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Ost Samiis Leibniz-Ring kommt aus Misburg
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Samiis Leibniz-Ring kommt aus Misburg
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12:06 25.11.2013
Von Heike Schmidt
Petra Marklein-Paas gewinnt den Goldschmiedewettbewerb für den Leibnizring Quelle: Nico Herzog
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Hannover

Zum Schluss war es eine Art „Running Gag“: „Bloß nicht die Nerven verlieren“, scherzte Ehemann Holger Paas, wenn Petra Märklein-Paas aus ihrer Werkstatt kam und aufgeregt von der Fertigung des Leibniz-Ringes für den diesjährigen Preisträger, den Neurochirurgen Prof. Madjid Samii, erzählte. Die Misburger Goldschmiedin hatte sich am Wettbewerb um die Gestaltung des Ringes beteiligt, den der Presseclub alljährlich an verdiente Persönlichkeiten verleiht. Und es hat sich gelohnt, dass sie die Nerven behalten hat: Petra Märklein-Paas hat den Siegerentwurf abgeliefert. Seit Dienstagabend, dem Tag der Ringverleihung im Hannover Congress Centrum, trägt Samii das von ihr gestaltete Schmuckstück am Finger.

„Das ist eine große Ehre für mich“, sagt die 47-Jährige, die einen besonderen Bezug zum Arbeitsgebiet von Samii und seinen Medizinerkollegen hat. Denn die Misburgerin leidet unter einer sogenannten kindlichen Plexusparese, das Nervengeflecht ihres rechten Arms ist bei der Geburt beschädigt worden. Je nach Schädigungsgrad kann bei diesem Krankheitsbild ein Körperteil weniger beweglich oder sogar gelähmt sein.

Doch Petra Märklein-Paas hatte zweifach Glück mit ihrem Schicksal. Zum einen ist ihr rechter Arm zwar kürzer als der linke, aber sie kann ihn eingeschränkt bewegen. Zum anderen hatte sie Eltern, „die mich nicht in Watte gepackt haben“, wie sie es ausdrückt. Sie haben ihre Tochter machen lassen, was sie wollte - auch als sie den Wunsch äußerte, Goldschmiedin zu werden. „Da haben sie mich nicht etwa aus der Angst heraus gebremst, ich könnte das mit meinem Arm nicht schaffen“, sagt Märklein-Paas. Wenn sie Goldschmiedin werden wolle, solle sie sich eben eine entsprechende Lehrstelle suchen, meinten die Eltern einfach nur.

Das tat die gebürtige Hildesheimerin dann auch. Bei Reinhard Rischke, einem Gold- und Silberschmiedemeister in ihrer Heimatstadt, ging sie in die Lehre. Sie wusste schon damals sehr genau, was sie durch ihr Handicap leisten konnte und was nicht. „Alles, was unter meinen Händen lebt wie Papier oder Stoff, das geht nicht“, erklärt sie. Aber Metall, das mal spröde, mal hart und nur zeitweise weich ist, das war das Material, mit dem die Auszubildende ihren Träumen Gestalt geben konnte.

Ein kleiner Computerchip gab den Anstoß zu ihrem Entwurf für den Leibniz-Ring. Märklein-Paas hatte sich gefragt, wie man derart viel Wissen - das des Universalgelehrten Leibniz und das von Samii - symbolisch auf einem Ring vereinen könne. Ihr Mann schenkte ihr daraufhin den Chip. Auf dem Datenträger hatte er zuvor Informationen zu den beiden Wissenschaftlern und ihren Projekten gespeichert. „Mach was draus“, habe er zu ihr gesagt, erinnert sich die Goldschmiedin. Sie schuf daraufhin einen Ring aus Silber, dessen oberer Teil sich drehen lässt und den Blick auf den Chip frei gibt. Unter diesem ist ein Zitat von Leibniz eingraviert: „Ohne Gott ist nichts.“ Auf dem „Deckel“ des Ringes ist als Hommage an Samii eine goldene Nervenzelle aufgelötet, die sich wie die Strahlen einer Sonne über das Gehäuse zieht.

Es gibt viele Metaphern, die der Ring in sich trägt. So sind auf dem Computerchip sämtliche Daten im binären System gespeichert, das auf Leibniz zurückgeht. Die aus Gold gefertigte Nervenzelle, die an einer Stelle einen kleinen Brillanten trägt, steht für Brillanz und Kostbarkeit. Nicht zuletzt hat die Misburgerin den Ring komplett in Handarbeit hergestellt und auf die Arbeit mit einem Laser oder den Einsatz von gegossenen Teilen verzichtet. „Auch Prof. Samii muss sein Handwerk als Neurochirurg beherrschen und arbeitet mit den Händen“, erklärt sie. Und so verbindet der diesjährige Leibniz-Ring gleich drei Menschen miteinander: seinen Namensgeber, seinen Träger und seine Schöpferin.

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