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Radfahrer aus Hannover tourte 6244 Kilometer durch Europa

Bothfeld Radfahrer aus Hannover tourte 6244 Kilometer durch Europa

6244 Kilometer tourte Matthias Häßlein aus Bothfeld mit dem Fahrrad durch Europa. Schon als Zwölfjähriger hatte Häßlein gemeinsam mit seinem Vater längere Radtouren unternommen

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Voll bepackt durchs Land: Am Fahrrad hängen Taschen mit Zelt, Schlafsack und Kochutensilien.

Hannover. Bereits am zweiten Tag war der Höhepunkt der Frustration erreicht. Irgendwo auf dem Weg von Hamburg nach Rostock hatte Matthias Häßlein seinen zweiten Platten. „Jetzt reicht’s“, dachte sich 19-jährige Bothfelder, der Mitte April zu einer Radtour durch Europa aufgebrochen war und obwohl noch nicht weit gekommen, schon wieder unfreiwillig gestoppt worden war. Aber danach ging es aufwärts, das zweite Loch im Reifen war auch das letzte.

Matthias Häßlein ist begeisterter Fahrradfahrer. „Mein Vater hat mich mit dem Fahrradvirus angesteckt“, sagt der Sportler. Schon als Zwölfjähriger hatte Häßlein gemeinsam mit seinem Vater erste Radtouren unternommen, etwa von Hannover nach Nürnberg. 2010 fuhr der Leibniz-Schüler mit seinem Vater in fünf Wochen zum Nordkap an die Spitze Norwegens. Jetzt, zwischen Zivildienst und Maschinenbaustudium, sollte es für Häßlein junior allein durchs Land gehen. Auch hierbei trat er in die Fußstapfen seines Vaters oder fuhr besser gesagt in seinen Reifenspuren. Denn auch Vater Markus war schon auf zwei Rädern durch Europa gereist.

„Eigentlich sollte es nur durch Deutschland gehen“, sagt Matthias. Aber dann baten Freunde und Verwandte in mehreren Städten, dass er doch einen Stopp bei ihnen einlegen sollte, und so wurde die Tour immer länger, bis es eine Europa-Reise wurde.

Vom Geld, das er während seiner Zivildienstzeit verdient hatte, kaufte er sich ein Maxcycle Rohloff Rad mit 14-Gang-Nabenschaltung. „Die hat eine Garantie von 100 000 Kilometern“, schwärmt Matthias. 2500 Euro investierte er in das Fahrrad und noch einmal so viel in Taschen, Zelt, Schlafsack, Fahrradkleidung, Kocher und vieles mehr.

Und dann ging es los. Zunächst fuhr er zu den Großeltern nach Hamburg und dann – mit Reifenpannenpause – weiter nach Berlin. Überall wo Freunde und Verwandte wohnten, machte er Halt. „Daher folgte ich auch nicht einer geradlinigen Route“, sagt der Sportler, der von Leipzig nach Prag, von dort weiter nach Nürnberg, und schließlich die Donau entlang über Wien nach Budapest fuhr. Am Plattensee entlang ging es weiter über Graz nach Venedig, zurück nach München und in einer finalen Rundfahrt über den Brenner zum Genfer See nach Grenoble. Der Weg nach Hause führte über Stuttgart.

Matthias’ Tag begann morgens um 6 Uhr. Nach Frühstück mit Brot, Butter, Marmelade, Wurst und Käse ging es um 8 Uhr auf den Sattel und dann entlang der am Abend geplanten Strecke. 50 doppelseitig bedruckte Karten hatte er sich zur Routenplanung zu Hause extra ausgedruckt. Mittags stärkte sich der Langstreckenfahrer im Supermarkt, und nach durchschnittlich 166 Kilometern am Tag ging es abends auf die Suche nach einem Platz zum Zelten. „Entweder habe ich einen Zeltplatz gefunden, an einem Bach gecampt oder eine Bleibe übers Couchsurfing gefunden“, sagt Matthias, der sich über dieses Internetangebot auf fremden Sofas einquartierte.

Zeit für Sehenswürdigkeiten hatte der Bothfelder kaum. Ein paar Stunden Wien, einen halben Tag Budapest, aber das war’s auch schon. „Das war ja eine Sporttour und keine Kulturreise“, sagt der 19-Jährige. In Venedig kam es noch zu einer unverhofften Begegnung. „Ich habe den Papst auf einer Gondel über den Canal Grande fahren sehen“, staunte Matthias.

Spannend wurde es für den mit schwarzer Fahrradkleidung und silber-grau-gestreiftem Helm Fahrenden nicht nur in Italien: Weil seine ec-Karte nicht richtig funktionierte, musste er 14 Tage lang mit 170 Euro auskommen. „Da gab es nur Billigbrot, Wasser statt teurer Iso-Getränke und auch keinen edlen italienischen Käse“, sagt Matthias, der sich jeden Abend seiner Radtour Nudeln kochte – insgesamt 39-Mal.

Nach einem Zwischenstop in Frankreich wandelte der Abiturient auf den Spuren der Tour-de-France-Fahrer. Eigentlich wollte er mit seinem Trekkingrad den Col du Galibier erklimmen. „Aber da hat es noch geschneit“, sagt der Amateur-Kletterer. Das Ersatzziel hatte es aber ebenso in sich: einer der berühmtesten Anstiege der Tour de France zum Wintersportort L’Alpe d’Huez. Die 21 Kurven, in denen es von 700 auf 1900 Meter geht, bewältigte Matthias in 90 Minuten. „Marco Pantani, einer der besten Bergfahrer bei der Tour de France, hat das in 37 Minuten geschafft“, weiß Matthias, und ist trotzdem stolz, den Berg bezwungen zu haben.

Genauso stolz kann er auf die am Ende 6244 Kilometer sein, die der Bothfelder in 39 Tagen mit nur einem Ruhetag zurückgelegt hat. Ab Herbst will er in Hannover Maschinenbau studieren. Für die nächsten Semesterferien hat er aber schon Ziele: „Einmal um die Ostsee und irgendwann von San Francisco nach New York.“ Bis dahin geht es mit dem Rad aber erst einmal wieder durch Hannover und Umgebung.

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