-Holsteins hinauf bis in die Gemeinde List auf Sylt - dem nördlichsten Punkt der Republik. Von dort geht es an der dänischen Grenze entlang nach Flensburg. „Ich versuche auf meiner Reise immer wieder einen Abstecher in die Nachbarländer zu machen“, sagt Reinhardt. Grenzerfahrungen machen hieße schließlich auch, über Grenzen zu gehen.

Bis zum Ende der Osterferien in knapp zwei Wochen will er Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg hinter sich gelassen haben und im sächsischen Görlitz – dem östlichsten Punkt Deutschlands – angekommen sein. Dann geht es erst einmal zurück nach Hannover. „Als Lehrer konnte ich keine sechs Monate am Stück Urlaub nehmen, also teile ich mir die Reise auf“, erklärt der Pädagoge, der benachteiligten Kindern an der Heinrich-Ernst-Stötzner-Schule hilft. In den Sommer- und Herbstferien will er das Erzgebirge sowie den Oberpfälzer und den Bayerischen Wald durchquert haben. Auf die Alpen und die Eifel freue er sich besonders, sagt er. Seine Tour endet wieder in Bremerhaven.

Sein Vorhaben hatte der Pädagoge in vier Rundbriefen (nachzulesen unter www.neuesland.de im Internet) angekündigt, in denen er für seine Tour warb und nach Spendern suchte: „Meine Reise soll eine Spendenfahrt für einen guten Zweck sein.“ Einiges sei bereits zusammengekommen. „Meine Unterstützer sind sehr kreativ“, sagt Reinhardt. Einer zahle ihm für jedes Bundesland, das er durchfahre, eine bestimmte Summe, ein anderer honoriere jeden gefahrenen Regentag. Für jede Übernachtung auf seiner Tour hat Reinhardt 30 Euro eingeplant. Stellt ihm jemand eine kostenlose Unterkunft zur Verfügung, zahlt der Radler 30 Euro in den Spendentopf.

Das gesammelte Geld sei gut angelegt, wirbt Reinhardt für seine Aktion. Die christliche Einrichtung „Neues Land“, die sich um Suchtkranke kümmert, bekommt die Spenden. „Wir wollen die Menschen von der Straße holen, ihnen ein Leben ohne Drogen ermöglichen“, sagt der Vorsitzende Jochen Buhrow. „Neues Land“ bietet im Kontaktcafé Bauwagen unter der Raschplatzhochstraße oder im Oststädter „SOS-Bistro“ in der Steintorfeldstraße 4a Suchtkranken eine Anlaufstation. 38 Menschen absolvieren zurzeit in zwei therapeutischen Gemeinschaften im Solling eine stationäre Entwöhnungsbehandlung.

Die Einrichtung versucht auch denen zu helfen, die aufgrund von Rückfällen keine Therapie mehr finanziert bekommen. „Für uns ist kein Mensch verloren“, sagt Buhrow. Das bedeute intensive Arbeit mit den Betroffenen, auch direkt auf der Straße. „Wir müssen den Menschen Geschmack machen auf ein Leben ohne Drogen.“ Die Spenden sollen ebenso helfen, eine Therapie über die gewöhnliche Länge hinaus zu finanzieren. „Wer 20 Jahre auf Drogen war, braucht mehr als vier Monate Therapie,“ fügt Buhrow hinzu.

Vom Betrieb im „SOS-Bistro“, in dem Reinhardt einmal wöchentlich arbeitet, bekommt der Pädagoge nun auf dem Fahrrad irgendwo an der norddeutschen Grenze nichts mit. Doch wenn er zurück in Hannover ist, will er erzählen - von den Menschen, die er getroffen hat, von den körperlichen Anstrengungen, den vielen verschiedenen Dialekten. „Es wird eine anstrengende Reise,“ weiß Reinhardt. Am Ende wird der Lehrer 5550 Kilometer geradelt sein - nur rund 500 weniger als die Emigranten, die per Schiff von Bremerhaven nach New York fuhren.

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