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Passagen in der List kämpfen gegen schlechtes Image

Einzelhandel Passagen in der List kämpfen gegen schlechtes Image

Für viele Läden ist es nicht einfach, Kunden von der Lister Meile in die Passagen zu locken. Geschäftsschließungen sind dort keine Seltenheit. Doch ein Blick in die überdachten Einkaufszentren lohnt sich.

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Die Ladenbesitzer aus den Passagen wollen das Einkaufszentrum beleben.

Quelle: Hagemann/ Klabe

List. Modeboutiquen, Fotografen, Buchläden und Asia-Imbiss – in den Passagen an der Lister Meile finden viele Einzelhändler Platz für ihr Sortiment. Doch nicht selten kommt es vor, dass ein Laden schnell wieder schließt und die Passage verlässt – häufig unbemerkt. Denn was in den Passagen passiert, bleibt dort, im Schatten der Einkaufsmeile.

Damit ein Händler sich in einer Passage halten kann, brauche er Kunden, die für ihn die lebendige Lister Meile verlassen, sagt Klaus Eberitzsch, Sprecher der „Aktion Lister Meile“. Eine Passage benötige Läden, die Kunden anziehen, sonst sterbe sie aus. „Ein Fotograf, ein Einkaufsmarkt, oder die Sparkasse haben entsprechende Zielkunden und bestehen, aber Bummelläden haben keine guten Chancen“, sagt er. Zumindest die ohne feste Stammkunden.

„Für die meisten Passanten sind die Passagen nur Durchgänge zur Meile,“ erklärt Eberitzsch. Das gelte für die Lister Meilen Passage, die die belebte Einkaufsstraße mit der Edenstraße verbindet, genauso wie für die Lister Passage, die die Sparkasse beherbergt und den Zugang von der Bödekerstraße ermöglicht.

Hermann Hampe, Verwalter der „Lister Meilen Passage“, erkennt den Lagenachteil gegenüber den Läden auf der Lister Meile. Doch für ihn steht fest: Eine Passage kann funktionieren. „Natürlich gibt es Schließungen, aber die gibt es auf der Meile auch.“ Seine Ladenflächen seien alle vermietet und bei einem Auszug, gebe es nie lange Leerstand. Der Friseur zog 1967 ein, der Bäcker ein Jahr später. Das Fotostudio sei schon etwa sieben Jahre in der Passage – allesamt Läden mit einer festen Zielkundschaft. Mehr Kontinuität könne sich eine Verwaltung nicht wünschen, sagt Hampe.

In Hampes Objekt nimmt sich ab Sonnabend Jörg Fischer der Herausforderung in einer Passage zu bestehen an. Er eröffnet dort den Einrichtungsladen „Liebelei“. Er ist zuversichtlich, obwohl er nicht direkt an der Meile ist: „Ich bin überzeugt, die Passage mit meinem Geschäft aufzuwerten“. Fischer weiß um die Schwierigkeiten, die so ein Standort mit sich bringt. Aber er habe sich den Platz zwischen Edeka und dem Buchladen gut überlegt. „Der Edeka ist Stadtteilversorger und holt viele Anwohner und Laufkunden in den Durchgang zur Edenstraße“, sagt Hampe. Die kämen auch an Fischers Laden vorbei.

Weiter in Richtung Ausgang Edenstraße hätte sich Fischer dagegen nicht einquartieren wollen. In den wetterfesten Durchgängen seien oft Meter entscheidend, ob ein Kunde den Händler wahrnimmt.

Sein Laden soll mit Wohn- und Modeaccessoires, Raumdekoration, Schönem für Kinder und einer Kaffeebar Kunden locken. Viele Artikel habe er aus dem Ausland, besonders aus Skandinavien, bestellt. „Mein Angebot soll einzigartig auf der Meile sein“, sagt er selbstbewusst. „Liebelei“ sei ein „Schönladen“, wie Hampe ihn nennt, der die Passage bereichern wird.

Von Stammkunden und der Lage profitiert auch die Buchhandlung Beeck, Fischers künftiger Nachbar. „Wir haben Glück, dass wir an der Meile sind“, sagt Buchhändlerin Julia Tritschler. Ihre Werbung stehe zwar vor dem Laden, doch viel wichtiger ist das Außenangebot an Büchern. Fischer hingegen will keinen Aufsteller vor dem Eingang zur Passage auf der Meile platzieren: „Da stehen schon so viele.“ Er hatte bedruckte Postkarten in Läden auf der Einkaufsmeile verteilt – „Crossmarketing“, wie Hampe es nennt.

Reklame-Aufsteller vor dem Eingang gibt es auch an der „Lister Passage“ gegenüber. Über dem Bogen prangt das Logo der Sparkasse, die das Ziel der meisten Besucher ist. Auf dem Weg zum Geldautomaten übersehen viele die Geschäfte. „Wer hier nicht wohnt und einen Blick für die kleinen Boutiquen hat, übersieht meinen Laden,“ sagt Gisela Schneider, Inhaberin von „Männermoden“. Im September feiert sie mit ihrer individuellen Männermode zehnjährigen Geburtstag. Sie profitiert von Stammkunden, die die Passage immer finden.

Von der Stammkundschaft lebt auch Zahra Ostad vom Einrichtungs- und Blumenladen „Blumerie“. Die gebürtige Iranerin hat vor vier Jahren ihren Laden im Podbi-Park eröffnet – der Passage, die Podbielskistraße und Lister Straße verbindet und schon seit 2005 zwangsverwaltet wird. Viele ihrer Kunden kommen auch auf Empfehlung zu ihr. Sie schätzen die Ruhe, die sie auf der Meile nicht hätten. Im vergangenen Jahr hat sie ihre Ladenfläche nahezu verdoppelt, nachdem ein Fantasy-Laden auszog. Neben ihr sind auch ein Drogeriemarkt, ein italienisches Restaurant, Modeboutiquen, ein Fotostudio, der Bahlsen-Fabrikverkauf, ein Fitnesscenter und eine englischsprachige Privat-Kita in der Passage. Auch Bürgeramt und Bücherei zogen in den Podbi-Park, was täglich viele Besucher bedeutet. Die wenigsten allerdings nutzen ihren Besuch zum Bummeln.

Für die drei jungen Unternehmer vom Computerladen „Comity“ waren die fehlenden Laufkunden auch ein Grund, ihren Laden im Podbi-Park zu räumen und an die Ferdinand-Wallbrecht-Straße zu ziehen – obgleich die Passage ein optimaler Platz für die Unternehmensgründung war: mit niedrigen Mieten und einer guten Infrastruktur. Doch das „Premium-Produkt Apple“ verkaufe sich nicht im Hinterhof. Ihre neuen Räume sind offen, hell und freundlich. Was dem Podbi-Park fehle, sei ein klares Konzept, sagt Geschäftsführer Jonathan Sauppe. „Wir haben uns mit den Mietern zusammengesetzt, doch durch die Auflagen der Zwangsverwaltung seien keine großen Entwicklungen möglich.“ Schade, wie die drei Unternehmer finden.

Dass die Passagen es zuweilen schwer haben, sei ein bekanntes Problem, sagt Klaus Eberitzsch. Sie lägen im Schatten der Lister Meile und werden häufig nicht wahrgenommen. „Ein Laden in einer Passage muss immer besonderer sein als ein Laden auf der Lister Meile“, sagt er.

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